Keine eigenen Wohnviertel für Flüchtlinge schaffen

Über 900 Flüchtlinge warten im Landkreis ihr weiteres Schicksal ab, rund 500 sind es in der Stadt. Die Zukunft dieser Menschen ist ungewiss, der Aufgabenkatalog für Politik, Kommunen, Bildungseinrichtungen und Firmen sehr umfangreich. Im lokalen Bündnis für Migration und Integration wird bereits viel geleistet.

OB Michael Cerny brachte es in der Vollversammlung auf den Punkt: Integration sei nur zu schaffen, wenn die Gesellschaft insgesamt Verständnis dafür hat, dass wir das nur gemeinsam hinkriegen. Amberg und der Landkreis seien durch ihr bereits bestehendes interkommunales Bündnis für Migration und Integration auf die neue Flüchtlingswelle vorbereitet gewesen.

Bildung und Arbeit

Schwerpunkte der Integration sind für Cerny unter anderem die Bereitstellung von Wohnung und Unterkunft, das Erlernen der deutschen Sprache, Bildung und Arbeit. Nötig seien auch Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliche Strukturen. "Die hohe Zahl der Flüchtlinge führt dazu, dass wir in vielen Bereichen nicht vorbereitet sind. Nicht vorbereitet mit der notwendigen Anzahl an Plätzen in der Notaufnahme bis hin zum Angebot an Sprachkursen. Nicht vorbereitet aber auch im Bereich der personalen Ausstattung", räumte Cerny offen ein.

Trotz täglich wechselnder Zahlen stellte sich die Situation für Amberg zu Beginn dieser Woche wie folgt dar: knapp 500 Asylbewerber, für die es rund 250 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften gibt. Etwa 50 Flüchtlinge seien in Privatwohnungen untergebracht, 80 in dezentralen, von der Stadt angemieteten Unterkünften, weitere 80 in der Erstaufnahme-Einrichtung der Regierung in der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Adalbert-Stifter-Straße. Dort stünden dem Landkreis rund 100 Plätze zur Verfügung. Amberg beherbergt derzeit außerdem um die 50 unbegleitete Minderjährige.

Laut OB werden momentan 80 Plätze in der ehemaligen Schule des Landkreises dem Kontingent Ambergs zugerechnet. Dies werde nicht ausreichen. "Deshalb suchen wir nach Möglichkeiten, um die Zahl der Plätze auf 200 bis 300 aufzustocken", berichtete Cerny. Dies dürfte jedoch frühestens im Frühjahr klappen.

Vernünftige Mieten

Also brauche die Stadt aktuell noch Räumlichkeiten, um im Winter notfalls zumindest 50 Menschen ein Dach über dem Kopf bieten zu können. "In jedem Fall wollen wir vermeiden, dass wir an Weihnachten Flüchtlinge in Amberg beziehungsweise in der Oberpfalz unterbringen müssen und keine Kapazitäten mehr vorhanden sind", sagte Cerny. Der OB sieht es als Aufgabe der Kommunen, die dezentrale Unterbringung zu vernünftigen Mieten zu organisieren. Zusätzlich seien 2016 weitere Gemeinschaftsunterkünfte in Amberg geplant. Was den Bedarf an neuem Wohnraum anbelangt, so betonte er: "Wir wollen keine eigenen neuen Wohnviertel für Flüchtlinge schaffen." Cerny sprach von temporären Angeboten in Form von Übergangswohnheimen.

Keine Ghettoisierung

Stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann lehnte eine Ghettoisierung ebenfalls ab. Auf dem flachen Land müsse man die mitunter vorhandene Angst vor der Unterbringung von Flüchtlingsfamilien ernst nehmen und bei den Menschen Überzeugungsarbeit leisten.

Die aktuelle Lage im Kreis sieht nach Angaben des Landratsamts so aus: in dezentralen Unterkünften 660 Asylbewerber, in Gemeinschafts-Bleiben 87. In einer Notunterkunft leben (Stand Freitag vor einer Woche) noch 160 Flüchtlinge. Der Landkreis kümmert sich darüber hinaus um 97 unbegleitete Minderjährige.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.