In zehn Jahren nur ein Unfall

Über Jahre hinweg war das Fahrradfahren in der Fußgängerzone ein Streitthema. 2005 kippte die Stadt das Verbot. An das Miteinander haben sich mittlerweile offensichtlich alle Generationen gewöhnt. Bild: Huber

Die Kommunalpolitiker, die auch schon vor 14 Jahren im Stadtrat saßen, werden sich erinnern: Nur Georg Lassonczyk (CSU) war im Oktober 2001 dafür, die Fußgängerzone für Radfahrer zu öffnen. Das Verbot blieb. Bis vor zehn Jahren die Idee reifte, eine Testphase zu starten. Seitdem scheint das Miteinander gut zu funktionieren.

Amberg. (tk) Es war im Mai 2001, als der Agenda-Arbeitskreis Altstadtentwicklung die Ergebnisse seiner Meinungsbildung präsentierte: 58 Prozent der befragten Amberger waren dafür, das Fahrradfahren in der Fußgängerzone zu erlauben. Ein halbes Jahr später empfahl der Verkehrsausschuss aber, es bei dem Verbot zu belassen. Dieter Amann, damals Chef der SPD-Fraktion und späterer OB-Kandidat, kündigte im Oktober 2001 an: "Wir werden da nicht zustimmen. Auch nicht für ein Schritttempo."

Bis auf Georg Lassonczyk (CSU) folgten alle anderen Volksvertreter Amanns Meinung. Juristisch sei die Angelegenheit damals nicht ganz einfach gewesen, sagt Amann jetzt und erinnert sich an das Argument, dass das Wort Fußgängerzone das Recht beinhalte, sich frei bewegen zu können. Dieser Teil der Innenstadt sei der einzige, in dem Eltern ihre Kinder laufen lassen können. Radfahrer seien eher als Gefahr eingestuft worden. Amann: "Wir sind davon ausgegangen, dass mehr passieren würde. Das ist nicht der Fall."

Zuletzt alles ruhig

Die Statistik belegt das. Laut Robert Hausmann, Leiter der Amberger Polizeiinspektion, gab es 2014 in der Fußgängerzone keinen einzigen Unfall, an dem ein Radler beteiligt war. Ähnlich sah es auch in den Jahren zuvor aus, wie Polizeisprecher Peter Krämer auf Nachfrage mitteilt. Seit das Radeln zwischen Marktplatz und Malteser geduldet wird, ereignete sich nur ein Unfall. Der hatte es allerdings in sich.

Verkehrsreferent Bernhard Mitko stimmt in dieses Lied mit ein: "Es hat schon seit langem keine Beschwerden mehr gegeben." Amann muss aus seiner Erfahrung als Stadtrat relativieren: "Es gibt schon noch Leute, die mich darauf ansprechen und sagen, dass es früher besser war. Es ist immer noch Gefahrenpotenzial da." Das will Johannes Wolf gar nicht in Abrede stellen. "Es darf nicht sein, dass einer meint, er sei der Stärkere. Radler und Fußgänger müssen sich auf einer Ebene treffen", sagt der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Amberg-Sulzbach.

Die Entscheidung, die Fußgängerzone zu öffnen, sei richtig gewesen. Wolf schränkt aber ein: "Radler haben eine erhöhte Aufmerksamkeit zu haben, weil es auch Kinder in der Fußgängerzone gibt. Sie sind im zielgenauen Gehen nicht so berechenbar wie Erwachsene." Grundsätzlich müssten Radfahrer großräumig ausweichen können und stets bremsbereit sein: "Wer eine Klingel braucht, ist eigentlich schon zu schnell dran."

Visionär Lassonczyk

Und Georg Lassonczyk? Er rühmt sich nicht damit, Visionär gewesen zu sein. "Es hat sich jetzt ganz gut eingespielt", sagt der 79-Jährige und ist der Überzeugung: "Wenn man aufeinander Rücksicht nimmt, geht im Leben fast alles." Vor zehn Jahren und in den Zeiten davor habe es aber viele Menschen gegeben, die Scheuklappen getragen hätten: "In erster Linie konservative Fußgänger, die sich gegen alles gewehrt haben, was neu war."
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