Keinen Klamauk im Kopf

Ein Heeresmusikkorps glänzt durch Leistung an den Instrumenten, nicht etwa durch besonders farbenprächtige Uniformen. Die dürfen ruhig grau sein. Bild: Huber

Aus Veitshöchheim kommt nicht nur alle Jahre die TV-Kultsendung "Fastnacht in Franken", die unterfränkische Gemeinde beherbergt auch das Heeresmusikkorps 12. Es war aber sicher nur Zufall, dass es am 11.11., also zu Beginn der närrischen Zeit, im ACC auftrat.

Vom Main an die Vils - unter der Leitung von Oberstleutnant Robert Kahle präsentierte das Heeresmusikkorps ein exzellentes Programm zugunsten der Renovierung der Paulanerkirche. Die Damen und Herren Musiker in Uniform setzten dabei ihr musikalisches Können nicht für Karnevalsklamauk ein, sondern für den guten Zweck.

Und doch kochte die Stimmung so kurz vor 11.11 Uhr (wenn man die amerikanische Betrachtungsweise wählt und ein "pm" zur Uhrzeit setzt, also ein "nach dem Mittag") richtig hoch. Was die schmucken Musiker in ihren hellgrauen Uniformen, mit Silberknöpfen an der Jacke und schwarzem Schleifchen unter dem weißen Hemdkragen, aus ihren blankgeputzten Instrumenten herausholten, das hatte Feuer und Temperament.

Im "Happy Sound" der James-Last-Music ging die Charity-Party nach der Pause so richtig los. Den Taktstock hatte Robert Kahle zur Seite gelegt, jetzt wurde mit den Fingern geschnippt und in den Hüften gewippt, nun durften die Techniker im ACC zeigen, welche Lichteffekte sie in den leider nicht voll besetzten Saal zaubern konnten. Das Orchester - hochmodern ausgestattet mit einem Instrumentenarsenal das von Piccoloflöte bis Tuba, von Schlagzeug bis Keyboard reicht - war außerdem mit voll einsatzfähigen Bongos, Rasseln und Gitarren aufgerüstet worden.

Die gute Laune übertrug sich aufs Publikum bei Hits wie "Einsamer Hirte" (Panflöte: Stabsfeldwebel René Jestädt - leider etwas übersteuert!) oder "Wochenend und Sonnenschein" (Akkordeon: Hauptfeldwebel Eugen Knittel). New Yorker Jazz-Club-Atmosphäre spürte man bei "Birdland", einem Stück von Joe Zawinul. Und so richtig fetzig kam "Udo Jürgens in Concert" daher. Unvergessen sind die Songs "Mit 66 Jahren", "Ich war noch niemals in New York", "Aber bitte mit Sahne", "Und immer wieder geht die Sonne auf". Die bekannten Melodien rissen die Zuhörer mit. Die Besucher, unter ihnen Oberbürgermeister Michael Cerny, konnten gar nicht mehr still sitzen.

Laut tönte es von Anfang an aus dem rund 50-köpfigen Orchester über die Bühnenrampe, die mit roten Weihnachtssternen und grünem Efeu dekoriert war. Das war bei der "Unity Fanfare" so, auch bei den verschiedenen Märschen: "Marsch zur deutschen Einheit", "Der alte Dessauer", "Waidmannsheil", "Alte Kameraden" und "Colonel Bogey Marsch" von Kenneth J. Alford. Hier durfte das Publikum kräftig mitpfeifen.

Aus dem üblichen Blasmusikrahmen fielen so epische Werke wie die Ouvertüre von Rossinis "Diebische Elster" oder "Bonaparte" von Otto M. Schwarz. Das über zehn Minuten dauernde Stück ist eine Riesenherausforderung für die Musiker. Es beschreibt das wechselhafte Leben Napoleons: Schlachtgetümmel, Liebesflüster mit Josephine, Aufstieg zum Kaiser und Fall des Eroberers bei Waterloo, schließlich seine endgültige Abdankung und Verbannung. Dank der informativen Moderation von Robert Kahle konnte das Publikum der schwierigen musikalischen Charakterzeichnung bestens folgen.

Viel Einfühlungsvermögen und Interpretationswitz verlangten auch die "Jubilee Ouverture" von Philip Sparke und die Robin-Hood-Komposition von Michael Kamen, wobei besonders die Gesangseinlage der Filmmelodie "Everything I do, I do it for you" von Stabsfeldwebel Michael Heinlein den richtigen Nerv traf.

Das Heeresmusikkorps spielte für den guten Zweck, und es spielte hervorragend. Dank und Anerkennung dafür spendete das Publikum mit üppigem Applaus.
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