Junge Frau am Kopf getroffen - Attacke eines 24-Jährigen mit elf Monaten Haft zur Bewährung ...
Plötzlich kommt in der Discothek ein Glas geflogen

Amberg in der Oberpfalz
09.08.2014
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Es hätte im Fußballstadion sein können, bei einem Open-Air-Konzert oder aber, wie geschehen und nun zur Debatte, in einer Discothek. Plötzlich kommt ein Glas geflogen, zerbricht am Kopf eines Menschen und verursacht erhebliche Verletzungen. Den Täter kann man später eher selten ermitteln. Diesmal hatte man ihn. Hinterkünftig, übel, völlig sinnlos.

In einer August-Nacht vergangenen Jahres waren gegen 3 Uhr morgens noch über 400 Leute in einer Wackersdorfer Discothek, als plötzlich ein Glas in die Menge rings um die Tanzfläche geschmissen wurde. Das Wurfgeschoss traf eine Frau oberhalb der Stirn. Danach färbten sich ihre blonden Haare rot, floss Blut aus einer Platzwunde, die mit fünf Stichen im Schwandorfer Krankenhaus genäht werden musste. Das Opfer sah den Täter nicht. Es leidet bis heute unter Kopfschmerzen.

Indizien passen zusammen

Vor der Zweiten Strafkammer des Amberger Landgerichts ging es für den Urheber des Glaswurfs jetzt um elf Monate mit Bewährung. Diese Strafe hatte der 24-Jährige aus dem Landkreis-Osten vom Amtsgericht Schwandorf bekommen. Das mochte der junge Mann nicht hinnehmen, ließ über seinen Anwalt Gottfried Högerl (Oberviechtach) Berufung einlegen und fand sich vor dem für seine peinlich genauen Ermittlungen bekannten Landgerichtspräsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer wieder. Vor Schmalzbauer sagte der 24-Jährige: "Keine Ahnung. Ich kann mich an nichts erinnern".

Daraufhin begann eine nahezu ganztägige Beweisaufnahme mit einem guten Dutzend Zeugen. Keiner von ihnen hatte den Glaswurf in die Menge genau gesehen. Aber die Indizien setzten sich zusammen wie Mosaiksteine. Der Diskjockey bemerkte, wie einer gleich neben ihm eine wurfartige Bewegung mit dem Arm machte, der fürs Licht im Lokal zuständige Mann erzählte von ähnlichen Beobachtungen. Andere berichteten, dass sich der Angeklagte an einem Geländer hinauf hangelte, um womöglich eine gute Wurfposition zu haben. Und dann gab es Leute, die sahen, wie ihn Security-Leute hinaus führten. Unklar blieb, weswegen. Weil er jemandem den Stinkefinger zeigte oder weil er ein Glas warf?

Das darf nicht sein

Der Kammervorsitzende gab nicht nach in seinem Bemühungen, den als gefährliche Körperverletzung angeklagten Fall aufzuklären. Dabei erfuhr er auch, dass sich der 24-Jährige bei seiner späteren Vernehmung durch Polizeibeamte nach der Telefonnummer der Verletzten erkundigt hatte, um sich zu entschuldigen. Das war dann ein Hinweis, der den Richter stutzen ließ.

Zwei Promille, total betrunken. Darf man in einem solchen Zustand schon mal zu einem Glas greifen und es auf Leute werfen? Die Strafkammer gab im Einklang mit Staatsanwalt Tobias Kinzler eine klare Antwort: Eine solche Handlungsweise ist höchst gefährlich. Deswegen verwarf das Landgericht in Amberg die Berufung kostenpflichtig und sorgte dafür, dass dem 24-Jährigen nun nur noch der Rechtsweg einer Revision bleibt.
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