Karl Wächter im Alter von 90 Jahren gestorben - Fast vier Jahrzehnte lang Redakteur bei der ...
Ein Journalist, den man nicht vergessen wird

Wenn der Redakteur am späteren Vormittag die AZ-Räume an der Mühlgasse kurz verließ, um ein Stehcafé an der Georgenstraße zu besuchen, dann konnte das nicht als Pause bezeichnet werden. Denn zurück an seinem Schreibtisch, war Karl Wächter bestens über Neuigkeiten aus der Stadt und ihrem Umland ins Bild gesetzt. Der Journalist, eigentlich immer im Dienst, hatte seine Informationsquellen überall und er nutzte sie auch. Daran und an viele andere Begebenheiten gehen nun die Gedanken zurück. Denn wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag ist Karl Wächter am vergangenen Montag gestorben.

In der Geschichte des Medienhauses "Der neue Tag/Amberger Zeitung" wird Karl Wächter einen festen Platz haben, der die Zeit überdauert. Der gebürtige Burglengenfelder kam 1952 zur AZ und gesellte sich, damals noch an der Regierungsstraße, zu einer Redaktionsmannschaft, die nach dem Krieg Pionierdienste zu leisten hatte. Bert Schindler, Maria Kramarz, Egon Klohn, Achim Kubeng, Helmut Haffner saßen gleich neben ihm. Wer zu ihnen wollte, musste eine steile eiserne Wendeltreppe erklimmen.

Ab 1958 Land-Chef

1958 übernahm Karl Wächter das Ressort Amberg-Land. Damit betreute er einen Leserbereich, der von Schmidmühlen bis hinauf an den Buchberg reichte. Nach ihm konnte man den Zeitmesser stellen: Um 8 Uhr kam er, redigierte ab dann die Stapel eingetroffener Meldungen und Berichte seiner freien Mitarbeiter. Wächters Arbeitstag dauerte meist bis in die Nacht hinein: Kreistagssitzungen, Pressekonferenzen, Tagungen, Versammlungen.

Kaum war dieser Mann zurück, setzte er sich an seine Schreibmaschine, tippte Artikel und eilte danach, wie man das seinerzeit nannte, zum Umbruch der im Landteil erscheinenden AZ-Seiten. Nicht selten begab er sich abends noch ins Theater, um dort rezensierend tätig zu werden.

Karl Wächter gab seinem jüngeren Kollegenkreis ein Beispiel an Professionalität, subtiler Einschätzung und klarer Sprache. Er war Journalist mit Leib und Seele, den man nach langer Dienstzeit im Jahr 1990 mit einer treffenden Beschreibung in den Ruhestand verabschiedete. Sie lautete: "Getreuer und unbestechlicher Chronist im Landkreis Amberg-Sulzbach". Wächter hatte aber auch die Wächterrolle übernommen. Wenn es ihm notwendig erschien, schrieb er Kommentare und teilte in der AZ mit, was aus seiner Sicht kritisch anzumerken war.

Jetzt ist er gegangen. Nach einem langen Leben, das auch geprägt war von der Treue zu Ehefrau Heidi, einem schier unnachahmlich trockenen Humor und seinem Hang zur Geselligkeit. Wenn er, der ebenso wortgewaltige wie charmante Mann, mit in der Tischrunde saß, war für Sternstunden der Unterhaltung gesorgt.

Montag Trauerfeier

Ein Mensch und Journalist, den man nicht vergessen wird. Bescheiden in seiner persönlichen Art. Fordernd aber auch bei denen, die ihn als Kollegen achteten und den Beruf des Redakteurs so ausfüllen wollten wie er. Eine Trauerfeier für Karl Wächter wird es am Montag, 30. November, um 11 Uhr in der Aussegnungshalle des Waldfriedhofs geben. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.
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