Kanäle sind völlig im Eimer

Wenn in der südöstlichen Altstadt die Kanalarbeiten laufen, "wird das einiges an Aufschrei hervorrufen", war sich Bürgermeister Martin Preuß am Mittwochnachmittag in der Bauausschuss-Sitzung ziemlich sicher. Er sprach von einem "Riesenkraftakt für alle Beteiligten". Archivbild: Huber

Kanzlerin Merkel würde in diesem Fall wieder einmal die Alternativlosigkeit ausrufen. In der südöstlichen Altstadt ist die Erneuerung der Kanäle ein Muss. Das wird sehr aufwendig und kostet viel Geld. "Jetzt sind wir erschlagen von den Maßnahmen, die auf uns zukommen", sagte Bürgermeister Martin Preuß im Bauausschuss.

Zuvor hatte Tiefbauamtsleiter Norbert Füger Klartext gesprochen. Die Schmutzwasserkanäle am Paulanerplatz, in der Paulanergasse, in der Oberen und Unteren Nabburger Straße, im Münz-, Schanz- und Haberlochgäßchen sowie in der Miltärspitalgasse seien in einem derart desolaten Zutand, dass Erneuerungen "unvermeidlich sind".

Bei den Hausanschlüssen dürfte das erfahrungsgemäß ähnlich sein. Denn in diesem Bereich der Altstadt liege die erste Kanalgeneration Ambergs unter der Erde, zwischen den beiden Weltkriegen hergestellt.

Entwässerungsleitungen hätten in der Regel eine Lebensdauer von 80 Jahren, manche würden vielleicht 100 halten. In den genannten Straßenzügen würden zum Teil sehr aggressive Abwässer anfallen, zum Beispiel aus dem Brauereibetrieb. Besonders schlimm sei es im Schanzgäßchen, wo sich die Rohrwand bereits auflöse.

"Wir sind noch ganz im Anfangsplanungsstadium", betonte Füger. Aber sicher sei: "Das geht nicht ohne Straßensperrungen. Das Geschäftsleben in der östlichen Altstadt wird beeinträchtigt werden." Und: "Es sind viele Provisorien erforderlich." Den Ladenbesitzern gab Füger das Signal: Von Allerheiligen bis zum Ende des Winterschlussverkaufs "müssen die Geschäfte Vorrang haben".

Bei den Kanalarbeiten rechnet der Tiefbauamtsleiter mit Kosten von 2,5 bis 3 Millionen Euro, bei der Neugestaltung der Straßen und Plätze mit rund 4 Millionen. Durchziehen könnte man das Projekt von 2017 bis 2020. "Das wäre ein ehrgeiziges Ziel", meinte Füger.

Es sei "allerhöchste Eisenbahn", merkte Uli Hübner (SPD) an. Das sehe auch seine Fraktion so. Seine ebenfalls, pflichtete Bernhard Schöppl (CSU) bei. Er plädierte wie sein Bauausschuss-Kollege dafür, den Straßen gleich nach der Kanalsanierung die neue Oberfläche zu verpassen. Geht vermutlich nicht in allen Fällen, entgegnete Füger. Alle waren sich aber einig: Wichtig ist, die Belastungen für Anwohner und Geschäfte "so kurz wie möglich zu halten". Bürgermeister Martin Preuß pochte in diesem Zusammenhang auf eine "frühzeitige und enge Einbindung der Betroffenen" - und auf einen barrierefreien Ausbau. Der Ausschuss schloss sich auch dem einstimmig an.
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