Interview mit Franz Fischer vom gleichnamigen Autohaus
Bisher keine VW-Käufe storniert

Das Autohaus Fischer investiert gerade rund 20 Millionen Euro in ein neues Volkswagen-Zentrum im Westen der Stadt. Firmenchef Franz Fischer ist der festen Überzeugung, dass der aktuelle Skandal um die Abgaswerte bald ausgestanden ist. Bild: Steinbacher

Wie geht der größte VW-Händler unserer Region mit dem Abgas-Skandal und der Krise seines Konzerns um? Unsere Redaktion fragte Franz Fischer, den Inhaber des gleichnamigen Autohauses, das derzeit für fast 20 Millionen Euro einen neuen Firmensitz im Stadtwesten Ambergs baut.

Eines hebt der Unternehmensgründer, der zusammen mit seinem Sohn Thomas Fischer und Horst Hoffmann die Geschäfte an vier Standorten führt, bei aller bundesweiten Bestürzung übers Thema zur eigenen Zukunft hervor: "Wir freuen uns, Ende 2015 in unser neues Volkswagenzentrum in Amberg einziehen zu können und arbeiten bis dahin mit Hochdruck und großem Optimismus an der Fertigstellung."

Sprechen Kunden im Geschäft den Abgas-Skandal an, und wie reagieren Sie darauf?

Franz Fischer: Ja, selbstverständlich. Alles andere wäre verwunderlich, nachdem das Thema doch großen Raum in den Schlagzeilen einnimmt. Unsere Reaktion besteht vor allem in der Aufklärung und Beratung unserer Kunden, die uns am wichtigsten sind. Ein VW, auch ein Dieselfahrzeug, ist nach wie vor ein Qualitätsprodukt ersten Ranges. Es besteht keinerlei Anlass, an der Verkehrssicherheit zu zweifeln. Alle betroffenen Fahrzeuge sind absolut sicher und fahrbereit.

Haben Kunden jetzt Skrupel, einen VW zu erwerben - zumindest ein Diesel-Fahrzeug? Gibt es gar Stornierungen von Neukäufen?

Fischer: Natürlich stellen unsere Kunden jetzt noch mehr Fragen. Wir stellen aber auch fest, dass nach einem ersten Erschrecken der Informationsstand höher wird und parallel dazu die Vorbehalte und Unsicherheiten rapide abnehmen. Der Geschäftsführung von Fischer Automobile ist bisher noch kein Fall bekannt geworden, bei dem ein Kunde ein bestelltes Dieselfahrzeug nun plötzlich nicht mehr haben möchte.

Was würden Sie sagen, wie weit das Vertrauen der Kunden noch reicht? Oder ist es bereits beschädigt?

Solche Nachrichten erschüttern natürlich zunächst einmal die VW-Landschaft, ja die Automobilbranche in Deutschland insgesamt. Möglichen Vertrauenseinbußen auf der Kundenseite begegnen wir, wie gesagt, mit entsprechend intensiver Aufklärung und noch mehr Beratung. Der Volkswagenkonzern hat unbestreitbar neben dem finanziellen Schaden auch einen großen Imageschaden erlitten. Das wird auch dort so gesehen, man hat sich offen dazu bekannt und die ganze, auch finanzielle Verantwortung übernommen. Klar ist auch, dass der Handel hier vollkommen außen vor ist.

Was sagen Sie den Kunden auf ihre Zweifel antwortend?

Wir sagen diesen Kunden, dass man bei der Volkswagen AG für das Vorgefallene die volle Verantwortung übernimmt und alles zur vollständigen und transparenten Aufklärung unternimmt. Wir sagen ihnen auch, dass die aktuell von uns angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU 6 die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen erfüllen.

Befürchten Sie nun Absatzeinbußen? Und könnten die für Sie dramatisch werden?

Nein, wir befürchten aus dem in Rede stehenden Anlass keine Absatzeinbußen. Die Fahrzeuge, auch die Dieselfahrzeuge, des VW-Konzerns überzeugen in puncto Qualität und Sicherheit nach wie vor und werden daher auf Sicht nichts von ihrer bisherigen Attraktivität einbüßen. Da sind wir uns ganz sicher. Und die Kunden, die bisher mit unserem Angebot und unserer Betreuung zufrieden waren, werden uns auch weiterhin die Treue halten.

Wirft das ein Problem für Ihre Zukunft auf? Ist Ihr Optimismus nun gedämpft?

Ganz sicher nicht. Unser Neubau, der sich derzeit in der Endphase befindet, wird die Zukunft von Fischer Automobile in der Region Amberg enorm beflügeln. Wir haben uns seit dem Bekanntwerden des VW-Abgas-Themas in den USA seitens der Verantwortlichen in unserem Elan und unserer Zuversicht bei der Errichtung des zukunftsweisenden Neubaus eines Volkswagenzentrums Amberg zu keiner Stunde auch nur ansatzweise bremsen lassen.

Ärgern Sie sich mit Blick auf Ihre mutige Investition über die Manipulationen des Konzerns?

Nein. In unserer nunmehr 33-jährigen Firmengeschichte haben wir viele große Herausforderungen bestanden und auch schwere Stürme bravourös gemeistert. Ich erinnere nur an die große Autokrise in Deutschland in den Jahren 2008/2009, aus der wir am Ende gestärkt hervorgegangen sind. Und: Als Hobbysegler weiß ich mich auch in stürmischer See ganz gut zu behaupten. Ein wesentliches Erfolgsgeheimnis ist auch unser unerschütterlicher Optimismus, weil wir überzeugt sind von der Qualität unserer Produkte und unserer Leistungsfähigkeit, insbesondere von dem Können unserer vielen hochqualifizierten Mitarbeiter.

Sind Sie als regionaler Händler sauer auf Martin Winterkorn bzw. die Konzernspitze?

Natürlich können wir uns bessere Nachrichten bezüglich des VW-Konzerns sehr gut vorstellen. Aber das Fehlverhalten einiger Entscheidungsträger dort beeinflusst nicht unsere grundsätzlich positive Einstellung zu unserem Hauptvertragspartner, dessen Fahrzeuge wir mit Leidenschaft und großem Erfolg seit Jahrzehnten vertreten und das in Zukunft noch verstärkt tun werden.

Im Übrigen verstehen wir Partnerschaft so, dass sie nicht nur an sonnigen Tagen gelebt wird. Was Martin Winterkorn betrifft, so hat dieser seine unbestreitbaren großen Verdienste und mit seiner Entschuldigung und seinem Rückzug auf eine zu respektierende Weise die Verantwortung übernommen.
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