Isar-Indianer ein Vils-Stammgast

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage unterhielt Willy Michl seine Fans im ACC. Mitte November war er zur Vernissage seiner Ausstellung gekommen, dieses Mal zur Nachmittags-Soiree. Bild: Steinbacher

Der Mann ist eine Naturgewalt. Willy Michl, selbst ernannter Isar-Indianer und begnadeter Blues-Barde, stellt zurzeit Fotos und Gemälde im ACC aus. Jetzt kehrte er an die Vils zurück, um dem Donner eine Stimme zu geben - als Sänger und Autor.

"Sound of Thunder" kam gut zwei Wochen nach der Vernissage (AZ berichtete) im Kongresszentrum, um seinen treuesten Fans höchstpersönlich Einblicke in sein Leben und Denken, in sein musikalisches und sonstiges künstlerisches Schaffen zu geben. Willy Michl, wie der "Schall des Donners" mit bürgerlichem Namen heißt, unter dem er auch vor vielen Sommern seine Karriere als bayerischer Blues-Barde begann, führte durch die Ausstellung, die unter dem Titel "Isarindian Paintings" seine Fotografien und Gemälde derzeit im Foyer im Obergeschoss zeigt.

Muntere Anekdoten

Mit erhobener Hand begrüßte er seine Gäste nach alter Indianerart. Als alle einen bequemen Sitzplatz mit guter Sicht auf den Wahl-Indianer ergattert hatten, legte dieser los. Muntere Anekdoten aus seinem Künstlerleben flocht er immer wieder in seinen Auftritt - neudeutsch würde man sagen "in seine Performance" - ein. Denn neben der ausgestellten bildenden Kunst und seiner Musik präsentierte Willy Michl auch Gedrucktes. Aus seiner Autobiografie las er das erste Kapitel, das seine "Geburt" als Isar-Indianer beschreibt. Sermonartig, ohne Punkt und Komma, ohne dramatische Steigerungen, brachte er diese Geschichte zu Gehör, beschrieb die mystischen Erfahrungen, die damit verbunden waren und auffällig an das Sonnen-Ritual im Film "Der Mann, den sie Pferd nannten" erinnerte.

Natürlich durfte dabei auch der entsprechende rituelle Gesang nicht fehlen. Mit kehligen Lauten, die so gar nicht dem entsprachen, was ein echter Bayer zur Konversation benötigt, rief er die Götter der Natur an. Zusammen mit den Zuhörern, die vorher im Halbkreis sitzend den "Lagerfeuergeschichten" zuhörten wie einst die Söhne Manitus in der Prärie, vollzog Michl eine Opferzeremonie, bei der Tabak als Gabe für die höheren Wesen dargebracht wurde.

Passt in kein Schema

Zu einem Nachmittag mit Willy Michl gehört natürlich auch Musik. Diese nahm Gestalt an in der Form der bereits erwähnten indianischen Gesänge, aber auch - getreu dem Motto "Ois is Blues" - einiger Eigenkompositionen. In diesen hat sich der Sangeskünstler aus München schon recht weit von seinen klassischen Vorbildern entfernt. So gibt es weder die in den afroamerikanischen Songs üblichen "Call and Response"-Passagen, noch die europäische Variante mit der Gliederung in Strophe und Refrain. Was Willy Michl zu erzählen hat, passt halt einfach nicht in strenge Schemata. Und so rhapsodierte er munter seine Texte zum Klang der Gitarre und forderte damit die ganze Aufmerksamkeit.

Unklar allerdings blieb, ob er seine "indianische" Lebensweise konsequent auch nach Feierabend lebt, oder ob sie bloß eine seiner Geschäftstüchtigkeit entsprungene Attitüde ist. Zu oft lächelte er bei seinem Vortrag selbstironisch und zwinkerte schelmisch mit den Augen. Aber eigentlich spielt das keine große Rolle, denn einen gewissen Unterhaltungswert hatte der Auftritt allemal.
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