Jederzeit im virtuellen Büro

Michael Cerny. Bild: Huber

Er arbeitete einmal in der digitalen Fabrik - das merken alle, die mit Oberbürgermeister Michael Cerny zu tun haben. Aus dem Chefbüro im Rathaus ist ein virtueller Arbeitsplatz geworden.

Es hallt noch ein wenig in den heiligen Hallen des Rathauses, doch auch dieser kleine Makel soll noch behoben werden. Ein Jahr nach seiner Wahl ist Oberbürgermeister Michael Cerny nicht nur im Amt, sondern auch im Rathaus angekommen: Er hat das Chefbüro im zweiten Stock neu einrichten lassen und drumherum eine Kommunikationszentrale aufgebaut. Vorzimmer, Pressestelle und Marketing sind jetzt direkt an den OB-Schreibtisch angebunden - auch digital.

Direkter Kontakt wichtig

"In den ersten Tagen bin ich jedesmal, wenn ich mich hingesetzt habe, mit dem Knie an dem historischen Schreibtisch angestoßen", erzählt Cerny bei einem Gespräch über sein erstes OB-Jahr. "Das hat einfach nicht mehr gepasst." Schnell sei ihm dann klar geworden, dass es mit dem Austauschen eines Möbelstücks nicht getan ist. "Es ist dann ziemlich schnell die Frage aufgetaucht, wie wir die Arbeitsabläufe umgestalten wollen." Siemens lässt grüßen: "Ich komme aus einem Großraumbüro. Ich gehe ein, wenn ich nicht ständig in Kontakt mit meinen Mitarbeitern bin." Amtsvorgänger Wolfgang Dandorfer war bekanntlich kein Freund des Computers. Michael Cerny hingegen könnte sich das Regieren ohne E-Mail nicht vorstellen. Zu den drei Gemälden des Amberger Künstlers Raimund Drechsler gesellt sich ein Flachbildschirm mit etwa 1,20 Meter Diagonale. Auf ihm zeigt Cerny via WLAN gerne, was auf dem Desktop seines Notebooks herumliegt: Planskizzen, Präsentationen, Fotos und auch Schriftverkehr. "Da sehen bei Besprechungen alle auf den ersten Blick, was gemeint ist."

Im Rathaus hat das Drahtlos-Netzwerk Einzug gehalten, in den nächsten Wochen und Monaten folgt die digitale Telefonie. Gesprächspartner können dann auch vom Computer aus angewählt werden. Das seien keine technische Spielereien, "das ist einfach Standard", unterstreicht der Oberbürgermeister. Wenn er unterwegs ist, nimmt er sein neues Büro einfach mit. "Mein Dienstauto ist ein rollender Hotspot. Der funktioniert hervorragend", berichtet er. Der Bordcomputer ist mittels SIM-Karte mit dem Mobilfunknetz verbunden. Gerade bei längeren Fahrten zahle sich diese Technik aus. "Auf einer Fahrt nach München kann ich eineinhalb Stunden lang Büroarbeit erledigen", erklärt Cerny. "Der Christian Triller (Chauffeur, Anm. d. Red.) hat deswegen keinen Beifahrer, der viel spricht."

Frischer Wind im Rathaus

Die Digitalisierung ist Cerny bei Siemens in Fleisch und Blut übergegangen. Amberg gilt für den Konzern in diesem Bereich ja als Vorzeige-Standort. Über den frischen Wind, der seit einem Jahr durchs Rathaus weht, sagt er: "Es geht darum, nicht nur die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir jetzt gut arbeiten können. Wir müssen auch die nächsten Jahre im Blick haben." Die Zukunft hat er längst im Visier - nicht nur bei den baulichen Veränderungen in den Büros der Stadtverwaltung. Ein weiterer Bericht über die Ein-Jahres-Bilanz und die anstehenden Projekte folgt.
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