Kommissarin liest Kommissarin

Als Tatort-Kommissarin Charlotte Sänger ist sie bundesweit bekannt geworden. Doch Andrea Sawatzki ist seit rund drei Jahren auch als Schriftstellerin aktiv. Sie schreibt, wie könnte es anders sein, Krimis. Die Kommissarin in ihrem neuesten Fall im Buch sei ihr gar nicht so unähnlich, sagte Sawatzki bei ihrer proppenvollen Lesung in der Buchhandlung Ruprecht. Bild: kge

"Wenn ich jetzt alles lese, kaufen Sie das Buch ja nicht. Ich werde Sie nur ein bisschen anteasern." Offen und charmant ging Andrea Sawatzki in Amberg mit ihrer noch nicht so geläufigen Rolle um. Viele kennen die Schauspielerin als Tatort-Kommissarin, nur wenige wissen, dass sie seit drei Jahren als Autorin arbeitet.

Doch in der Filiale der Buchhandlung Rupprecht in der Georgenstraße hätten am Freitagabend sicher noch mehr interessierte Zuhörer bei ihrer Lesung dabei sein wollen, wäre mehr Platz gewesen. "Ein Opernglas wäre jetzt nicht schlecht", seufzte eine Besucherin in den hinteren Reihen. Knapp 300 Gäste waren in das obere Stockwerk gekommen und wollten diesen Auftritt der Schauspielerin und Schriftstellerin nicht verpassen.

Mit ihrem neuesten Werk, dem Psychothriller "Der Blick fremder Augen" schaute Andrea Sawatzki in die Abgründe menschlicher Seelen. Was sie erzählte und aus dem Buch vorlas, konnte einem schon unter die Haut gehen, Gänsehaut verursachen.

Dennoch blieb nie, wie in ihren vorangegangenen Romanen, der Humor auf der Strecke. "Wer will schon eine Frau um die 50? Das lohnt nicht. Die steht schon mit einem Bein im Grab", beschrieb sie die Hauptfigur und Kommissarin Melanie Fallersleben. Und auf das entrüstete Auflachen des Publikums antwortete die Schriftstellerin unwiderstehlich frech und ebenso nett grinsend: "Ich darf das. Ich bin schon 52."

Auf die Frage, wie sie auf ihre Handlungen und Personen komme, gab sie ganz offen Antworten: "Alle Figuren haben etwas von mir. Ich erschaffe sie und lasse sie aufeinander los - und bin selbst überrascht, was dann passiert." Am Anfang eines Buches wisse sie selbst noch nicht, wie es enden soll. Die Schauspielerei habe sie dabei gelehrt, sich in Figuren hineinzuversetzen und das sei nun beim Schreiben nicht anders. Sawatzki empfinde das auch gar nicht als ein einsames Schaffen: "Denn die Personen sind ja stets um mich herum. Ich freue mich, wenn alle im Kreis um mich stehen."

Sie erklärte ihre Leichtigkeit, Gestalten vor ihrem inneren Auge entstehen zu lassen, mit ihrer Besonderheit - der Synästhesie. Einer Gabe, die im Gehirn automatisch eine Verknüpfung zweier Sinneseindrücke bewirkt. Zum Beispiel das Sehen von Buchstaben, Wörtern oder Zahlen in bestimmten Farben.

Zum Abschluss vertraute Andrea Sawatzki ihrem Publikum schmunzelnd an, dass sie auch ihr neuestes Werk gerne verfilmt sähe. Schließlich könne sie gut die Rolle der Kommissarin übernehmen, da diese ihr doch irgendwie ähnlich sei.
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