Indische Palme als Kirwabaum

Helmut Amberger ist gebürtiger Amberger und hat in Fichtenhof noch ein Ferienhaus, das er regelmäßig besucht. Das tut er mit Vorliebe dann, wenn dort Kirwa gefeiert wird. Bild: Huber

"Wer hot Kirwa?" Nein, nicht "wir hom Kirwa", sondern Indien. Nicht gleich der ganze Subkontinent, aber immerhin die Millionenstadt Madurai im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu. Sie will sich 2016 im bayerischen Brauchtum üben - mit Hilfe eines Ambergers, der auch noch so heißt: Helmut Amberger.

Er ist der Alphornbläser, über dessen ungewöhnliche Auftritte samt Instrument bei indischen Hochzeiten die AZ am vergangenen Freitag bereits berichtet hat. Durch seine Besuche bei ehemaligen Kollegen allein heuer schon zwei Mal im Süden des Landes ist die Idee entstanden, in Madurai im kommenden Jahr so etwas wie eine bayerische Woche aufzuziehen - inklusive Kirwabaum nach Oberpfälzer Vorbild.

Das schwebt nicht nur dem fürs heimatliche Brauchtum schwer engagierten Helmut Amberger so vor. Er hat in Madurai bereits einen ebenso begeisterten Verbündeten gefunden. Es ist der Musikprofessor Christopher Sherwood, den der gebürtige Amberger im Juni bei einer Hochzeit kennengelernt hat. Er lud den 63-Jährigen, der seit rund drei Jahrzehnten in Berlin lebt, aber regelmäßig sein Ferienhaus in Fichtenhof nutzt, zu sich ins traute Heim ein. Dort präsentierte der Professor seinem Gast dann einen ganzen Stapel Noten und Bücher mit deutschem Liedgut, vor allem von der bayerischen Volksmusik ist Sherwood nahezu besessen, lacht Helmut Amberger. Klar, dass er mit dem in Madurai etablierten Experten einige Stücke spielte - der Professor am Klavier, der Deutsche am Alphorn. Über diese Szene und die schiere Begeisterung seines Gastgebers musste Helmut Amberger am Montag auf der Fichtenhofer Kirwa im Gespräch mit der AZ selbst schmunzeln. Aber daraus entstand eben der durchaus ernste Plan, im nächsten Jahr gemeinsam eine bayerische Veranstaltungswoche in Madurai auf die Beine zu stellen.

Professor "kriegt das hin"

"Der kriegt das hin", ist Amberger von den guten Kontakten und der Stellung Christopher Sherwoods in der Stadt mit ihren 1,1 Millionen Einwohnern überzeugt. Denn der Professor organisiert schon seit längerem jedes Jahr zur Adventszeit Konzerte mit deutschen Weihnachtsliedern. Dass er mit weiterem Liedgut, vor allem bayerischer Volksmusik, eine ganze Woche mit verschiedenen Auftritten füllen kann, steht für Amberger außer Zweifel. Dazu gehört für ihn dann auch so etwas wie Kirwastimmung nach dem Beispiel aus der Oberpfalz. Skurril? Keineswegs, findet der 63-Jährige, der von der Offenheit und Begeisterungsfähigkeit der Menschen in Tamil Nadu schwärmt.

Katholisch wie die Bayern

Dort leben viele Katholiken, die laut Amberger wissen, dass Bayern ebenfalls ein sehr katholisches Bundesland ist. In gewisser Weise ist der Freistaat von daher Vorbild für die Inder, die allem, was von hier kommt, sehr aufgeschlossen gegenüberstehen, berichtet der 63-Jährige. Seine Souvenirs zum Beispiel, die er bisher immer zu den Hochzeiten mitbrachte, wie weiß-blaue Lutscher, Fähnchen und Stofftaschen wurden ihm förmlich aus den Händen gerissen.
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