Kanzlerin begegnet der Zukunft

Ein Augenblick, den dieser Siemensianer wohl sein Leben lang nicht vergessen wird: Händedruck und dazu ein paar nette Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bild: Petra Hartl

Sie trägt nicht den üblichen Blazer, sondern einen blauen Siemens-Schutzmantel. Damit die Kanzlerin sich nicht statisch auflädt. Elektrisiert ist sie offensichtlich schon ein wenig von der digitalen Fabrik in Amberg. Deren Mitarbeiter lassen interessiert die Arbeit ruhen, um sich Angela Merkel aus nächster Nähe anzuschauen.

Im Elektronikwerk Amberg (EWA), der Vorzeigefabrik in Sachen Industrie 4.0, ist wichtiger Besuch wahrlich keine Seltenheit. "Ein Stück weit ist man's gewohnt", sagt Helmut Eckelt von der Planung und hält oben auf der Galerie zusammen mit dem Journalistentross Ausschau nach Merkel. Dass an diesem Montagnachmittag aber keine Geringere als die Bundeskanzlerin zu Gast ist, beeindruckt auch ihn und vor allem die Kollegen, die unten in der Fertigungsstraße in wenigen Minuten direkten Kontakt mit der Regierungschefin bekommen und mit ihr ein paar Worte wechseln werden.

Neugierige Blicke

In der digitalen Fabrik von Siemens verschmelzen virtuelle und reale Welt. Im wahrsten Sinne des Wortes, möchte man in diesem Fall fast sagen: Vor den Türen der benachbarten Hallen stehen neugierige Siemensianer und wollen einen Blick auf die Bundeskanzlerin erhaschen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Keine Chance. Kurz nach 13.30 Uhr macht die Nachricht die Runde: "Sie ist schon im Haus." Seit wann? Schulterzucken. Ansonsten bleibt an diesem Tag nichts dem Zufall überlassen. Alles ist streng geregelt. Die Anwesenheit von Angela Merkel bedingt ein entsprechendes Sicherheitsbedürfnis.

Fast fehlerlos

Schon heute kommunizieren im EWA Produkte mit Maschinen. Werkleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Büttner spricht mit den Journalisten über sein "Baby" und das Streben nach der absoluten Perfektion in der Qualität. Die derzeitige Fehlerrate: 0,00175 Prozent! Für den Laien eine schier unvorstellbar gute Zahl. "Wir haben ein Konzept entwickelt, das den Menschen hilft, Fehler zu vermeiden", erläutert Büttner und verkündet stolz: "Wir machen fast keine Fehler." Der Mensch bald etwas Überflüssiges in der neuen digitalen Welt? Nein, unterstreicht Büttner. Er glaube, dass der Mensch auch in Zukunft "das entscheidende Glied" ist.

Nah an der Kanzlerin

Über 300 Männer und Frauen der zweiten Schicht sind in der Halle, als Konzernchef Joe Kaeser und Karl-Heinz Büttner der Kanzlerin zeigen, wie diese digitale Fabrik in der Praxis funktioniert. Erstaunlich: Die Produkte steuern ihre Fertigung selbst. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die Angela Merkel ebenfalls begleitet, wird sich freuen, dass dieses Paradebeispiel weitgehend automatisierter Fertigung im Freistaat steht. Die Kanzlerin wechselt ein paar freundliche Worte mit Mitarbeitern und lässt sich beispielsweise erklären, wie so eine grüne Leiterplatte bestückt wird.

Merkel findet's spannend

Wenig später ist die Amberg-Visite fast schon wieder vorbei. Zwischen den beiden Logistikpuffern, in denen Rohmaterialien und halbfertige Produkte abrufbereit sind, greift die Kanzlerin zum Mikrofon. Auf einem kleinen Podest, extra für sie und Joe Kaeser hingestellt, bedankt sie sich bei den "lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern" für den Einblick, der ihr gerade gewährt worden ist. Das Ganze sei vor allem deshalb so "spannend", weil dieser Prozess die Produktion erheblich verändern werde - bis hinein in die Zulieferbetriebe. Für Joe Kaeser zeigt Amberg, dass man bei Siemens Industrie 4.0 "nicht nur spricht, sondern auch macht". Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG betont ebenfalls: Die digitale Fabrik werde von den Menschen geprägt, die dafür sorgen, dass die Maschinen "das machen, was wir wollen".

Ohne Geschenk fährt Angela Merkel natürlich nicht zurück zum Regieren. Im Reisegepäck die passende Erinnerung ans EWA: zwei kleine Leiterplatten.
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