Kinder fliegen auf diese Schule

In diesen Schulalltag hüpfen die Kinder voller Freude. Die Barbaraschule bietet mit ihrer Ganztagsbetreuung viel Sport und Bewegung zwischen den Pflichtstunden. Rektor Berthold Göttgens (links) hat hier Pionierarbeit geleistet.

Macht dir die Schule Spaß? Viele Kinder antworten auf diese Frage "nö" oder "nicht wirklich" - allenfalls: "manchmal". Doch es gibt eine Schule in Amberg, da sagen die Buben und Mädchen: "Ja, total!" Es ist die Barbaraschule, besser gesagt ihre gebundene Ganztagsform, wo man diese Begeisterung hört.

Woher kommt das? Lassen wir es zwei aufgeweckte Viertklässlerinnen erklären, die eben schon vier Jahre "Erfahrung" mit diesem Modell haben. "Also, erstens lernen wir hier viel mehr als die Schüler in den normalen Vormittagsklassen", sagt Alexandra Martel wie aus der Pistole geschossen. Sie lobt damit die zusätzlichen Unterrichtsstunden, die es an der Ganztagsschule gibt und die sie wie viele Mitschüler nicht als Last empfindet.

Im Gegenteil dient dieses Angebot dazu, den Stoff zu vertiefen - oder, wie es die Zehnjährige ausdrückt, "besser zu kapieren". Und wenn es die Hausaufgaben sind, die in dieser Zeit gemacht werden, hat das auch einen Riesenvorteil: Es ist die bekannte Lehrkraft dabei, die in solchen Stunden gerne nochmals erklärt und eben draufhilft, wenn ein Schüler nicht weiterweiß.

"Unsere Lehrer können uns die Sachen ja meistens auch viel besser beibringen als Mama oder Papa daheim", weiß Alexandra diesen Vorzug zu schätzen. So bleiben nach ihren Worten nie Fragen offen und die Hausaufgaben werden komplett in der Schule zu Ende gemacht. Auch das gefällt der Zehnjährigen und ihrer Freundin Sophia Schuster gut. "Wir haben dann, wenn wir zu Hause sind, nichts mehr auf - das ist sehr bequem." Kleine Ausnahme: Mündliches Lernen oder Lesen sollte auch daheim sein, vor allem wenn Schulaufgaben und andere Tests anstehen.

Das betonen auch Rektor Berthold Göttgens und seine Stellvertreterin Elke Schmidt. Die beiden sind wie ihre Schüler voll überzeugt vom gebundenen Ganztagsmodell. Dabei sind sie es, die an vorderster Front stolz darauf sein dürfen, denn sie haben es in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt. Los ging es ursprünglich 2007 mit einem Schulversuch. Als eine der ersten Einrichtungen in der Oberpfalz führte die Barbaraschule diese Form zunächst mit einer dritten Klasse ein und baute sie Zug um Zug für alle Jahrgangsstufen aus. Zusätzlich zu jeweils zwei Regelklassen hat die Grundschule so die Ganztagsklassen eins bis vier und ist somit insgesamt dreizügig.

Rektor kniet sich rein

Berthold Göttgens kniete sich von Anfang an mächtig ins Thema hinein - Elke Schmidt stieß 2010/2011 hinzu und erzählt ebenso begeistert von dieser Schulform. Aber die beiden heben gar nicht so sehr auf die regulären Unterrichtseinheiten ab, sondern stellen vor allem die Übungs- und Studierzeiten mit sportlichen, musischen und künstlerischen Fördermaßnahmen gern vor. Sie sind konzeptionell mit den Schulstunden verwoben und sorgen durch diesen Wechsel von lehrplanmäßigem Stoff und Kreativ- und Entspannungsangeboten für einen bunten Tag (von 8 bis 15.30 bzw. 16 Uhr).

Davon schwärmen nicht nur Alexandra und Sophia, sondern alle rund 80 Ganztagsschüler, die die Barbaraschule derzeit in den Klassen eins bis vier hat. Da gibt es zum Beispiel jede Woche viel Sportliches, wofür hauptsächlich der SV Raigering mit ausgebildeten Übungsleitern zuständig ist. Die Panduren sind mit einem eigenen Konzept ganzjährig verpflichtet worden, wie sich die Barbaraschule überhaupt professionelle Partner gesucht hat, die mit Kinder-Yoga, Hör- und Leseclub, Bastel-, Kunst- und Musikgruppen Spaß und Sinn in die Schule bringen. Das Kolping-Bildungswerk gehört neben dem SVR ebenso zu diesen Vertragspartnern wie die Musikschule Klangwerkstatt (ergänzt durch den Förderverein der Schule).

Für diese Betreuungsform hat die Stadt im Erdgeschoss kräftig umgebaut, eigene Räume, eine Mensa und ein Spielzimmer geschaffen. "Da wurde richtig Geld in die Hand genommen", freut sich Berthold Göttgens, obgleich er sich wünschen würde, wenn sich diese Sanierungsfreude in naher Zukunft in den oberen Stockwerken für die Regelklassen fortsetzen würde.

"Atmosphäre sehr familiär"

Einen Hauptvorteil der gebundenen Betreuung beschreibt Elke Schmidt so: "Die Kinder bleiben in ihrem Klassenverband und bei ihren Lehrkräften. Sie fühlen sich dadurch fast wie zu Hause, die Atmosphäre ist sehr familiär." Tatsächlich tragen die größtenteils engen Beziehungen und der ritualisierte Alltag dazu bei, den Kindern ein Stück "heile Welt" zu geben, wie es Schmidt nennt. Den Lehrern verlange das neben beruflichem und sozialem Engagement oft auch emotional einiges ab.

Apropos: Alexandra und Sophia werden ebenfalls etwas emotional, wenn sie daran denken, dass sie nun nach der vierten Klasse ihre liebgewordene Barbara-Ganztagsschule verlassen müssen. "Wir vermissen das alles hier ganz bestimmt", meint Sophia und will deshalb an der Realschule, auf die sie wechselt, mit Ganztagsunterricht weitermachen. "Der Abschiedsschmerz ist fast so groß wie bei einem Abiturjahrgang, wenn unsere Kinder gehen", sagt Elke Schmidt und freut sich über diese wohl schönste Bestätigung für ein erfolgreiches Schulkonzept.
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