In die richtige Richtung

Geduld müsse man haben, hat Timo Rost (links), Trainer des FC Amberg immer angemahnt. Seine Mannschaft brauche Zeit, um sich einzuspielen. Die Vorstandschaft des FC Amberg - darunter Vorsitzender Werner Aichner (Mitte) und Manager Hubert Kirsch (rechts) - haben auch nach unerwarteten Niederlagen zum Trainer und dessen Konzept gehalten. Bild: ref

Nach der Niederlage gegen die SpVgg SV Weiden stand Trainer Timo Rost auf der Kippe. Doch die Mannschaft des FC Amberg hat sich seither gesteigert. Die Fans honorieren die neue Spielkultur - jetzt soll der nächste Schritt folgen.

Das nennt man eine Punktlandung: Mit dem 3:0 beim SV Alemannia Haibach hat der Fußball-Bayernligist FC Amberg mit dem Ende der Hinrunde exakt die Hälfte der als Saisonziel ausgegebenen "60 Punkte und mehr" erreicht.

30 Zähler stehen für die Mannschaft von Trainer Timo Rost zu Buche, damit verbunden der momentane fünfte Tabellenplatz - auf Tuchfühlung mit den Spitzenteams. Kein Wunder also, dass der Amberger Coach nach dem holprigen Auftakt zu Beginn der Saison 2014/15 inzwischen mit dem Abschneiden zufrieden ist.

Wie lautet Ihr Fazit nach der Hälfte der Saison?

Timo Rost: Grundsätzlich fällt es für mich positiv aus. Klar, wir sind holprig gestartet, haben uns dann aber gefangen und liegen jetzt voll im Soll. Was ich auch als ungemein positiv bewerte, ist die Unterstützung der Mannschaft durch unsere Fans - ein ganz toller Wandel, der sich da vollzogen hat. Sie honorieren in den letzten Wochen unsere Leistung und unsere guten Auftritte.

An was lag es denn, dass Ihr Team doch einige Zeit benötigte, um in Schwung zu kommen? Immerhin waren Sie ja nach dem 0:2 im Derby gegen Weiden und vor der Partie in Ammerthal alles andere als unumstritten?

Timo Rost: Intern war immer klar, dass der Verein und ich weiter zusammenarbeiten werden. Die Unruhe kam von außen und legte sich erst mit den Erfolgen, die wir dann geholt haben. Wir hatten vor der Saison etliche Weggänge und neun neue Spieler, die die Sportliche Leitung und ich ausgewählt hatten, die zu uns gestoßen sind. Das war so gewollt und unser stotternder Beginn auch so einkalkuliert. Denn jedem, der etwas vom Fußball versteht, war klar, dass es einige Zeit braucht, bis die Neuzugänge und die neu zusammengestellte Truppe die Philosophie verinnerlichen und das System Früchte trägt.

Das scheint ja gerade in den letzten Spielen wesentlich besser geworden zu sein?

Timo Rost: Eindeutig. Wenn man unseren bisherigen Verlauf sieht, dann wird es zur Winterpause genauso sein, wie ich prophezeit habe. Wir werden oben dabei und unter besten vier Mannschaften der Bayernliga Nord sein. Bis ein Rädchen ins andere greift und das neue Gefüge sich gefestigt hat, benötigt man auch etwas Geduld. Wenn etwas dauerhaft Erfolgreiches aufgebaut werden soll, dann geht das nicht von heute auf morgen.

Was unterscheidet den FC Amberg vom Beginn dieser Saison zu dem jetzigen?

Timo Rost: Ganz einfach: Die Mechanismen greifen jetzt. Wir haben die Balance zwischen sehr guter defensiver Arbeit und offensivem Spiel nach vorne gefunden. Da macht es dann auch gar nichts aus, wenn wir - wie in den letzten Partien geschehen - aufgrund von Verletzungen zum Teil mit fünf oder sechs nominellen Stürmern auflaufen. Das können wir nun problemlos machen und so auch offensiv attraktiven Fußball bieten. Und jetzt kommt der nächste Schritt.

Und der sieht wie aus?

Timo Rost: Wie gesagt: Bis zur Winterpause in vier Wochen wollen wir unter den Top 4 der Liga stehen. Und dann danach den einen oder anderen Punkt, den wir vielleicht liegen haben lassen, wettgemacht haben. Das ist unser Ziel, denn dann stehen am Ende auch die vorgegebenen '60 Zähler und mehr' zu Buche.

Was waren für Sie die Höhepunkte in der Vorrunde?

Timo Rost: Logischerweise war eines davon das historische 7:0 gegen die SpVgg Ansbach. Und auch das 3:0 in Hof, wo wir ungemein souverän aufgetreten sind. Aber auch die Leistung unseres Konkurrenten SpVgg SV Weiden ist erwähnenswert. Ich denke, dass die nördliche Oberpfalz stolz darauf sein kann, mit uns und den Weidenern mit zwei Spitzenteams in der Bayernliga vertreten zu sein. Denn beide gehören für mich nach wie vor zum erweiterten Favoritenkreis auf die Meisterschaft.

Vor der Saison wurde ja von vielen Experten prophezeit, dass die Bayernliga heuer die beste der vergangenen Jahre sei. Können Sie diese Aussage, nachdem nun die Hälfte aller Spiele absolviert wurde, teilen?

Timo Rost: Vollkommen. Das Niveau ist wesentlich stärker als in der vergangenen Saison. Dies liegt zum einen an den beiden Regionalliga-Absteigern aus Hof und Aschaffenburg. Aber selbst sogenannte schwache Teams haben zugelegt, bei ihnen ist inzwischen immer ein Spielsystem erkennbar. Es gibt unterm Strich überhaupt keine leichten Gegner mehr. Denn auch die Gegner aus den unteren Regionen, die meistens geschickt und mit viel Engagement verteidigen, haben zwei bis drei Spieler in ihren Reihen, die mit einem Lucky Punch eine Partie entscheiden können. Wie unser Beispiel in Neudrossenfeld bestens zeigt. Fakt ist: Will man die Spiele gewinnen, muss man heuer immer alles geben. Nur mit 90 Prozent sind die Matches nicht für sich zu entscheiden. Das mussten auch unsere Spieler lernen.
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