Kochen, Handarbeiten, Staatsbürgerkunde: Die Geschichte der Hauswirtschaftsschule

Das erste Mal im Jahresbericht von 1914/1915 wurde der "Haushaltungskurs" erwähnt. Ab 1929/30 bekam die Hauswirtschaftsschule in der Steinhofgasse eine feste Bleibe. Unter einfachsten Bedingungen wurde dort unterrichtet. Die Kurse bezweckten, "die Mädchen in der Zubereitung von Speisen aus Erzeugnissen der eigenen Wirtschaft zu unterweisen". Der bereits damals erforderliche Neubau lag bis 1952 auf Eis. Aus der Stundentafel des Jahres 1950 ist zu ersehen, dass die Gewichtung von Kochen und Handarbeiten zugunsten von Staatsbürgerkunde, Schriftverkehr und Familienpflege verschoben wurde.

Der Charakter einer vorwiegend auf die hausfraulichen Domäne, Kochen, Nähen, Hausarbeit ausgerichteten Schule blieb erhalten. Ab dem Schulwinter 1935/54 erfolgte der Unterricht im neu erbauten Gebäude an der Fleurystraße, nun auch mit Internatsbetrieb. Der vielgebrauchte Begriff "Winterschule" wurde zu dieser Zeit geprägt. Mit der Stundenplanreform von 1965 wurde der erfolgreiche Versuch unternommen, den Schülerinnen der Abteilung Hauswirtschaft auch den Einstieg in außerlandwirtschaftliche Dienstleistungsberufe wie Hauswirtschafts- und Küchenleiterinnen und auch als Lehrkräfte an Berufsschulen zu ermöglichen.

Mit einer dreisemestrigen Unterrichtsform ab 1975/76 konnte die Palette der beruflichen Möglichkeiten erweitert werden. Dieser Studiengang brachte den Absolventen die Berufsbezeichnung "Staatlich geprüfte landwirtschaftliche Hauswirtschafterin". Seit 1987 wird bis heute im umgebauten Schulgebäude der "Weißen Väter" in der Hockermühlstraße 53 unterrichtet. Das Internat wurde nach zehn Jahren aufgelöst. War von 1975/76 bis 1995 der Unterricht in dreisemestriger Form angeboten worden, änderte sich das schulische Angebot 1993/94 wieder zum einsemestrigen Studiengang hin, der bis heute in Teilzeitform angeboten wird.

Als Zugangsvoraussetzung gilt eine abgeschlossene Berufsausbildung außerhalb der Hauswirtschaft. Wer den einsemestrigen Studiengang besucht, lernt von Grund auf, einen Haushalt fachkundig zu führen - eine wichtige Voraussetzung für die Tätigkeit als Bäuerin oder für ein Einkommen aus Hauswirtschaft.

Die heutigen Bildungsziele setzen die Schwerpunkte nach wie vor auf die Vermittlung praktischer Fertigkeiten und breiten Fachwissens in den Bereichen Hauswirtschaft, Familien- und Haushaltsmanagement. Sie lenken den Blick auch auf die Stärkung von Persönlichkeit und Auftreten, die Förderung unternehmerischen Denkens und Handelns. Auch die berufs- und arbeitspädagogische Eignung zum Ausbilden und Anleiten von Personen wird vermittelt. Die 660 Unterrichtsstunden verteilen sich auf einen Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren.

In den vergangenen Jahren wurden hauswirtschaftsnahe Einkommenskombinationen wie Urlaub auf dem Bauernhof, Direktvermarktung und Hofgastronomie, Dienstleistungen und erlebnisorientierte Angebote zunehmend betont. Bemerkenswert ist, dass über Jahrzehnte hinweg aus Familien oftmals Großeltern, Eltern und Kinder die Schule besucht haben. (roa)
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