"Jede Nutzung ist eine zu viel"

Das Ammerbachtal ohne Spaziergänger, Jogger, Wanderer, Radfahrer, Gassigeher, Segelflieger und verliebte Pärchen? Der Natur täte das laut Hans-Jürgen Bumes von den Grünen sehr gut. Der Landschaftspflegeverband dagegen empfiehlt, lediglich 120 der 280 Hektar zu sperren. Viele Hundehalter sind auch dagegen und sammelten Unterschriften. Bild: Huber

Die Naturschützer sind sich sicher: Das Naherholungsgebiet im Ammerbachtal bräuchte eigentlich selbst Erholung. Nur 160 der 280 Hektar sollten frei zugänglich sein. Der Widerstand mehrerer Interessensgruppen wächst - so wie der Verdacht, dass viele falsche Informationen im Umlauf sind.

(tk) "Das Absurdeste war, dass jemand der Meinung war, der Ammerbach würde verlegt, um den Segelfliegern mehr Platz zugeben. Es ist genau anders rum. Der Ammerbach kommt näher hin. Nicht weiter weg." Der verantwortliche Referent Bernhard Mitko war im Umweltausschuss deswegen der Meinung, es sei sinnvoll, für das laufende Verfahren "Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal" einen Zwischenbericht abzugeben.

Etliche Einwände

Der Gesetzgeber schreibe das nicht vor, jedoch: "Ich halte das aber aufgrund der teilweise fehlenden Informationen für wichtig." Während der öffentlichen Auslegung war es laut Matthias Seuffert (Umweltamt) zu zahlreichen Einwänden gekommen. In erster Linie waren Hundehalter die Beschwerdeführer: Die vorgesehenen Freilaufflächen seien nicht ausreichend und nicht geeignet. Bei einer Unterschriftenaktion hatten sich laut Mitko über 800 Frauen und Männer in die Listen eingetragen. "Die Resonanz war immens", bilanzierte CSU-Stadtrat Helmut Weigl, der seine Partei im Vorstand des Tierschutzvereins vertritt und von daher Verständnis für die Gassigeher hatte: "Wir müssen schauen, dass wir eine gute Lösung finden. Wir müssen Regeln aufstellen, aber keine Interessensgruppe zu sehr beschneiden."

Volksaufstand vermeiden

Hans-Jürgen Bumes von den Grünen erinnerte an das Konzept, das Bernhard Moos im Namen des Landschaftspflegeverbandes im Juli vergangenen Jahres an gleicher Stelle präsentiert hatte. Der Diplom-Biologe redete den Stadträten damals ins Gewissen: "Wenn man bestimmte Pflanzen und Tiere schützen will, braucht man eine beruhigte Zone. Sie müssen versuchen, da Ordnung reinzukriegen." Moos schränkte aber zeitgleich ein: "Sie müssen auch das Freizeitverhalten berücksichtigen, damit kein Volksaufstand ausbricht."

Vor diesem Hintergrund bezog Bumes am Tag seines 50. Geburtstages klar Position: "Es müssen alle zurückstehen. Die Natur muss einmal Vorrang haben. Alle sollten sich zurücknehmen, die da draußen unterwegs sind." Und: "Der Artenreichtum da draußen ist verarmt. Jede Nutzung ist eine zu viel." Für OB Michael Cerny bot es sich an, auf die Informationsveranstaltung zu verweisen, die für Mittwoch, 24. Juni, ab 17 Uhr im Großen Rathaussaal geplant ist.

Info-Abend im Juni

An diesem Abend sollen alle Interessensvertreter zu Wort kommen und alles Wissenswerte über das laufende Vorhaben erfahren. Michael Cerny: "Ich halte es für richtig, jeden mal zu Wort kommen zu lassen. Und dann müssen wir sehen, dass wir eine passende Lösung finden."
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.