Jede Baustelle eine Chance

Ich möchte, dass das im nächsten Jahr gebaut wird.

Dass es in der Innenstadt so viele offene Baustellen gibt, heftet er sich gerne an die Brust. "Wir haben uns Chancen erarbeitet", zieht Oberbürgermeister Michael Cerny eine Bilanz seines ersten Amtsjahres.

Bahnhof, Forum, Bürgerspital - wie es konkret mit diesen Projekten weitergeht, ist noch längst nicht ausdiskutiert. Doch für den Oberbürgermeister ist ein gutes Stück Arbeit schon erledigt. Seit CSU und SPD zusammenarbeiten, hätten sich für Amberg ganz neue Perspektiven aufgetan. "Mit einem Konfliktstadtrat hätten wir das so nicht hinbekommen", zeigt sich Michael Cerny überzeugt. Der Rathauschef blickt bei seiner Ein-Jahres-Bilanz vor allem in die Zukunft:

Marienstraße

"Das ist für uns ein Vollgas-Projekt", sagt Cerny über ein zusätzliches Parkdeck an der Marienstraße. Der Parkdruck dort sei extrem hoch. Baureferent Markus Kühne hatte im Sommer vergangenen Jahres erste Planskizzen präsentiert. Es sei erklärter Wille des Stadtrates, mit den Planungen zügig voranzukommen. Und der Oberbürgermeister legt noch eins drauf: "Ich möchte, dass das im nächsten Jahr gebaut wird."

Parkhaus am Bahnhof

Ein zusätzliches Parkdeck in der Marienstraße ersetze nicht zwingend ein weiteres Parkhaus im Bereich des Bahnhofes. Auch für dieses Projekt hatte Baureferent Kühne 2014 Überlegungen skizziert. Demnach könnte dort, wo die Bürgerskulptur steht, ein Hochbau mit mehreren Ebenen für Stellplätze errichtet werden. "Das war nur eine Idee", schränkt der Oberbürgermeister ein, wirbt aber gleichzeitig für die Methode, Impulse zu setzen. "Die Zeiten sind vorbei, in denen man im Hintergrund alles organisiert hat, um dann eine fertige Lösung zu präsentieren."

Neuer Bahnhof

Der barrierefreie Zugang lässt weiter auf sich warten, während die Stadt Amberg in Sachen Bahnhof das große Rad dreht. Erst vor wenigen Tagen hatte Cerny ein Gespräch im bayerischen Innenministerium, um das Thema "Mobilitätsdrehscheibe am Eingang zur Altstadt" zu diskutieren. Was Cerny vorschwebt, ist eine Schnittstelle, an der der Verkehr der Zukunft zusammenläuft: Fußgänger, Fahrrad, Auto, Bus und Zug. Dabei müssten auch solche Dinge wie Car-Sharing und E-Tankstelle berücksichtigt werden. Und natürlich gehöre die barrierefreie Anbindung der Altstadt und des Mariahilfberg-Viertels dazu. "Solche Geschichten muss man sehr viele Jahre früher eintüten", sagt der Rathauschef über den Zeitplan zur Realisierung. "Wenn wir mit den Planungen in dieser Legislaturperiode weit kommen, dann könnte es in der nächsten ein konkretes Projekt werden." Das wäre dann im Zeitraum 2020 bis 2026.

Forum

Forum und Bürgerspital gehören für Cerny mittlerweile zusammen. "Es hängt alles voneinander ab", erklärt er. Während auf der einen Seite der Bahnhofstraße die Grube für die Quartiersgarage ausgehoben wird, arbeite die Stadt unter Hochdruck an der Entwicklung der ehemaligen Storg-Immobilie. Der Oberbürgermeister geht davon aus, dass bis zum Herbst bereits die möglichen Investoren feststehen. Wobei jeder Interessent die Frage nach dem Umfeld stelle. Deswegen sei das Forum nicht ohne das Bürgerspital zu planen und umgekehrt.

Altstadt-Entwicklung

"Wir dürfen die Innenstadt nicht auf den Einzelhandel reduzieren", betont Cerny. Das Zentrum lebe von einem Funktionsmix aus Einkaufen, Wohnen und gastronomischem Angebot. Hier sei es wichtig, die richtige Balance zu finden. "Da wird es immer wieder Konflikte geben. Wenn welche auftauchen, versuchen wir, sie zu lösen." Der Oberbürgermeister könnte sich auf lange Sicht vorstellen, nachts für etwas mehr Ruhe in der Altstadt zu sorgen. Er hat dabei die Zeit nach 1 Uhr im Blick. "Vielleicht gelingt es, das Angebot für die Nachtschwärmer an den Rand der Altstadt zu verlegen." In der Regensburger Straße gebe es bereits Ansätze dafür.

Arbeit im Stadtrat

Einen Schmusekurs eingeschlagen zu haben - das will sich der Oberbürgermeister nicht auf die Fahnen schreiben. "Es geht nur um Zusammenarbeit, den gemeinsamen Willen, die Stadt zu entwickeln", sagt er über die Kooperation von CSU und SPD. Jede Partei werde weiterhin die Chancen nutzen, sich zu profilieren. Allerdings sei es wichtig, bei den großen Streitfragen zu einem Konsens zu kommen. Diese Zusammenarbeit habe das Klima im Stadtrat spürbar verbessert.

"Es herrscht eine offene, von gegenseitigem Respekt geprägte Art der Kommunikation." Das gelte auch für die kleinen Parteien und Gruppierungen im Gremium. Wenn die Stadträte nach einer Sitzung noch auf ein Glas Bier gehen, gebe es nicht mehr den CSU- oder den SPD-Tisch. "Da sitzen wir dann alle bunt gemischt. Das entspricht auch den Erwartungen der Bürger." (Angemerkt)
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