Kein Wasser, keine Pilze

Fast jeder hat in seinem Bekanntenkreis einen Schwammerl-Experten. Deutschlandweit gibt es aber nur etwa 500 geprüfte Pilzsachverständige. Einer von ihnen ist Herbert Baumanis aus Amberg.

Doch momentan hat Herbert Baumanis nicht allzu viel zu tun: "Die alte Bauernregel lautet: kein Wasser, keine Pilze", erklärt der Schwammerl-Profi. Die Lage sei heuer extrem schlecht: "Auch letztes Jahr war es sehr trocken, aber dass es so schlimm wie in diesem Sommer war, daran kann ich mich nicht erinnern." Ende Juni habe es einige wenige Pfifferlinge gegeben, ansonsten hätten Schwammerlsucher noch keinen Grund zur Freude gehabt.

Experte ist zuversichtlich

Doch Baumanis ist zuversichtlich: "Die Pilze kommen noch." Die Hauptsaison sei im September und Oktober: "Dann kommen auch der Bodennebel, die Feuchtigkeit, dann kommt alles." Baumanis selbst geht nicht nur zur "Standard-Pilzzeit" in den Wald: An etwa 250 Tagen im Jahr ist er dort. Auch im Winter. Dann wachsen Winterpilze, die auch in der Amberger Region beheimatet sind.

Optimal: feucht und warm

In Bayern gibt es mehr als 5500 Pilzarten. "Das liegt an den Höhenunterschieden, Böden und Wäldern." Unterschiedliche Pilzarten bräuchten unterschiedliche Bedingungen. Was sich auch im Landkreis zeige: "Um Amberg, in östlicher Richtung, haben wir eher saure Böden. Fährt man nach Westen, Richtung Ammerthal, kommt schon der Kalkboden."

Optimal für den Pilzwuchs sei feuchtes und warmes Wetter, aber nicht Hitze. "Hauptsache, viel Wasser. An der Temperatur können wir drehen", lächelt Baumanis. Der Austernseitling zum Beispiel brauche zwar reichlich Wasser, fühle sich aber bei etwa sieben bis zehn Grad sehr wohl. Ein gutes Pilzjahr gab es laut Baumanis zuletzt 2013: "Wenn die ganzen Ferien verregnet sind, dann ist es ein gutes Pilzjahr."

Wie es heuer wird, lässt sich nur schwierig voraussagen: "Im Prinzip würden zwei bis drei schwere Gewitter, bei denen etwa je 20 Liter Wasser runterkommen, an drei Tagen aufeinander reichen, damit die Pilze kommen", erklärt der Sachverständige. Unlängst habe es zwar stellenweise bis zu 15 Liter geregnet, das sei aber noch nicht genug. "Man muss bedenken, dass sehr viel verdunstet, so dass am Waldboden nur etwa die Hälfte der Regenmenge ankommt."

Faktor Klimawandel

In der Region sei die Pilz-Vielfalt sehr groß, "nur die Wärmeliebenden sind hier eher noch selten". In Zukunft könne es wegen des Klimawandels aber durchaus sein, dass die Sammler öfter Exemplare entdecken, die eigentlich woanders zu Hause sind: wie den Kaiserling, der sonst in Italien steht.
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