Keine Angst vor der 110

Die beiden ranghöchsten Oberpfälzer Polizisten besprachen mit Oberbürgermeister Michael Cerny die Sicherheitslage (von links): Präsident Gerold Mahlmeister und sein Stellvertreter, der frühere Amberger Direktions-Chef Michael Liegl. Bild: Huber

Im Vorjahr gab es in der Stadt 46 Einbrüche in Häuser oder Wohnungen. 20 Mal blieb es beim Versuch, aber 26 Mal kamen die Diebe an ihr Ziel. Zum Vergleich: Noch vor fünf Jahren waren es nur neun Fälle. Trotz der alarmierenden Zahlen beruhigt die Polizei. Denn die Aufklärungsquote ist eine der besten in Bayern.

Amberg. (tk) Ein Blick in die Statistik zeigt: In Amberg wurde im vergangenen Jahr so oft eingebrochen wie schon lange nicht mehr. Die Zahlen, die der neue Oberpfälzer Polizeipräsident Gerold Mahlmeister mit zum Sicherheitsgespräch mit Oberbürgermeister Michael Cerny gebrach hatte, belegten eindeutig diesen negativen Trend. Von Jahr zu Jahr gab es mehr Fälle: 2010 waren es 9, später 16, dann 25 und 38, bis 2014 mit 46 der Rekord der jüngeren Vergangenheit verzeichnet werden musste.

Ambergs Inspektionsleiter Robert Hausmann zitierte aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz der Ermittler, dass Häuser und Wohnungen gleichermaßen begehrt seien. In mehrstöckigen Gebäuden würden eher die oberste Etagen aufgesucht, "weil man ungestörter arbeiten kann".

Hohe Aufklärungsquote

Bei Einfamilienhäusern seien Neubaugebiete für Einbrecher interessant. Vor allem aber spiele die Nähe zur Autobahn eine entscheidende Rolle, sagte es der Polizeidirektor deutlich: "Schnell hin, schnell weg." Gerold Mahlmeister relativierte: "Es ist kein Massendelikt. Aber es ist ein Delikt, das in der Bevölkerung große Verunsicherung verursacht." 20 Mal sei es im Vorjahr beim Versuch geblieben. Und von den restlichen 26 Einbrüchen gingen 18 auf das Konto eines einzigen, mittlerweile verurteilten Täters. Durch dessen Festnahme verbesserte sich die Aufklärungsquote in der Stadt laut Vizepräsident Michael Liegl auf 47,8 Prozent.

Für den ehemaligen Leiter der Amberger Polizeidirektion ist das ein Spitzenergebnis: Bundes-, bayern- und bezirksweit liege dieser Wert jeweils bei rund 15 Prozent. Liegl war es auch, der mit einem alten Vorurteil aufräumte. Die ungebetenen Gäste, die es in erster Linie auf Bargeld und leicht transportierbare Wertgegenstände wie Schmuck abgesehen hätten, kämen keineswegs meist in der Nacht: "Eher zwischen 14 und 20 bis 21 Uhr", wenn keiner zu Hause sei. Die Täter gingen dabei nicht auf gut Glück vor. Michael Liegl: "Es ist festzustellen, dass die Objekte ausgekundschaftet werden."

"Melden Sie sich!"

Einbrecher suchten nach Hinweisen, ob sie über den Garten ins Innere kommen und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. "Da lohnt es sich dann oft, mal ein paar Euro in die Hand zu nehmen", riet der Präsident, der zudem dafür plädierte, die Augen offen zu halten: "Wenn Sie eine verdächtige Wahrnehmung machen, melden Sie sich." Hausmann nickte: "Lieber ein Anruf zu viel als einer zu wenig, was dann zu einem Einbruch führen könnte." Dabei dürfe die 110 gewählt werden, was sich viele nicht trauten. Mahlmeister: "Es hat noch keine Anzeige wegen Notrufmissbrauchs gegeben."

OB Cerny schätzte es in dem Gespräch, dass die Polizei "so massiv dabei" ist, Prävention zu betreiben. Fachberater Wolfgang Sennfelder sei jede Woche unterwegs, um Aufklärungsarbeit zu leisten. (Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.