Kluft zwischen Arm und Reich

Respekt und Anerkennung zollten Festrednerin Irene Salberg (sitzend links), Ortsvorsitzender Peter Seidel (stehend Zweiter von rechts) und Verdi-Gewerkschaftssekretär Georg Luber (stehend Zweiter von links), als sie zahlreiche Mitglieder für 25- und 40-jährige Zugehörigkeit zur Gewerkschaftsbewegung auszeichneten. Ihnen gratulierte auch SPD-Stadtverbandsvorsitzende Hannelore Zapf (hinten links). Bilder: sön

"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren": Bei der Ehrung langjähriger Verdi-Mitglieder zitierte Gewerkschaftssekretärin Irene Salberg Bertolt Brecht.

(sön) In der Alten Kaserne betonte sie: "Ihr habt durch Solidarität und gewerkschaftliche Kraft Erfolge erzielen können, dafür danken wir euch. Nichts wurde Arbeitnehmern von Unternehmern oder Politik geschenkt. Alles musste erkämpft, ja erstreikt werden."

In ihrem Rückblick auf die Jahre, in denen die Jubilare der Gewerkschaft beitraten, hielt Salberg fest, dass nur eine starke Gewerkschaftsbewegung Demokratie und Wohlstand garantiere. "Wir kämpften gegen Atomwaffen auf unserem Boden, viele von uns gegen die WAA in Wackersdorf und immer wieder für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen," erinnerte sie. Ob sechswöchige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Acht-Stunden-Tag, sechs Wochen Urlaub, Weihnachtsgeld, Lohn- und Gehaltserhöhungen, vermögenswirksame Leistungen - "alles musste erkämpft, oftmals erstreikt werden".

Kritik an Deutschland

Wie aber, fuhr Salberg fort, stelle sich nun das reiche Deutschland dar? Es sei eine Schande, wie Pflegekräfte bezahlt, ja "ausgezuzelt" würden. Leistungsverdichtung und Arbeitshetze herrsche in den Betrieben, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Hartz IV gehe um. Sie kritisierte: "Wir sind sowohl die Nummer eins in Europa beim Zuwachs von prekärer Arbeit als auch beim Zuwachs der Zahl von Millionären." Der Unterschied zwischen Arm und Reich in Deutschland sei alarmierend, 1,6 Millionen Kinder unter 16 Jahren seien von Armut betroffen.

Ortsvorsitzender Peter Seidel hatte in seinen einführenden Worten aufgefordert, "die Flüchtlinge, von denen 80 Prozent unter 35 Jahre alt sind, als Chance zu betrachten. Denn bei unserer alternden Gesellschaft werden Arbeitskräfte bald Mangelware sein." Irene Salberg merkte dazu an: "Diejenigen, welche gegen den Zuzug der Flüchtlinge lautstark protestieren, sollen einige Wochen in diesen Ländern leben."

Mit Urkunde, Ehrennadel und Präsent ehrten Salberg, Seidel und Gewerkschaftssekretär Georg Luber für 60 Jahre Mitgliedschaft Franz Kamm. Marold Meyer, Michael Söllner und Hans-Dieter Stretz.

50 Jahre dabei sind Andreas Blödt, Richard Fruth, Alfred Kürzinger, Reinhold Kummer, Gerhard Matzke, Johanna Übler und Reinhard Walter, 40 Jahre Franz Baldauf, Helmut Feuchtwurzer, Berta Kraus, Emil Leitl, Erich Lobenhofer, Franz Pfab, Gabriele Rösl, Anton Stromm, Manfred Weiß und Dieter Woldert.

Seit 25 Jahren gehören Gerald Dagner, Emma Demelt, Robert Gradl, Marion Königer, Richard Peter, Mandy Römer, Sigrid Scheler und Stephan Schmidt der Gewerkschaft an. Verhinderten Jubilaren, so Ortsvorsitzender Seidel, werden Urkunde und Ehrennadel nachgereicht.
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