Klaus Töpfer in der Buchhandlung Rupprecht: "Die Welt im Wandel" und was können wir tun?
Der neue Blickwinkel eines ehemaligen Ministers

Klaus Töpfer. Bild: Hartl
Kaum ein Jahr war die Katastrophe im Kernkraftwerk von Tschernobyl her, da wurde Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer von Helmut Kohl als Minister für Umweltschutz und Reaktorsicherheit berufen. Dieses Thema hat ihn seither immer wieder bewegt. Der Mann, der mehr wichtige politische Funktionen - national und international - innehatte als er akademische Titel führt, kam am vergangenen Mittwoch in die Buchhandlung Rupprecht in Amberg, um sein Büchlein "Die Welt im Wandel" vorzustellen und die im Untertitel gestellte Frage "Was können wir tun?" zu beantworten.

Viele globale Probleme

Ein Patentrezept, um die Welt zu retten, gibt es nicht. Das wurde schon in der einleitenden Analyse der globalen Probleme klar. Denn deren gibt es viele. Als Hauptgrund für die meisten von ihnen macht Töpfer die oft mangelnde Energieversorgung aus. Auch wenn es in der Bundesrepublik eine flächendeckende Versorgung gibt und niemand auf seinen Kaffee aus der Maschine verzichten muss, gilt für den ehemaligen Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen doch die fehlende oder mangelhafte Energieversorgung als verantwortlich für die Armut in der sogenannten "Dritten Welt". Diese sei auch Ursache für die gefühlte oder tatsächliche Unfreiheit, die von den Menschen in den ärmeren Erdteilen empfunden wird. Die erstrebenswerte Freiheit nennt Töpfer auch als einen der Gründe für die massiven Wanderungsbewegungen in unserer Zeit. Den Begriff des "Wirtschaftsflüchtlings" benutzt er in diesem Zusammenhang nur ungern, denn auch diese seien bestrebt, ein Leben in Freiheit und Wohlstand zu leben. Von diesem Traum von einer "normalen" Welt, den die Emigrationswilligen in den weniger entwickelten Staaten träumen, konnte sich Töpfer während seiner Zeit bei den Vereinten Nationen selbst ein Bild machen.

Aber auch in Europa hat sich einiges - und nicht nur zum Besseren - verändert. Die Vision von einem einheitlichen Staatengefüge, die von den Vätern der EU ausging, hat sich als bisher nicht realisierbar erwiesen. Die Politik ging - vor allem in den Ländern des ehemaligen Ostblocks - ganz andere Wege. Statt näher zusammen zu rücken, kämpften ethnische Gruppen um ihre eigenen Staaten. Und statt eines friedlichen Miteinanders haben wir mitten in Europa und vor unserer Haustür Kriege, die von Fanatikern angezettelt wurden - ohne Rücksicht auf die Menschen die dort leben. Da die politische und religiöse Radikalisierung vor allem von der Armut befördert wird, ist es für Töpfer unumgänglich, diese zu Bekämpfen. Hier schließt sich der Kreis, denn zur Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten ist es notwendig, Wohlstand zu schaffen. Das braucht Energie - sowohl die aus dem Kraftwerk als auch die von Menschen, die ihre Zukunft selbst gestalten wollen. Der ehemalige Bundesminister ruft deshalb dazu auf, mehr in Sachen Energiegewinnung und -verteilung zu forschen und dabei nicht nur die Gegebenheiten in unseren Breiten zugrunde zu legen, sondern auch die geo- und demografischen Aspekte in den Schwellenländern mit zu berücksichtigen. Auf keinen Fall darf sich die Forschung auf ihren Lorbeeren ausruhen, wie seinerzeit bei der Atomkraft, die scheinbar alle Energieprobleme gelöst hat, und die unsere und die nachfolgenden Generationen vor schier unlösbare Probleme stellt.

Denkanstöße gegeben

Auch wenn Töpfer mit einem Augenzwinkern sagt "Die besten Minister sind die ehemaligen!", ist in diesem Satz doch eine Wahrheit verborgen. Denn als "Ehemaliger" ist er nicht mehr an Fraktionszwang und Parteiräson gebunden, und wenn man dann auch noch weltweit für die Vereinten Nationen unterwegs ist, verändert sich der Blickwinkel auf so manches Problem. Die Welt gerettet hat Töpfer noch nicht, aber er hat in seinem Vortrag doch einige Denkanstöße gegeben, die es wert sind, weiter entwickelt zu werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.