Keine Lebensmittel für Flüchtlinge: Kritik an Haltung der Dachauer Tafel
"Wir schließen niemanden aus"

Die Dachauer Tafel gibt keine Lebensmittel an Flüchtlinge aus. Dazu hat Bernhard Saurenbach, der die Amberger Tafel leitet und zugleich Ländervertreter der nordbayerischen Einrichtungen ist, eine glasklare Meinung: "So geht das nicht." Die Haltung der Dachauer widerspreche klar dem Tafel-Gedanken: "Wir grenzen niemanden aus."

In dieser Woche war bekannt geworden, dass die Einrichtung in Dachau, deren Träger der dortige Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes ist, keine Bezugsscheine für Flüchtlinge ausstellt. Bernhard Saurenbach kritisiert diese Einstellung scharf: "Wir schließen niemanden aus", sagt er und verweist auf die Grundsätze der deutschen Tafeln.

"Bei uns ist kein Platz für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung", sagt er. Vielmehr gelte folgender Grundsatz: "Die Tafeln helfen allen, die der Hilfe bedürfen." Saurenbach war am Donnerstag beim Regionaltreffen der nordbayerischen Tafeln in Haßfurt. Auch dort herrschte totaler Konsens, dass es so, wie es die Einrichtung in Dachau praktiziert, nicht geht. Bernhard Seidenath, CSU-Landtagsabgeordneter und BRK-Kreisvorsitzender von Dachau, hatte die Haltung seiner Tafel so verteidigt: Asylbewerber müssten lernen, mit ihrem Geld umzugehen. Wer in Deutschland aufgewachsen sei, könne das. Wer aus einem anderen Kulturkreis komme, müsse das erst üben. Dafür hat Bernhard Saurenbach überhaupt kein Verständnis: "Das ist Rassismus pur", sagt er.

Bringt alle in Misskredit

Die Einrichtung in Dachau habe die vom Bundesverband Deutsche Tafel aufgestellten acht Grundsätze, darunter eben auch der, dass alle Menschen, die der Hilfe bedürfen, unterstützt werden, unterzeichnet. "Sie wird vom Verband Deutsche Tafel eine Abmahnung bekommen." Im schlimmsten Fall drohe der Ausschluss. Besonders ärgerlich für Saurenbach: "Durch das Verhalten der Dachauer werden auch alle anderen Tafeln in Misskredit gebracht."
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