Kammerorchester Sinfonietta verzichtet auf Werke von Bach und tut gut daran
Barock-Übervater ignoriert

Draußen Weihnachtsmarkt, drinnen Kammermusik - das Orchester Sinfonietta bot in der Basilika St. Martin auch Weihnachtliches. Bild: Hartl
Die Kammermusik aus der Barockzeit, die vom Kammerorchester Sinfonietta am Sonntagnachmittag in der Basilika St. Martin geboten wurde, war nicht frei von manchem Missklang. Das lag aber nicht an den Musikern, die unter der Leitung von Bernhard Müllers das hohe Maß ihres Könnens wieder einmal unter Beweis stellten. Nein, es war der Weihnachtsmarkt, der mit seiner deutlich hörbaren Geräuschkulisse den Musikgenuss erheblich schmälerte.

Wer bei der Sinfonietta den in den vergangenen Jahren populär gewordenen "Originalklang" - der leider nur zu oft in einer recht ruppigen und aggressiven Interpretation der Werke besteht - erwartete, war eindeutig im falschen Konzert. Ohne jeglichen Kniefall vor solchen Modeströmungen nahmen sich die Akteure ein Programm vor, dessen Werke geradezu eine weich-tönende, in Harmonien schwelgende Wiedergabe voller Wohlklang forderten. Selbst der gestrenge Übervater des Barock, Johann Sebastian Bach, wurde bei der Werkauswahl diesmal ignoriert.

Stattdessen waren Concerti von Arcangelo Corelli, Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi und Georg Philipp Telemann sowie eine weihnachtliche Suite von Marc-Antoine Charpentier zu hören. Auf dem harmonisch perfekten Concerto-Klang der Streicher konnten Ensemblemitglieder bauen, die im Wechsel mit dem Tutti mit ihren Solo-Passagen glänzten. Als erster Solist hatte Konzertmeister Daniel Giglberger an der ersten Geige seinen Auftritt. Das Concerto grosso op. 6/1 in D-Dur von Arcangelo Corelli verlangte viele Wechsel zwischen langsam und schnell zu spielenden Passagen. Für Daniel Giglberger kein Problem. Er wechselte locker zwischen den Phasen und ließ für beide höchst gefühlvoll das jeweilige Temperament walten.

Beim Concerto in B-Dur op. 4/6 von Georg Friedrich Händel wechselte Bernhard Müllers vom Cembalo, von dem aus er das Konzert leitete, an die Orgel. Der weittragende Hall in der Basilika und die Entfernung zwischen Orgel und Voraltar, die die Kommunikation zwischen den Musikern erschwerte, war wohl verantwortlich dafür, dass hier das Wechselspiel von Solo und Tutti nicht ganz optimal und das passende Klangvolumen verfehlt war.

Das elfte Konzert aus der Sammlung "L'estro armonico" von Antonio Vivaldi beinhaltete wieder einige interessante Solo-Passagen, bei denen neben Daniel Giglberger auch Stefanie Heinrich an der zweiten Geige und der Cellist Axel von Hüne ihr Können und ihr hohes Maß an musikalischem Einfühlungsvermögen unter Beweis stellen konnten.

Eine richtige Überraschung hielt Laura Kießkalt bereit. Sie spielte in Georg Philipp Telemanns F-Dur-Konzert für Blockflöte und Streichorchester den Solopart. Klänge voller Anmut, zarteste Empfindungen weckend, aber auch spielerische Nuancen und bewegte Allegropassagen verzauberten die Zuhörer. Mit ihrem Spiel zeigte Laura Kießkalt, welch wunderbar weiche und schmeichelnde Töne man mit einem Instrument erzielen kann, das ganze Generationen von Kindern die Freude an der Musik verlieren hat lassen.

Mit einer neunsätzigen Suite mit weihnachtlichen Themen endete das Konzert in der Basilika St. Martin. Die einzelnen Sätze waren im Programmzettel leider nur in französischer Sprache vermerkt. Es wäre schön gewesen, wenn diese Form von "Originalklang" ebenso konsequent vermieden worden wäre, wie der instrumentale. Denn auch nicht frankophone Zuhörer hätten vielleicht ganz gerne die Bedeutung der einzelnen Sätze erfahren.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.