Jugendtheaterclub wagt sich an sein drittes Stück
Eigenes Menschen-Bild

Das Wesen des Menschen erforschen die jungen Akteure auf der Bühne. Heraus kommt, dass er durchaus empathisch ist, aber auch aggressiv werden kann. Dass er Eigenheiten und Befindlichkeiten hat - all das haben die Spieler zu einem Stück verdichtet.

Der Mensch. Er isst, er trinkt. Er ist ein Wirbeltier, er hat eine unsterbliche Seele. Er ist ein politisches Geschöpf. Er glaubt, aber er zweifelt auch. Wenn sich junge Leute daran machen, das Wesen des Menschen zu erforschen, dann kommt eine witzige, aber auch tiefgründige Collage dabei raus - zumindest wenn der Jugendtheaterclub seine Finger dabei im Spiel hat.

Theaterprofi Winfried Steinl steht unterhalb der Bühne, auf den Plätzen in den ersten beiden Reihen sitzen einige von denen, die bis gerade eben auf der Bühne standen. Winfried Steinl blättert in seinem Buch. Gespannt blicken alle auf ihn - fast ein bisschen wie am Nikolaustag, wenn die guten Taten, aber auch die Verfehlungen vorgelesen werden.

Erste Eigenproduktion

Und in der Tat: Winfried Steinl lobt - in vornehmer Zurückhaltung, ganz wie es der Oberpfälzer Mentalität entspricht - und tadelt. Doch es sind lediglich Kleinigkeiten, die ihm aufgefallen sind. Dass eine Darstellerin bei einem Wort das "t" verschluckt hat. Deshalb mahnt er eine deutliche Aussprache an. Oder die Sache mit dem "a": Es habe so geklungen, als würde es ein "o" sein. "Na ja, typisch bayerisch halt", feixt einer der jungen Spieler. Winfried Steinl stutzt. "Was war das noch mal?", sagt er mehr zu sich selbst als zu seinem Ensemble, dem Jugendclub des Stadttheaters. Dass der Regisseur seine eigene Schrift nicht mehr entziffern kann, stört die Spieler nicht im geringsten. "Da stand bestimmt: Alles super", will ihm eine Darstellerin auf die Sprünge helfen. Energisch schüttelt Winfried Steinl den Kopf. Die notierten Kritikpunkte kann er beim besten Willen nicht entziffern. "Ach Gott", sagt er kapitulierend. "Ach Meeensch, Winni", schreien alle.

Mit "Ach Meeensch" wagte sich der Jugendtheaterclub an sein drittes Stück - und zugleich an die erste Eigenproduktion. 13 junge Leute haben es selbst entwickelt. Sie rücken den Menschen in den Mittelpunkt. In verschiedenen Bildern stellen sie dar, wie er ist: Sie holen sein Bestes aus ihm heraus, lassen das Publikum aber auch in seine Abgründe blicken. Oder anders ausgedrückt: Sie beschäftigen sich mit Unzulänglichkeiten, Eigentümlichkeiten und Befindlichkeiten des Menschen. Textsplitter von Franz Kafka, Erich Kästner und Dichterfürst Goethe vermischen sich mit dem, was die jungen Leute für das Script zu Papier gebracht haben.

Winfried Steinl und das Ensemble überlegen, wie der eine oder andere Übergang noch etwas geschmeidiger werden könnte. "Wir haben schon noch einiges vor uns", sagt der Regisseur am Ende der Probe. Premiere ist schließlich am Samstag, 25. April, um 19.30 Uhr. An Tag darauf, dem 26. April, werden die jungen Darsteller zur gleichen Uhrzeit nochmals auf der Bühne im Stadttheater stehen. "Die Suche nach einem Thema ist immer schwierig", sagt Steinl im Rückblick auf die Anfänge der Eigenproduktion. Die Jugendlichen hatten durchaus ihre Ideen dafür: Gewalt, Beziehungen, Sexualität. Herausgekommen ist der Mensch, ein Wesen mit vielen Facetten. Steinl nennt es eine Art Nabelschau.

Auf der Suche nach Menschen, die sich mit dem Menschen beschäftigt haben, wurden die Akteure fündig bei Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Franz Kafka (Steinl: "Seine Texte sind mit die spannendsten, aber auch die seltsamsten"). Aus den Textpassagen kristallisierten sich Szenerien heraus. "Aber das ist natürlich ein langwieriger Prozess." Dieser liegt hinten den jungen Leuten, ein bisschen Feintuning noch vor ihnen.

Blogs und Erinnerungen

"Eine Eigenproduktion ist die Vermischung kreativen Wahnsinns mit dem Wunsch, alles auf die Bühne zu bringen", schreibt Nadine Hofmann im Flyer. "Na ja, ganz so schlimm ist es nicht", sagt die Darstellerin lachend. Im Internet, in Blog-Einträgen haben die Jugendlichen das Futter für ihr Stück recherchiert. Hinzu kam die Erinnerung an Alltagssituationen. "Das haben wir dann alles auf einen großen Haufen geworfen."

Nach und nach entstanden die Menschen-Bilder. Dann die nächste Hürde: Ließ sich dies, ließ sich jenes auf der Bühne umsetzen? Die 13 jungen Leute haben es geschafft - das Stück steht, der Regisseur ist trotz seiner Oberpfälzer Zurückhaltung zufrieden. Der 25. April - und damit der Premierentag - kann kommen.
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