Kleine Schritte auf weitem Weg

Schulleiterin Isabel Wernekke, Geschäftsführerin Katrin Panek und Lebenshilfe-Vorsitzender Eduard Freisinger (von links) wissen, dass Inklusion noch ein weiter Weg ist, auch wenn der Anfang gemacht ist. Bild: Hartl

Neun Buchstaben stehen dafür, dass Menschen mit Behinderung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird: Inklusion. Sie fängt in Kindergarten und Schule an, setzt sich über Freizeit und Arbeitsplatz fort und hört bei der Wohnform auf. Einige Mosaiksteinchen hat die Lebenshilfe mit Partnern auf den Weg gebracht. Viel steht auf der Wunschliste.

Eduard Freisinger, Vorsitzender der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach, Geschäftsführerin Katrin Panek und Isabel Wernecke, Leiterin des Heilpädagogischen Zentrums, sind stolz auf all das, was bislang erreicht wurde. Zum Beispiel die inklusive Kinderkrippe, in der in zwei Gruppen 18 Kinder, davon insgesamt sechs mit Behinderung, betreut werden. Damit haben die Verantwortlichen gute Erfahrungen gemacht.

In beide Richtungen

Eltern, die möchten, dass ihr Nachwuchs mit behinderten Kindern die Einrichtung besucht, seien sehr angetan. "Sie wählen uns bewusst aus", erklärt Freisinger. Denn so lernen ihre Kleinen, dass es normal ist, anders zu sein. Sie wachsen damit ganz natürlich auf. "Das ist ja der Grundgedanke der Inklusion: Dass Verschiedensein völlig normal ist", erklärt Wernekke und ergänzt, diese Erfahrung sei auch in allen anderen inklusiven Projekten gegeben. Das Heilpädagogische Zentrum hat ihren Worten nach drei Partnerklassen - zwei an der Albert-Schweitzer-Schule in Amberg und eine an der Grundschule in Fensterbach. "Und vielleicht im nächsten Jahr auch eine Grundschulklasse bei uns im Haus", blickt sie voraus, verhehlt dabei nicht, dass gerade dies ein großer Wunsch der Lebenshilfe sei. "Ziel ist, das Inklusion in beide Richtungen läuft, dann ist es wirklich wie im richtigen Leben."

Alternative Wohnformen

Vor genau einem Jahr installierte die Lebenshilfe eine zentrale Beratungsstelle, für die Julia Reinhardt zuständig ist. Dort hätten schon sehr viele Menschen Rat und Hilfe gesucht, freut sich Katrin Panek. Vor allem das Interesse an alternativen Wohnformen sei groß. Eduard Freisinger erklärt, dass Menschen mit Behinderung nicht nur im Wohnheim leben müssen, sondern auch das Angebot des ambulant betreuten Wohnens nutzen können. Besonders erfreut ist er, dass drei Menschen das ambulant betreute Wohnen verlassen haben und selbstständig leben.

Sowohl für ihn als auch für Panek und Wernekke sind dies kleine Schritte, die zum Erfolg führen. "Inklusion ist ein langwieriger, kräfteraubender und sehr viel Geduld kostender Prozess", sagt die Schulleiterin. Groß ist die Freude bei den Verantwortlichen der Lebenshilfe, dass es zum Beispiel einen Inklusionsbeirat gibt und das Thema auch OB Michael Cerny und Landrat Richard Reisinger ein großes Anliegen ist.

Gut entwickelt hat sich nach Worten der Geschäftsführerin der assistenzbegleitende Besuch einer Regelschule. "Vor vier Jahren war es eine Schülerin, inzwischen sind es 14", erklärt Panek. "Inklusion ist nicht auf Wohnheim und Schule beschränkt", betont Freisinger. Inklusion sei vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Projekt, ergänzt Wernekke.

Nicht mit der Gießkanne

Katrin Panek erwähnt die Frühförderstelle sowie die Koordinierungsstelle Fachdienst in Regelkindergärten. Dort würden die Einrichtungen beraten. "Nicht nach dem Gießkannen-Prinzip, sondern auf das Kind mit erhöhtem Förderbedarf zugeschnitten", ergänzt die Schulleiterin. Dies könnten oft einfache Maßnahmen sein: ein klarer, strukturierter Tagesablauf, eine andere Schere, ein größerer Löffel, ein fester Sitzplatz. "Oder aber es geht um eine Therapieempfehlung", sagt Wernekke und bringt als Beispiel eine logopädische Behandlung bei verzögerter Sprachentwicklung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.