In der Region bis zu 25 sexuelle Übergriffe pro Jahr
Höchste Priorität: Schutz der Kinder

Achtung Internet: Das Programm www.CoolandSafe.eu zeigt Schülern den Umgang mit Gefahren, und wie man sich davor schützt. Bild: Diakonie
"Meine Tochter wurde auf einer Fete angegrapscht". Oder: "Mein Sohn hat auf sexualisierende Weise Mädchen im Kindergarten belästigt." Was können Mütter und Väter dann tun? Derartige Anfragen besorgter Eltern richten sich inzwischen häufiger an die Erziehungsberatungsstelle in Amberg, wie jetzt Beraterin Christine Reichl-Heller beim Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt in einem Vortrag berichtete.

Etwa 20 bis 25 Anfragen von Eltern, Lehrern, Ärzten und dem Jugendamt zum Thema sexuelle Übergriffe erreichten die Beratungsstelle pro Jahr, heißt es in einer Mitteilung. In einem akuten Fall von sexueller Gewalt gegen ein Kind gehe es darum, einen sicheren Ort zu bieten und die Eltern als wichtigste Bezugspersonen zu stabilisieren. Dabei sei es wichtig, dass Eltern oder Pädagogen nicht vorschnell handeln, sondern sich erst einmal mit Fachleuten beraten. In der Arbeit mit betroffenen Kindern komme häufig eine Spieltherapie zum Einsatz. Später stehe die Stabilisierung des Kindes im Fokus.

Auch Eltern benötigen Unterstützung und Beratung: Wie kann ich mein Kind schützen? Soll ich zur Polizei gehen? Wer hilft mir in meiner Not? Mitunter, teilte Traumatherapeutin Reichl-Heller mit, würden Mütter an einen selbst erlebten, unverarbeiteten sexuellen Übergriff erinnert, der sie dann besonders hilflos mache. Reichl-Heller machte deutlich, dass die Erziehungsberatungsstelle an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt sei. Nicht zuletzt deshalb wiederholten Vertreter des Arbeitskreises ihre Forderung nach einer durch Stadt und Landkreis finanzierten Einrichtung - einer Fachberatungsstelle sexualisierte Gewalt.

Für 5000 Grundschüler

Unterdessen hat der Arbeitskreis das Präventionsprojekt "Cool and Safe" (siehe Infokasten) gestartet, wie Michael Hartinger (Dr. Loew Soziale Dienste) und Gabi Swandulla (Lehrerin Krötensee-Mittelschule Sulzbach) berichteten. Grundschüler könnten durch das Programm lernen, Gefahren aus dem Internet zu erkennen sowie sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Dazu hat der Arbeitskreis mit Unterstützung des Lions-Clubs Amberg und des Schulamtes alle Lehrer und Eltern der 5000 Grundschüler im Stadtgebiet und dem Landkreis angeschrieben.

Beide Seiten könnten das Programm mit den Kindern am Computer durchgehen. "Cool and Safe ist ein großer Schritt zu mehr Sicherheit für die Kinder unserer Region", betonte Albrecht Winter-Winklmann von der Diakonie.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.