Immer wieder sonntags

Alle Stühle sind belegt, die Stehplätze eingenommen, es kann losgehen: Die Sonntagsserenaden im Maltesergarten haben ein treues Publikum.

Yukon ist zwar erst drei Jahre alt, aber er schuftet schon wie ein Großer. Stuhl um Stuhl schleppt er nach draußen - seine Ware ist heiß begehrt. Wer so fleißig ist, hat sich eine kühle und süße Belohnung verdient. Der Papa hat's versprochen.

Sonntag, früher Abend im Maltesergarten. Gut ein Dutzend weißer Plastikstühle ist schon akkurat auf dem Rasen aufgereiht, weitere werden noch folgen. Schlussendlich werden es am Ende gut 150 Stück sein. Und sie reichen bei weitem nicht aus, damit jeder einen Sitzplatz bekommt. Wer später aufschlägt, muss stehen. Die Sonntagsserenaden finden reißenden Absatz. Um kurz nach halb sechs ist Miguel Lopez schon da. Seine Freundin und die beiden Kinder, Yukon (3) und Jason (11), helfen ihm dabei, die Stühle nach draußen zu bringen. Unzählige Male flitzt sein Jüngster zurück in die Alte Reitschule, dem Vereinsheim der Knappschaftskapelle, um wieder einen Stuhl zu holen.

"Ich finde das toll"

Christel Gold ist immer sehr früh da. Mit drei anderen Damen sitzt sie um kurz nach 18 Uhr - und damit eine Stunde vor Beginn - unter einem Baum im Schatten. Das Wetter meint es am letzten August-Wochenende gut mit den Zuhörern und den Musikern. Vielleicht sogar zu gut. Die Sonne sticht vom Himmel, kein Wölkchen in Sicht. "Wer einen guten Platz will, muss früh kommen", sagt die Frau aus Haselmühl.

Man könnte sagen, dass Christel Gold ein Serenaden-Profi ist. Ein treuer Stammgast ist sie allemal. Sie kommt regelmäßig in den Maltesergarten - und das schon seit Jahren. "Ich finde es toll, dass es das gibt", urteilt sie. Besonders freut sie sich, dass der Eintritt frei ist. Erst um halb sieben zu kommen, wäre ihr definitiv zu spät. "Nein, stehen möchte ich nicht", sagt die Frau.

Wenn sie auf die Saison zurückblickt, die ja fast schon zu Ende ist, dann weiß sie erst einmal gar nicht, was ihr am besten gefallen hat. "Eigentlich war alles schön." Ein Favorit fällt ihr dennoch ein: "Die Damen-Big-Band aus Waidhaus, die hat so richtig Schwung reingebracht." Immer mehr Menschen strömen zum Maltesergarten, die einen führen ein kleines Hunderl an der Leine, postieren sich hinter dem Rosenbeet. Die anderen kommen mit Fahrrädern, parken sie im Pavillon oder gleich daneben. Ein älteres Ehepaar rückt mit Klapp-Hocker und Campingstuhl an. Miguel Lopez schleppt die letzten Sitzgelegenheiten nach draußen, Yukon und Jason helfen immer noch fleißig mit. Lopez ist einer der Freiwilligen, die sich bei der Knappschaftskapelle in eine Liste eintragen und im Sommer den Maltesergarten bestuhlen - immer wieder sonntags. "Normalerweise bin ich vier Mal dran", sagt der Musiker. Heuer jedoch hat er nur drei Einsätze.

Familie geht zum Eisessen

Meistens bleibt er während der Serenaden da und hört zu. Heute allerdings nicht. "Wir gehen jetzt zum Eisessen", sagt er. Das habe er den Buben versprochen. Und das haben sich Yukon und Jason wirklich verdient. Gegen 20 Uhr wird die Familie wieder zurück sein, um die Stühle zurück ins Vereinsheim zu räumen. Tradition bei den Sommerserenaden ist, dass die Knappschaftskapelle den Auftakt bestreitet und auch den Schlussakkord setzt. Und Miguel Lopez hat sich fest vorgenommen, dann mitzuspielen.

"Wenn's passt, bin ich da", sagt Gabriele Kapperer aus Kümmersbruck. Sie lobt die Musik-Reihe in den höchsten Tönen. "Die Sommerserenaden haben wirklich eine tolle Entwicklung genommen, über so viele Jahre." Jetzt, eine halbe Stunde vor Beginn, freut sie sich auf Moon Dance. Mit dem Programm in der Hand läuft Sängerin Kathrin Fischer über den Schotterweg. Ihr Mann Andreas baut mit seinem Kollegen Vadim Vassilkov die Instrumente auf. Ludmilla Portnova komplettiert das Quartett. "Die Stücke haben vor allem Ludmilla und ich ausgesucht", sagt die Sängerin. Schon vergangenen Sonntag ist sie aufgetreten, mit der Wiener Schmähmusik.

Die Serenaden haben ein treues Stammpublikum, doch es gibt immer wieder Leute, die zum ersten Mal kommen. Zum Beispiel Betty Kuchenreuther. Sie hat von Bekannten davon erfahren. "Jetzt will ich mir das mal anhören", sagt die Frau aus Sulzbach-Rosenberg und freut sich über schönes Wetter bei ihrer ganz persönlichen Premiere.

Warten auf Moon Dance

Die Zuhörer warten gespannt auf Moon Dance. Sie sind froh, dass das Ensemble draußen spielt und nicht wegen schlechten Wetters in den Maltesersaal ausweichen muss. Christel Gold schüttelt energisch den Kopf: "Nein, drinnen gefällt's mir nicht." Während die Leute der Musik lauschen, genießt Yokun sein Eis. In einer Stunde wird er mit seiner Familie zum Malteserplatz kommen - und beim Abbau helfen.
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