Konflikt lösen statt ewig streiten

Sich voneinander abwenden, übereinander statt miteinander reden, führt in Konfliktfällen zu keiner Lösung. Mediation will vermitteln. Bild: Steinbacher

Streiten gehört zum Leben. Doch vom Grundbedürfnis her ist der Mensch eher auf Harmonie gepolt. Konflikte belasten ihn und fordern früher oder später eine Lösung. Ein Weg dahin ist die Mediation - eine Alternative zu juristischen Auseinandersetzungen, die in der Regel viel Zeit, Geld und Nerven kosten.

Dennoch ist diese relativ neue Form der Streitschlichtung in weiten Teilen der Öffentlichkeit ziemlich unbekannt. Zumindest auf unsere Region trifft das zu, bestätigt Monika Hebeisen, die nach entsprechendem Studium an der Hochschule Wismar seit 2009 vornehmlich als Wirtschaftsmediatorin arbeitet. Ihre 2013 gegründete Firma mit Standorten in Mimbach und Regensburg bezieht Aufträge überwiegend aus Großstädten wie Stuttgart, München und Frankfurt, wo sich diese Form der Konfliktlösung gerade in Wirtschaftsunternehmen schon stärker etabliert hat.

Hier "noch Pionierarbeit"

Im hiesigen Raum leistet Monika Hebeisen "noch Pionierarbeit", wie sie sagt, obwohl es neben ihr vor allem einige Rechtsanwälte gibt, die dieses Thema mit betreuen. Doch in der Regel kommt es eher ohne Volljuristen aus. Zumindest ist das laut Hebeisen das Ziel jeder Mediation. Sie möchte gerichtliche Auseinandersetzungen vermeiden, strebt den Dialog der Konfliktparteien an und setzt auf eine gemeinsam erarbeitete Lösung, mit der beide Seiten leben können. Dabei ist der Mediator, der in der Mitte steht - daher der Name - behilflich. Er ist Ansprechpartner für die erste Konfliktpartei, die in einem meist schon länger andauernden Streitfall nach einer Lösung sucht. Monika Hebeisen hört sich das an, nimmt die oft ebenfalls vorhandenen Emotionen heraus und bricht den Gegenstand der Auseinandersetzung auf die Sachebene herunter. Mit dieser Herangehensweise und der Rolle der neutralen Position stellt sie Kontakt zur anderen Konfliktpartei auf.

Neutrale Rolle in der Mitte

An erster Stelle steht dabei nach ihrer Schilderung das Angebot zum Gespräch - auf neutralem Boden, zum Beispiel in ihrem Büro -, "das viel Fingerspitzengefühl braucht". Natürlich sei nicht jeder nach oft monatelangem "Kampf" sofort bereit, sich mit dem anderen an einen Tisch zu setzen. Nicht selten komme es zu "Blockaden", die aber neben hartnäckigem nicht Lockerlassen und kleinen psychologischen Tricks vor allem durch eines aufgelöst werden können: "Viele Menschen sind Egoisten. Man muss ihnen nur ihre eigenen Vorteile bei der Problemlösung aufzeigen", sagt Wilhelm Daller, der Hebeisen mit einer Gruppe weiterer freier Mitarbeiter unterstützt.

Die Firmenchefin spricht von einer Win-win-Situation, die hergestellt und vermittelt werden muss. Dabei mache die Mediation beiden Seiten klar, "dass es nicht auf rechtliche Positionen ankommt, sondern auf den Willen, eine Lösung zu finden". "Viele suchen händeringend nach einem Ausweg und wären froh, wenn sie ein Tool (Werkzeug) dazu finden", verdeutlicht die Ambergerin und ergänzt: "Dabei tun wir nichts anderes, als das, was Menschen schon immer gemacht haben: reden, reden, reden. Aber das ist vielen verloren gegangen." Die Mediatoren bahnen mit ihren Methoden einen strukturierten Weg (zurück) zu dieser Fähigkeit.

"Die Mediation regt ein Gleichgewicht zwischen den Parteien an, sie hebt das vorher bestehende Machtungleichgewicht auf (dass sich jeder dem anderen gegenüber im Recht fühlt) und bietet so die Möglichkeit, auf sachlicher Ebene Gespräche zu führen", umreißt die 51-Jährige noch einmal den psychologischen Hintergrund.

Dieses Vorgehen verlange von den Mediatoren selbst einiges Feingefühl und die Fähigkeit, nichts von dem, was den Gesprächspartnern wichtig ist, zu übersehen und sie nicht zu "überrollen". Doch "das sind Prinzipien, die man lernen kann", sagt Hebeisen, schränkt aber ein, dass nicht jeder für diesen Job geeignet ist. Mediatoren müssen zum Beispiel erkennen können, worum es neben den sachlichen Dingen bei einem Konflikt auch gehen kann. "Oftmals dreht es sich nur um eine Entschuldigung." Letzteres sei zwar nicht immer Bedingung für eine Lösung, erleichtere sie aber gegebenenfalls.

Vergleich oft in Schriftform

Generell arbeiten die Mediatoren auf einen Ausgleich hin. In den Wirtschaftsdingen, die Monika Hebeisen betreut, ist der meist monetärer Art (zum Beispiel in Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder auch Unstimmigkeiten bei Bauleistungen zwischen Auftraggeber und ausführender Firma werden so bereinigt). Am Ende steht ein Vergleich samt schriftlichem Protokoll über das Vereinbarte. Seltener sind mündliche Absprachen, die aber laut Hebeisen ebenso bindene Wirkung hätten. (Angemerkt/Hintergrund)
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