Jobsuche für Flüchtling in Amberg wird zur Odyssee
Alles nur Lippenbekenntnisse?

Bei der Amberger Tafel melden sich jede Woche junge Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Dies stellt die Hilfsorganisation vor Herausforderungen, da die Lebensmittel weniger werden. Bild: Steinbacher

Bernhard Saurenbach kommt sich vor wie der Buchbinder Wanninger. Weil der Vorsitzende der Amberger Tafel, der sich um einen 31-jährigen Syrer und dessen Familie kümmert, von Pontius zu Pilatus gelaufen ist. Beim Versuch, für den Flüchtling Arbeit zu finden. Dabei hat er zu seinem tiefsten Bedauern "nur Sonntagsreden" gehört.

"Seit Donnerstag, 9.50 Uhr, hab ich jetzt was für ihn", sagt Saurenbach beim Besuch in der AZ-Redaktion. Die Nachricht überrascht, denn der ehemalige Siemensianer, der auch Ländervertreter der nordbayerischen Tafeln ist, war bald ein halbes Jahr nur gegen Wände gerannt. Ende gut, alles gut? Nein. "Ich bin einfach frustriert", sagt Saurenbach - und man sieht es ihm an. Ziemlich unten durch ist bei ihm vor allem die Kreishandwerkerschaft Amberg-Sulzbach: "Sie hat mich total im Regen stehen lassen und zutiefst enttäuscht. Bei denen geht null."

Der 31 Jahre alte Syrer heißt Ayman Tamaa. Bei der Amberger Tafel ist er von November 2014 an ehrenamtlich tätig, weil er als Asylbewerber nicht arbeiten darf. Er ist "nett und fleißig und der Liebling aller Helferinnen", berichtet Saurenbach nur Gutes über ihn. Am 1. Februar wird Ayman Tamaa als syrischer Kriegsflüchtling anerkannt. Saurenbach organisiert für ihn und seine Familie über das Werkvolk eine Wohnung. Ayman ist mittellos, doch bei der Tafel treiben sie Geld auf, damit seine Frau und der zweijährige Sohn, die er seit 18 Monaten nicht mehr gesehen hat, nach Amberg kommen können. Der Flug von Beirut nach München kostet 688 Euro. Kaution für die Wohnung und Genossenschaftsanteile müssen auch noch vorgestreckt werden. Stolze 2200 Euro. "Bearbeitungszeit im Jobcenter sechs Wochen!": Saurenbach klagt heftig darüber, dass dem Syrer sein Arbeitslosengeld II lange nicht gezahlt wird. "Die Familie würde ohne die private Unterstützung mit 399 Euro leben müssen."

Es tut sich nichts

Nun macht sich Saurenbach auf die Suche nach einer Arbeit für seinen Schützling, der in einen Integrationskurs geht, immer mehr Deutsch lernt und in seinem Heimatland Grundschullehrer war. Im Wirtschaftsteil der Amberger Zeitung hat Saurenbach gelesen: "Handwerk will Flüchtlinge". Er beginnt die verschiedensten Leute anzuschreiben, verweist dabei auf die Probleme, mit denen er jeden Tag konfrontiert ist. Bekämen die Flüchtlinge eine Arbeit, würden sie nicht dem Sozialsystem zur Last fallen. "Mein Vorschlag wäre eine Ausbildungsbörse, unterstützt von der Politik", steht in Saurenbachs Mails. Man findet seine Idee gut - doch es tut sich nichts.

Saurenbach wendet sich an das Jobcenter, weil er denkt, dass die Arbeitsagentur ja eine Initiative starten könnte, wenn schon überall Facharbeiter fehlen und in Pflegeberufen Stellen nicht besetzt werden können. Saurenbach hat keinen Erfolg - und klopft bei der Kreishandwerkerschaft an. Von ihr bekommt er zunächst keine Antwort. Als er sie erhält, wird ihm mitgeteilt, dass das Handwerk durchaus bereit sei, Flüchtlinge zu beschäftigen bzw. auszubilden. Man gibt ihm folgenden Tipp: "Der schnellste Weg ist, bei den Innungsbetrieben direkt nachzufragen, die Adressen finden Sie auf unserer Homepage www.khs-as.de."

Mitte Juni: Gespräch bei der Berufsberatung im Jobcenter. Saurenbach erinnert sich: "Einziges Angebot war, dass Herr Tamaa sich nach seinem Integrationskurs bei einer Zeitarbeitsfirma bewerben kann. Auf meinen Einwand, dass er einen Beruf erlernen möchte, wurden wir auf die Homepage der Arbeitsagentur hingewiesen." Saurenbach schaut sie sich an und schreibt an sechs Firmen. Er schildert, dass Ayman gerne Elektroniker werden möchte und großes Interesse an dieser Ausbildung habe. Ein Unternehmen bestätigt zumindest den Eingang der Bewerbung, der Rest antwortet nicht. Saurenbach versucht es erneut bei der Kreishandwerkerschaft. Vergeblich.

Grammer Solar hilft

"Nur durch Vitamin B" gelingt es Saurenbach am 1. Juli, Ayman unterzubringen. Der Geschäftsführer von Grammer Solar, Siegfried Schröpf, mit dem er über den Sport freundschaftlich verbunden ist, verspricht Ayman Tamaa eine Lehrstelle zum 1. September. Damit darf der Syrer eine Ausbildung zum Elektriker machen. Der 31-Jährige kann es kaum fassen, dass das tatsächlich noch geklappt hat. "Er ist nur dankbar", erzählt Saurenbach.
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