In die eigene Tasche reguliert

Er steckte finanziell tief in der Klemme. Da fasste ein 47-Jähriger aus Amberg den Entschluss, seinen Arbeitgeber zu betrügen. Bei einer Versicherungsagentur beschäftigt, fingierte er Schadensfälle und sorgte durch Manipulationen dafür, dass die Regulierungsgelder auf das Konto seiner Lebensgefährtin flossen.

Sein Geständnis war umfassend. "Das ist alles genau so", sagte der Amberger, als Staatsanwältin Daniela Spieß ihre Anklageschrift verlesen hatte. Sie enthielt 32 Betrügereien. Die Taten waren im Verlauf von eineinhalb Jahren verübt worden und dienten von ihrem Gewinn her dazu, den Lebensunterhalt des Mannes zu finanzieren. Vor dem Schöffengericht, das unter Vorsitz von Markus Sand tagte, wurden im Prozess erstaunliche Umstände offenkundig. Der Mann arbeitete auf Provisionsbasis für eine Versicherungsagentur und war dort zuständig für die Regulierung kleinerer Schadensfälle. Bis zur Summe von 2000 Euro konnte er selbst entscheiden. Ihm standen dafür Blankoschecks zur Verfügung. Irgendwann im Jahr 2012 gingen die Provisionen des 47-Jährigen zurück.

Schadenfälle erfunden

Was er unter dem Strich monatlich bekam, reichte nicht mehr. Deshalb begann der heute schwer kranke Mann, seine Rolle auszunutzen. Er erfand Schadensfälle, bediente sich dabei der Namen tatsächlich bei der Agentur vorhandener Versicherungsnehmer und holte Rechnungen von Kfz-Werkstätten aus seinem Computer. Die machte er dann insofern "passend", als er Beträge und Daten änderte.

"Und wie ging es weiter?", fragte Richter Sand. Auch das erklärte der 47-Jährige ausführlich. Er griff zu den ihm zur Verfügung stehenden Blankoformularen, stellte Verrechungsschecks aus und sorgte dafür, dass sie seine Lebensgefährtin bei ihrer Bank abgeben konnte. Die Beträge, im Regelfall zwischen 500 und 700 Euro, wurden dem Konto der Frau gutgeschrieben.

Als die betrügerischen Winkelzüge eher durch Zufall aufkamen, wurde durch den Inhaber der Agentur Anzeige erstattet. Die Kripo begann zu ermitteln, kam auf einen erschwindelten Gesamtbetrag von 21 000 Euro, vernahm den zu diesem Zeitpunkt bereits entlassenen Schadensregulierer und erhielt ein Geständnis. "Er hat das sofort zugegeben", hörten die Richter jetzt von einem Hauptkommissar.

In der Hauptverhandlung wurde deutlich: Der Mann brauchte dringend Geld, um über die Runden zum kommen. "Allerdings wurde es ihm auch leicht gemacht", ließ Richter Markus Sand später in der Urteilsbegründung anklingen. Denn bis zu 2000 Euro blieb die Regulierung innerhalb der Agentur. Die Hauptzentrale der namhaften Assekuranz erfuhr davon nichts.

"Er hat es probiert und keinem ist es aufgefallen", resümierte Staatsanwältin Spieß. Dem Angeklagten hielt sie vor, einen "ausgeklügelten Plan" in die Tat umgesetzt zu haben. Wegen Untreue, Betrug und Urkundenfälschung verlangte sie zwei Jahre Haft mit Bewährung. "Was er machte, ist nie überprüft worden", argumentierte Verteidiger Jürgen Mühl. Er hielt 18 Monate mit Bewährung für ausreichend. Diesem Antrag schloss sich das Schöffengericht an. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

Nur in ganz kleinen Raten

Unterdessen hat sich der ehemalige Arbeitgeber gemeldet. Er will 21 000 Euro zurück haben. Doch darauf wird er warten müssen. Der 47-Jährige aus Amberg ist nämlich hoch verschuldet. Er kann nur in ganz kleinen Monatsraten zurück zahlen.
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