Kein Witz: Jetzt gilt Tempo 10

Der Radler hätte nicht schieben müssen, aber hier am Ende der Leopold- bis hinein in die nach rechts abfallende Kümmersbrucker Straße gilt seit Donnerstag ein Tempolimit von 10 km/h. Und zwar wegen Schleudergefahr bei Nässe und Schmutz auf der offenporigen Fahrbahndecke. Bild: Huber

Die meisten Autofahrer reiben sich verwundert die Augen: Gibt's das? Eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 km/h auf der vielbefahrenen und breiten Kümmersbrucker Straße? Dieses Tempolimit gilt seit Donnerstag bergabwärts vor dem Asylbewerberheim. Es sorgt neben Verwunderung auch für Verärgerung.

Denn die 10 km/h sind auf dieser abschüssigen Strecke von der Bahnbrücke an der Leopoldstraße beginnend bis hinunter zur Einmündung auf den Hof der Polizeiinspektion eher schwer einzuhalten. Allein durchs Rollen werden die meisten Fahrzeuge schneller und müssen auf dem rund 100 Meter langen Stück praktisch permanent eingebremst werden.

Das ist überhaupt das Stichwort: Kräftiges Bremsen ist jetzt an der Gleisüberführung angesagt für alle, die auf der langen Geraden der Leopoldstraße aus Richtung Kreisverkehr mit erlaubten 50 km/h daherkommen. Wo bisher schon im beschriebenen Kurvenbereich vor der Asylbewerberunterkunft die Begrenzung auf 30 "Sachen" galt, steht seit Donnerstag das 10-km/h-Schild. Aufgestellt von der Stadt Amberg, die darüber selbst nicht so ganz glücklich ist. Allerdings musste sie handeln, wie der für solche Anordnungen zuständige Tiefbauamtsleiter Norbert Füger der AZ erläuterte. Seine Behörde wurde nämlich von der Amberger Polizei zum wiederholten Mal auf eine Gefahrensituation aufmerksam gemacht, die sofortiges Einschreiten erforderte.

Allein in dieser Woche hatte es auf dem bewussten Abschnitt drei Verkehrsunfälle gegeben. Drei Mal kamen Autofahrer bei Nässe von der Fahrbahn ab und schleuderten auf den Gehweg. Einer krachte sogar in den Zaun des Flüchtlingsheims, wo zumindest bei gutem Wetter oft Kinder auf der dahinterliegenden Grünfläche spielen. Doch auch auf dem Bürgersteig sind häufig Menschen unterwegs, die durch solche "Ausrutscher" akut gefährdet sind. Und: Es war bereits der 16. Unfall dieser Art in diesem Jahr, der die Polizei jetzt Alarm schlagen ließ. Bereits im März hatte sie nach nahezu identischen Erfahrungen aus den vergangenen beiden Jahren (2014 fünf ähnlich gelagerte Fälle, 2013 zwei) die Begrenzung auf 30 km/h gefordert und bekommen. Nach drei Unfällen allein in dieser Woche und 13 weiteren seit Jahresbeginn zog sie am Mittwoch die Notbremse und bat die Stadt um eine geeignete "Sofortmaßnahme". Die sah Norbert Füger in der erneuten Temporeduzierung auf 10 km/h und ließ nur einen Tag später das entsprechende Schild aufstellen. Abgesehen davon, dass das wohl noch nicht alle hier vorbeikommenden Fahrer registriert haben, soll diese Beschränkung voraussichtlich nur bis etwa Mitte nächster Woche gelten. Denn Norbert Füger hat eine Straßenfräsmaschine bestellt, die am Mittwoch kommt und die Fahrbahnoberfläche aufrauen soll. Denn hier liegt nach Ansicht der Polizei das Problem: Der sogenannte Flüsterasphalt, der hier aufgebracht wurde und ziemlich offenporig ist, scheint vor allem bei Feuchtigkeit und Nässe ziemlich rutschig zu werden. Und zwar offenbar durch bergab eingeschwemmten Schmutz, der die Poren verstopft und die Fahrbahn statt griffig eher glatt werden lässt. Hier soll nun das Anfräsen und eine technische Änderung Abhilfe bringen.
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