Jesuitenkolleg notfalls verkaufen

Fehlende Anmeldungen und zu hohe Kosten waren vor zwei Jahren der Grund für das Max-Reger-Gymnasium, im Malteser-Komplex keine Internats-Schüler mehr unterzubringen. Damit verlor eine mit dem Jesuitenkolleg 1626 geschaffene Einrichtung ihre originäre Aufgabe - und steht seitdem leer.

Amberg. (tk) Dr. Peter Donhauser muss nicht lange überlegen - die Zahlen hat der Direktor der Studienseminar-Stiftung im Kopf oder im Handumdrehen griffbereit. Die Gaststätte belegt 820 Quadratmeter, die Provinzialbibliothek hat sich nebenan auf 450 Quadratmetern einquartiert. Im Rest des Jesuitenkollegs aber herrscht fast schon eine gespenstische Ruhe. Die verbleibenden ungenutzten 3580 Quadratmeter machen die historische Stätte zu einem der größten Innenstadt-Leerstände.

Interessenten aus München

"Ich suche eine Nutzung für das gesamte Gebäude. Ich komme aber da im Moment nicht weiter", sagt Donhauser, der bis zu seiner Pensionierung Ende 2008 das städtische Referat für Personal, Organisation und Verwaltung leitete. Auf dem freien Markt angeboten hat er das Anwesen, das vom Staat zwar verwaltet, aber nicht finanziert wird, noch nicht. Denn aktuell laufen Verhandlungen mit einer Münchener Investoren- und Architektengruppe.

Ob die Gespräche erfolgreich sein könnten, vermag der Haselmühler noch nicht zu sagen, denn er weiß: "Ohne Aufzug und Barrierefreiheit komme ich da nicht weiter." Wie die Unterredungen auch ausgehen, als Stiftungsdirektor besteht Donhauser auf einem Bestandschutz für Gaststätte und Bibliothek: "Der Hausherr würde sich halt ändern." Sollten die Interessenten Abstand nehmen, sei das keine Katastrophe: "Ein paar Jahre können wir noch überbrücken."

Auf Dauer seien die laufenden Ausgaben aber ein großes Problem. Im Winter müssten alle Räume regelmäßig geheizt werden, auch Strom- und Wassergebühren werden fällig: "Diese Kosten müssen wir dann tragen", sagt Donhauser, der als letztes Mittel nur eine Alternative sieht: "Notfalls müssen wir verkaufen." Ein Wertermittlungsgutachten liege bereits vor. Mehr als vier Millionen Euro müsse ein Investor auf den Tisch legen. Zumindest theoretisch, denn die Summe diene zunächst der Orientierung, "um mal eine Größenordnung zu haben". Zum Verkauf will es Donhauser aber nicht kommen lassen.

Auflösung der Stiftung tabu

Ihm schwebt eher vor, Studenten dort einzuquartieren, wo bis vor zwei Jahren die Internatsschüler wohnten. Die 18 Appartements (zwei Räume, ein Bad und Toilette) stehen leer. Eine Nachfrage bei der benachbarten Hochschule habe ergeben, dass diese im Moment keinen Bedarf sieht. Peter Donhauser gefällt die Idee dennoch: "Ich kann ja da kein Geschäft reinmachen." Selbst wenn, wäre das auch keine gute Lösung: "Es hilft mir nichts, wenn nur ein paar Räume vermietet sind." Auch eine Auflösung der Stiftung kommt für den Direktor nicht infrage, obwohl ihr Zweck, die Jugend zu unterrichten, längst nicht mehr erfüllt wird: "Das Gebäude ist ja trotzdem noch da." (Kommentar)
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