Jesiden suchen Vereinslokal

In ihrer Heimat werden sie als religiöse Minderheit verfolgt und von Terroristen der Organisation Islamischer Staat getötet. Unzählige Jesiden flüchten, 150 von ihnen gibt es mittlerweile in Amberg. Doch auch in der neuen Heimat ist es nicht immer einfach.

Amberg. (tk) Zwischen ihrem alten und neuen Leben liegen fast 4000 Kilometer. Daoud Shekho Seleman floh vor sechs Jahren aus dem Irak nach Deutschland, Mohammed Jogi Ido folgte ein Jahr später. In ihrer Heimat wurden sie verfolgt, weil sie zur religiösen Minderheit der Jesiden gehören. In ihrer neuen Heimat würden sie ihren Glauben und ihre Kultur gerne ungehindert leben. Das dürfen sie auch, nur der passende Ort fehlt.

Den Status von Asylbewerbern haben die Männer abgelegt. Sie sind mittlerweile anerkannt, arbeiten als Pizzafahrer und Hausmeister, verdienen ihr eigenes Geld, führen ein Leben ohne Angst. Um ihre Herkunft und ihre Wurzeln nicht zu vergessen, hatten die Amberger Jesiden die Idee, einen Verein zu gründen, in dem sie ihre Traditionen ganz offiziell wahren können. 40 von ihnen kamen zur ersten Versammlung. Sie wählten Daoud Shekho Seleman (32) zum Vorsitzenden und Mohammed Jogi Ido (38) zum Kassier der Jesidischen Gemeinschaft Amberg e.V. - den Vorstand komplettieren Stellvertreter Suhad Hasan Kheder und Protokollant Nader Rowi Sio. Sie alle halten nun Ausschau nach einer Art Vereinslokal.

"Ich bin jeden Tag unterwegs", beschreibt der Vorsitzende seine Suche nach einem geeigneten Treffpunkt. Einmal pro Woche möchte die Gemeinde zusammenkommen. Um zu reden, zu beten, über ihre Situation zu reflektieren und um ihre Tradition zu leben. "Für eine Trauerfeier oder einen Geburtstag sind unsere Wohnungen zu klein", gibt Schatzmeister Mohammed Jogi Ido, der über kein großes Budget verfügt, zu bedenken.

Familien zahlen pro Jahr 60 Euro Mitgliedsbeitrag, Einzelpersonen 40 Euro, Schüler, Studenten und Asylbewerber sind für 15 Euro dabei.

"Viele haben das Geld nicht", weiß Seleman und erklärt damit auch den Wunsch nach einem möglichst günstigen Saal oder Raum, der sich im Amberger Stadtgebiet befinden sollte. Am besten wäre eine Bleibe im Dreifaltigkeitsviertel, am Bergsteig, im Milchhofviertel, am Eisberg oder in der Innenstadt. Wer den Jesiden helfen kann, soll sich bei Anne Kuchler von der Flüchtlings- und Ausländerberatung der Caritas (Tel. 47 55 15) oder direkt bei Daoud Shekho Seleman (0176/26 61 91 95) melden.
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