Jäger gegen Bevormundung

BJV-Kreisvorsitzender Franz Erras (Zweiter von rechts) und BJV-Vizepräsident Dr. Günter Baumer (Vierter von links) ehrten langjährige Mitglieder. Senior ist dabei Rudolf Spindler aus Lintach (Fünfter von rechts), der dem Verband schon seit 60 Jahren angehört. Bild: usc

Die Jäger wehren sich. Was der Forstausschuss des Städtetags vorgeschlagen hat, schmeckt ihnen gar nicht: Schrotschuss auf Rehe und Frischlinge sowie eine Verlängerung der Jagdzeit etwa. Doch der Gegenstoß läuft schon an.

Die Orgel blieb stumm bei der Hubertusmesse in St. Martin. Dafür ertönten Jagdsignale der Bläsergruppe Amberg unter Leitung von Hornmeister Hans Saller, dafür stimmte der Jägerchor unter Leitung von Ludwig Kneißl die Waldler-Messe an, begleitet von der Stubenmusik Ensdorf. Pfarrer Michael Jakob stellte Hubertus, den Schutzpatron der Jäger, und den Schutz der Natur in den Mittelpunkt seiner Predigt.

Keine Nachtjagd

Bei der anschließenden Hubertusfeier der Kreisgruppe Amberg im Bayerischen Jagdverband (BJV) beim Bruckmüller hielt BJV-Vizepräsident Dr. Günter Baumer die Festrede. Er erteilte auch weiteren Vorschlägen des Städtetags eine Absage: dem Abschuss in Wildgattern, der ganzjährigen Jagd auf Bachen, der Nachtjagd auf alles Schalenwild und der Abschaffung der Jagdberater.

Wenn man die Jagdausübung und die strengen gesetzlichen Vorgaben betrachte, etwa Jagd- und Schonzeiten, Hundeausbildung, Fallenjagd und die Vorschriften bei Waffen und Munition, dann sehe man, wie Tradition sich neuen Erkenntnissen und Empfindungen anpassen müsse und sich auch weiter wandeln werde. Unter "Jagdauftrag" versteht Baumer, einen artenreichen, gesunden und den landeskulturellen Verhältnissen angepassten Waldbestand zu hegen.

"Wenn wir uns bemühen, diesen Auftrag unter Beachtung der gewandelten Jagdmoral zu erfüllen - Schutz des Waldes und der Felder, Schutz vor Tierseuchen und Wildbret als gesundes Lebensmittel -, dann können wir vor der Bevölkerung bestehen und unsere geliebte Jagd weiter ausüben. Dann können wir ruhig unsere manchmal belächelte Jagdtradition pflegen, können unsere Liebe zur Natur und auch unsere Freude über die erlegte Beute zum Ausdruck bringen", sagte Baumer, "und all denen entgegentreten, die aus Unkenntnis, Neid, ideologischem Eifer oder falsch verstandener Tierliebe die Jagd abschaffen wollen." Zu der Städtetags-Initiative kündigte Kreisgruppenvorsitzender Franz Erras eine Gegeninitiative der Jäger über den Bayerischen Gemeindetag an. Er habe bereits Kontakt mit dem Kreisvorsitzenden, dem Schmidmühlener Bürgermeister Peter Braun, aufgenommen.

Einbruch beim Niederwild

Baumer erinnerte an die frühere Tradition, den Hubertustag mit einer Jagd zu eröffnen und mit einer Messe zu beschließen. Damit habe man die Verbindung von frohem Jagen und Besinnung auf die Schöpfung hergestellt. Er bedauerte, dass die Niederwildbestände das nicht mehr in allen Revieren zuließen. Er verwies damit auf den dramatischen Einbruch bei Rebhuhn, Fasan und Hase, aber auch bei Lerche und Kiebitz.

Mit Anleihen aus der Bibel, dem Mittelalter und aus anderen Kulturkreisen stellte Baumer den immer gleichen Kern der Hubertus-Legende dar: Wir dürfen die Natur nutzen, aber nicht übernutzen. Darin stimmte auch Papst Benedikt bei, wie Baumer von einer Audienz zu berichten wusste. Der BJV-Vizepräsident verurteilte alle, die über das Jagdrecht hinaus jagen, aus Gier oder Leidenschaft. Wer über die Hegejagd hinaus jage, könne Tierarten aussterben lassen. Zur waidgerechten Jagd gehören nach Überzeugung Baumers auch regelmäßige Schießübungen.
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