Josel soll die Weichen stellen

Der Zug kam pünktlich. Um 9.43 Uhr stieg der Konzernbevollmächtigte der Bahn aus dem Regionalexpress. Kurz nach seiner Ankunft sollte er merken, dass es in Amberg bereits fünf vor zwölf ist.

Die Zeit rennt davon. Denn wenn jetzt nicht die Planungen für den Umbau des Bahnhofes beginnen, ist der Zug für die nächsten zehn Jahre abgefahren. Die Mängelliste im Bahnhofsgebäude, auf dem Vorplatz und an den Gleisen ist lang. Kurz nachdem der Bahn-Manager Klaus-Dieter Josel ausgestiegen war, zählte ihm Oberbürgermeister Michael Cerny die gravierendsten Probleme auf.

"Wir kämpfen nun schon seit Jahrzehnten um einen barrierefreien Ausbau", berichtete Cerny. Ein Anliegen, das der für Bayern zuständige Konzernbevollmächtigte kennt. "Wir wissen das", sagte Josel, verwies aber auf den riesigen Sanierungsstau im Freistaat. Die Bahn betreibe zwischen Hof und Berchtesgaden mehr als 1000 Stationen und Haltepunkte. Erst 360 seien so ausgebaut, dass auch Rollstuhlfahrer die Züge ohne fremde Hilfe erreichen können. "In Amberg haben wir ungefähr 2000 Reisende täglich. Es gibt halt viele andere Bahnhöfe mit Ausbaubedarf, auf denen deutlich mehr los ist."

Parken an den Gleisen

Allerdings sollte diese Aussage keine Abfuhr sein - im Gegenteil. Josel sagte zu, sich gemeinsam mit der Stadt Gedanken zu machen, wie der Ausbau trotzdem auf den Weg gebracht werden könnte. Denn Oberbürgermeister Cerny hatte angedeutet, dass sich die Stadt unter Umständen an einem "Gesamtpaket" beteiligen könnte. Dieses sieht die Verlängerung der Fußgängerunterführung unter dem Kaiser-Ludwig-Ring bis unter die Gleise und hinüber zur Ruoffstraße vor. Das letzte Gleis auf der Mariahilfberg-Seite könnte dann aufgelassen werden, um dort zusätzliche Pendler- und Fahrradparkplätze zu schaffen. Außerdem beinhaltet das Konzept den Bau eines Parkhauses auf dem Platz vor dem Altstadt-Hotel (wir berichteten). Günther Pichler, bei der Bahn zuständig für sämtliche Bahnhöfe in Bayern, wurde da ganz hellhörig. "Das wäre dann ja der Umbau hin zu einer Mobilitätsdrehscheibe", sagte er und prägte damit das Schlüsselwort des Treffens. "Das ist genau das, was wir wollen." Pichler brachte dann zur Finanzierung auch ein Investoren-Modell ins Spiel. "Dann müsste man das Areal komplett überplanen."

Neues Förderprogramm

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen. Denn der Freistaat plane für die Jahre 2018 bis 2023 ein neues Förderprogramm "Barrierefreiheit Bayern". "Unser Ziel muss sein, da reinzukommen", sagte Pichler.

Um erste Eckpunkte abzusprechen, zogen sich Cerny, Josel, Pichler sowie die Abgeordneten Barbara Lanzinger und Dr. Harald Schwartz zu einem etwa einstündigen Gespräch ins Rathaus zurück. Dabei soll es auch um die Aufweitung der Bahnunterführungen am Mariahilfbergweg und in der Regensburger Straße gegangen sein. (Angemerkt)
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