Klinikums-Chef gibt der Abgeordneten Lanzinger Forderungen mit nach Berlin
Das neue Gesetz zerpflückt

Über die Probleme der Krankenhäuser sprachen (von links) Hubert Graf, Kerstin Wittmann, Manfred Wendl, Prof. Dr. Anton Scharl, Barbara Lanzinger, Dr. Harald Hollnberger und Reinhard Birner. Bild: hfz
Die Kliniken sind in Aufruhr. Bundesweit gehen Ärzte und Pflegekräfte auf die Straße, um gegen das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) zu protestieren. Auch in Amberg. "Wir sind für eine Reformierung des Gesundheitswesens, aber das neue Gesetz geht in die falsche Richtung. Wird dieses Gesetz unverändert beschlossen, wird die sehr gute stationäre Versorgung in Deutschland nachhaltig geschwächt und kann flächendeckend nicht mehr aufrechterhalten werden", wird Klinikums-Vorstand Manfred Wendl in einer Pressemitteilung zitiert.

Mehr Arbeit, weniger Leute

Im Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Barbara Lanzinger (CSU) erörterten er, Mitglieder der Leitungskonferenz und Personalratsvorsitzender Reinhard Birner, welche konkreten Folgen das neue Gesetz für Amberg und das Krankenhauswesen in Deutschland haben könnte. Um die Versorgung der Patienten weiterhin auf dem sehr hohen Niveau halten zu können, müssten die Rahmenbedingungen stimmen, betonte Wendl. Dies sei aber schwierig, wenn immer weniger Mitarbeiter immer mehr Arbeit zu bewältigen hätten. "Da bringt auch ein Pflegeförderprogramm wenig, wenn am Ende kein Geld da ist, um das bereits vorhandene Personal in vollem Umfang zu finanzieren." Allein durch den im Gesetz vorgesehenen Wegfall des Versorgungs-Zuschlags würden dem Klinikum Einnahmen von rund 700 000 Euro pro Jahr fehlen. Dies werde nicht im Ansatz durch das Pflegeförderprogramm kompensiert.

Handlungsbedarf sieht die Klinikums-Leitung insbesondere auch in der Notfallversorgung. "Pro ambulantem Notfallpatient liegen die Erlöse rund 89 Euro unter den tatsächlichen Kosten. Für das Klinikum bedeutet das, dass wir in diesem Bereich eine Unterdeckung von 984 000 Euro zu verzeichnen haben. Die Halbierung des Investitionskostenabschlags bringt im Gegenzug aber gerade einmal 24 000 Euro auf der Haben-Seite", erläuterte der Kaufmännische Direktor von St. Marien, Hubert Graf.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Versorgung von Frühgeborenen in sogenannten Perinatalzentren. "Es sind zwar im Gesetzentwurf Regelungen zur Verbesserung der Finanzierung vorgesehen", berichtete der Klinikumsvorstand. Diese seien jedoch nicht ausreichend, um die langfristige Finanzierung und die Aufrechterhaltung der Perinatalzentren sicherzustellen.

Die Folge: Lange Wege

Der Leiter des Perinatalzentrums in Amberg, Prof. Dr. Anton Scharl, betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Einrichtung für die Stadt und den Landkreis. Müsste aufgrund gesetzlicher Vorgaben die Frühgeborenen-Versorgung eingestellt werden, hätte dies für werdende Eltern bei Komplikationen während der Schwangerschaft lange Wege zur Folge.

"In der laufenden Diskussion um den Gesetzentwurf, auch mit anderen Abgeordneten, habe ich vielfach die Sorge um den Erhalt unserer hervorragenden Krankenhausversorgung wahrgenommen", stellte Barbara Lanzinger heraus. Sie wolle, dass die Schwerpunkt-Versorgung in der Region nicht durch gesetzgeberische Maßnahmen geschwächt wird.
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