Kleine Schritte aus der Trauer

Fußabdrücke mit Aussagekraft: Wenn die Trauergruppe zusammenkommt, setzen sich die Kinder erst einmal auf den Boden und bauen ihre Mitte auf: bunte Tücher, Steine, Plüschtiere und Kerzen. Die Fußspuren symbolisieren, dass das Leben weitergeht und sich auch die Trauer entwickelt. Bild: hfz

Die papierenen Fußabdrücke am Boden sind noch ganz klein. Doch der Kummer des Buben, der da seine Spuren hinterlassen hat, ist riesengroß. Die im Frühjahr gegründete Trauergruppe für Kinder zieht eine erste Bilanz. Es ist ein Zwischenbericht voller Lichtblicke.

Die Kinder, die sich immer montags in den Räumen des Hospizvereins in der Heiner-Fleischmann-Straße treffen, sind traurig und sie wissen oft nicht, wie sie mit ihrer Traurigkeit umgehen sollen. Mama oder Papa ist gestorben. Ein Weltuntergang für die Mädchen und Buben und für ihre ganze Familie. "Wir helfen den Kindern, über den Schmerz hinwegzukommen", erklärt Brigitte McGuire, ehrenamtliche Helferin beim Hospizverein. "Wir lassen die Kinder spüren, dass sie mit ihrer Traurigkeit nicht allein sind."

Seit Juli gibt es in Amberg einen Treff für Mädchen und Buben, die eine enge Bezugsperson verloren haben - egal, ob Elternteil, Oma, Opa, Schwester, Bruder oder guter Freund. Vier Kinder nahmen das Angebot an. Zwei im Vorschulalter und zwei mit zehn und elf Jahren. "Es ist eine tolle Gruppe geworden", freut sich McGuire. Trotz des Altersunterschieds hätten sich die vier wunderbar verstanden. "Wen wundert's", sagt die Betreuerin. "Sie teilen etwas, das sie sehr stark verbindet."

Extra ausgebildet

Bei der Trauergruppe geht es nicht darum, den Tod zu verdrängen. Im Gegenteil: Ziel ist es, das Thema Sterben aufzuarbeiten, den Abschied anzunehmen und die Erkenntnis reifen zu lassen, dass das Leben trotz allem weitergeht. "Wir verfolgen keinen therapeutischen Ansatz", betont McGuire, "sondern wir versuchen durch Gespräche, Spiele und gemeinsame Unternehmungen zu vermitteln, dass es ganz natürlich ist, zu trauern." Mit ihr haben sich drei weitere Frauen für die Betreuung der Kinder ausbilden lassen.

Bei den acht Treffen gab es jede Woche ein neues Schwerpunktthema. "Beerdigung: Wo sind unsere Verstorbenen jetzt?", lautete eines. "Trauer, Schmerz, Gefühle", war ein anderes überschrieben. Es sei auch darum gegangen, den Kindern Ängste und Schuldgefühle zu nehmen. "Kinder denken ja nicht so rational wie Erwachsene", sagt die Hospizhelferin. Beispiel: Papa ist gestorben, und am Tag zuvor gab es noch Ärger wegen der nicht gemachten Hausaufgaben. "Da kann es durchaus sein, dass sich ein Kind die Schuld am Tod des Vaters gibt."

Gruppe macht weiter

Die erste Trauergruppe ist zu einer echten Gemeinschaft zusammengewachsen. Zum Abschluss gingen die Kinder zusammen mit ihren Familien zum Picknicken hinaus auf den Segelflugplatz. Brigitte McGuire faltete mit den Mädchen und Buben kleine Schiffchen aus Papier. Darauf schrieben die Kinder Grüße an die Verstorbenen. "Wir haben die Schiffchen in den Ammerbach gesetzt. Das war ein schönes Zeichen für den Abschied."

Die Kinder wollen sich unterdessen weiter treffen. Obwohl das offizielle Programm beendet ist, kommt die Gruppe nach wie vor einmal pro Woche zusammen. (Angemerkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.