In zehn Jahren von null auf 1484 Kunden

Seit zehn Jahren gibt es die Tafel. Viele der Helfer, die OB Michael Cerny (links hinten), stellvertretender Landrat Franz Birkl (hinten, Zweiter von rechts) und Vorsitzender Bernhard Saurenbach (rechts hinten) am Mittwochabend in Altmannshof auszeichneten, sind von Beginn an als Helfer dabei: James Burke (hinten, Zweiter von links) sowie (davor) Hermann Fruth und Irmgard Buschhausen. Ferner (vorne von links): Hildegard Schiller, Rita Spieß und Alma Lang. Zweite Reihe von links: Martin Graf , Heidrun Roth,

Zehn Jahre Tafel in Amberg. Ist das nun ein Grund zum Feiern oder doch eher für Nachdenklichkeit? Am Mittwochabend wurde bei der zweieinhalbstündigen Geburtstagsparty in Altmannshof sehr schnell deutlich: Beides trifft zu.

Amberg. (tk) Es war eher der Zufall, der Irmgard Buschhausen im Jahr 2005 auf die Idee brachte, den ärmsten Teil der Bevölkerung mit kostenloser Nahrung versorgen zu wollen. Bei einem privaten Termin in Neumarkt sah sie eine Familie, die gerade Lebensmittel geschenkt bekommen hatte. Das etwa zehnjährige Kind sei vor lauter Freude auf dem Gehsteig gehüpft und gesprungen und habe sich laut gefreut: "Essen, Essen, endlich was zu essen." Weil Brigitte Netta und Beate Binder fast zeitgleich ebenfalls helfen wollten, taten sich die drei Frauen zusammen und riefen die Amberger Tafel ins Leben, die zunächst in den Kolping-Räumen am Kochkeller angesiedelt war. Der Hirschauer Unternehmer Klaus Conrad spendete spontan Regale, Kühlzellen und ein Fahrzeug. Das war das Startkapital für die Amberger Tafel.

"Wir haben mit etwa 70 Leuten begonnen", blickte die heutige Bürgermeisterin Netta auf die ersten Essensausgaben zurück. Mittlerweile hat die Einrichtung rund 700 Familien als Kunden - aktuell sind es exakt 972 Erwachsene und 512 Kinder, die Hilfe in Anspruch nehmen. "Auf der einen Seite ist das erschreckend, dass es ist, wie es ist", schlug Beate Binder die nachdenklicheren Töne an, um sogleich den Hauptgrund für die Feier zu nennen: "Es ist faszinierend, wie sehr sich hier alle engagieren."

"Das Herz der Tafel"

Allen voran Bernhard Saurenbach, der seit acht Jahren das Tafel-Kommando hat und für Mittwochabend in das Gasthaus Kopf eingeladen hatte. Auch die Unterstützer und Helfer, die ansonsten jede Woche im Verborgenen arbeiten, sollten einmal in den Genuss kommen, umsorgt und verpflegt zu werden. Moderator Thomas Bärthlein wollte eingangs nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: "Das Essen wird gesponsert. Das geht nicht auf Kosten der Tafel." Bevor das warme Büfett mit Lachs, Schweinefilet oder Entenbrust eröffnet wurde, fasste Bernhard Saurenbach prägnant die Bedeutung des Vereins zusammen: "Die Tafel ist eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel. Wir schaffen einen Ausgleich." Jeder gibt, was er kann. Damit sei nicht nur die Unterstützung mit Geld und Sachspenden gemeint, sondern auch die Zeit der Ehrenamtlichen: "Ihr seid das Herz der Tafel." Viele von ihnen sind seit Beginn an mit dabei.

Andere kamen später hinzu. Wie Gisela Tritschler, die mit 84 Jahren bis Ende 2014 regelmäßig half und bis dahin die älteste der 95 Freiwilligen war: "Es würde keiner an Hunger sterben, wenn es die Tafel nicht gäbe. Aber es macht mich traurig, wenn ich sehe, was so alles weggeschmissen wird." Saurenbach bestätigte: "Circa 320 Tonnen Lebensmittel retten wir vor der Tonne." Pro Jahr.

OB Michael Cerny bezeichnete die Tafel als sehr wertvolles Element: "Weil man da hilft, wo es die Menschen am Notwendigsten brauchen." Stellvertretender Landrat Franz Birkl nahm die verbale Vorlage auf: "Es ist schade, dass viele Lebensmittel sogar vernichtet werden, um den Preis hochzuhalten. Das ist das Unfairste, was man machen kann. Auch den Erzeugern gegenüber."

Flüchtlinge bedanken sich

Daoud Sheho Seleman, ein nach Amberg geflüchteter Jeside aus dem Irak, gehört zu den Tafel-Kunden und ließ es sich am Mittwoch nicht nehmen, ans Mikrofon zu treten: "Dankeschön für alles. Danke für das Tafel-Essen." Zu Wort kam auch Ayman Tamaa aus Syrien. Er hatte als Asylbewerber bei der Tafel angefragt, ob er als ehrenamtlicher Helfer mitarbeiten kann. Das ist nun der Fall. Auch Leonid Gershunovich versteckte sich nicht. Der gebürtige Ukrainer ist bei den Ausgaben Stammgast und hatte sein Schifferklavier mitgebracht, mit dem er zur Unterhaltung aufspielte - an der Seite seiner singenden Landsfrau Binita Kanevska.
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