Klobürsten statt Sticks

Staffeleien, Einkaufswagen, leere Blechdosen, all die Gegenstände, die im alltäglichen Leben nicht selten für viel Lärm sorgen, wandelte die Triologie in Musikinstrumente um.

Der Freitagabend war im JuZ ein Abend der Kontraste. Zunächst trat Julia Christl, eine Sängerin aus Amberg, auf. Sie überzeugte die Zuhörer durch ihre melodischen Lieder und ihre starke Stimme. Julia schreibt alle ihre Lieder selbst, seit sie 15 Jahre alt ist. Bei den ersten Songs begleitete sie sich selbst noch mit der Gitarre; später stieg sie aber auf Klavier um. Die allerersten Lieder singt sie heute nicht mehr: "Man merkt schon auch selbst, wie man gewachsen ist, und das passt dann nicht mehr so."

Bei dem Konzert feierte Julia Christl eine kleine Premiere: Sie präsentierte dem Publikum ihr erstes deutschsprachiges Lied "Gedanken". Julia Christl gab zu, dass sie es "wahnsinnig schwierig" findet, auf Deutsch zu schreiben: "Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich so anspruchsvoll bin." Viele, die auf Deutsch schreiben und singen, würden es nur "halbperfekt" machen. Das kommt für Julia überhaupt nicht in Frage. Wohl auch deshalb saß sie an dem Song ein halbes Jahr, um ihn zur Perfektion zu bringen.

Im Anschluss kam die Triologie auf die Bühne. Schon beim Aufbau merkten die Anwesenden, dass sie jetzt wohl ein Konzert der besonderen Art erwartet. Das Trio enttäuschte nicht; es interpretierte viele große Hits auf seine Weise neu. Die Musiker präsentierten aber auch eigene Kompositionen. Die Triologie besteht aus Uli Wießnet (Schlagzeug, Percussion, e4pp black edition), Andi Stöcker (Kontrabass, E-Bass) und Gerald Ludwig (Marimba- und Vibraphone, e4pp black edition). "Eigentlich besteht unser Trio aus fünf Leuten, weil unsere Technikmanager den ganzen Abend auch unglaubliche Arbeit leisten", erzählte Gerald Ludwig.

Unter dem geheimnisvollen Namen "e4pp black edition" versteckte sich der inzwischen berüchtigte Einkaufswagen, der aber kein gewöhnlicher ist. Um ihn zu einem Musikinstrument zu machen, erweiterten die Musiker das Grundmodell um sämtliche Blechdosen, Eimer und Kanister. Wie man darauf kommt, dass man damit auch Musik machen kann? "Nachts. Mitten in der Nacht wacht man auf und hat eine Idee. Und dann probieren wir ganz lange aus, was besser funktioniert, was überhaupt nicht geht", gab Gerald Ludwig einen Einblick in die Entstehung ihrer Werke.

Alle Arrangements für ihre Band schreiben die Musiker selbst: "Da ist nichts dem Zufall überlassen. Es ist alles genau abgestimmt." Die Proben dauern neun bis elf Stunden und das Ergebnis sahen die Anwesenden: Die Bandmitglieder agierten wie ein Ganzes und lieferten außer einem ausgezeichneten Sound auch eine erstklassige, professionelle Show. Sie setzten ihre außergewöhnlichen Instrumente gekonnt in Szene, machten es aber mit gehöriger Portion Humor und Selbstironie.

"Unser Programm ist am Ende, so wie wir auch", verkündete Gerald Ludwig vor dem letzten Stück; nach zwei Stunden Vollgas-Power dürfte es auch niemanden wundern. Die Zuschauer bedankten sich bei den Musikern mit einem langanhaltenden Applaus und forderten das Trio zu einer Zugabe auf.
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