Konzert von Werner Schmidbauerund Martin Kälberer - mit Herz und Seele bei der Sache
Ein Abend unter Freunden

Das Publikum im ACC hat’s gehört – alle anderen können es hier auch deutlich sehen: Martin Kälberer (links) und Werner Schmidbauer sind mit Herz und Seele bei der Sache. Bild: Wolfgang Steinbacher

An einem Abend "so wia heit", was macht man da? "Da lod i mia Freind ei - und dann mach ma Musik." Genau so, wie's Werner Schmidbauer singt, war's. Freunde, die sie einladen können, haben er und Martin Kälberer viele in Amberg. Die waren dann auch zuverlässig zur Stelle. Dabei hätte es diesmal beinahe nicht geklappt mit dem Konzert.

Aber das erfuhren die Zuhörer am Sonntagabend im ACC erst am Schluss, als Werner Schmidbauer sich "vorzeitig" verabschiedete: Diesmal könne er den sonst nach den Auftritten üblichen Plausch mit den Fans nicht halten, bedauerte er - seine Schulter, bei einem Radl-Sturz vor drei Wochen gebrochen, ließ ihn von allzu viel Tuchfühlung jenseits der Bühne Abstand nehmen. Er hatte sogar schon daran gedacht, den Auftritt abzusagen. Das wäre verständlich gewesen. Aber auch jammerschade.

Kein freier Stuhl

Glücklicherweise ließ sich Schmidbauer von seiner Blessur dann doch nicht bremsen. Im Gegenteil. Die Zuhörer hätten gar nichts davon mitbekommen, wenn er's nicht erzählt hätte - am Ende einer zweistündigen Reise um den Globus, von Verona über Istanbul nach Südafrika und zurück ins ACC. Dort waren Schmidbauer und Kälberer, bislang Stammgäste im Klärwerk, zum ersten Mal: Platz für noch mehr Freunde - und trotzdem kein freier Stuhl. Dennoch lauscht man fast ein bisschen wehmütig, wenn Schmidbauer vom zurückliegenden Freiluft-Auftritt in der Arena von Verona schwärmt - vor 10 000 begeisterten Fans.

So viele waren's in Amberg dann doch nicht und die laue italienische Nacht fehlte dem Oberpfälzer November auch. Aber sonst war alles dabei, was einen Momentensammler glücklich macht. Klar, dass auch das gleichnamige Lied im Programm war. Und dass die Freunde im Saal sich nicht zweimal bitten ließen, als es ums Mitsingen ging. Dafür hätte es die grausamen Scheinwerfer-Attacken aufs eigentlich gemütlich im Dunklen sitzende Publikum nicht gebraucht. Schmidbauer-und-Kälberer-Fans sind schließlich textsicher und sangesfreudig. Und zwar nicht nur, weil ihnen die boarischen Zeilen geliebter Lieder leicht über die Lippen gehen. Sondern auch, weil die beiden Jungs auf der Bühne das echte Leben in Wort und Musik kleiden.

Immer mitten ins Herz

Das ist mal fröhlich-mitreißend, mal emotional-ergreifend - und geht dabei immer sofort mitten ins Herz. Vor allem dann, wenn diese genial-wunderbaren Melodien, die eigentlich einfach nur schön anzuhören sind, traurige Geschichten erzählen. Die von den Flüchtlingen aus Afrika zum Beispiel, die auf dem gefährlichen Weg übers Meer nach Europa ihr Leben riskieren. Hört sich nach schwerer Kost an. Ist es auch, klingt aber nicht so. Und lässt trotzdem tief drinnen eine Saite mitschwingen, die noch lange nachtönt, wenn das Konzert längst vorbei ist.

Das ist ziemlich genial. Wird es aber um so mehr, als da zwei großartige Musiker auf der Bühne stehen. Die sich in 20 gemeinsamen Jahren perfekt aufeinander eingespielt haben. Und von denen doch jeder sein eigenes Profil hat: Kälberer, der offenbar mit jedem Instrumente zaubern kann (auch wenn der Laie manches davon nicht einmal benennen kann), und Schmidbauer, der begnadete Erzähler - egal, ob in den Texten, die er für die Lieder schreibt, oder in den Geschichten, die er zu deren Entstehung zum Besten gibt.

Wo bleibt die Musik?

Es macht einfach Spaß, dabei zuzuhören. Etwa dabei, dass Schmidbauer die Reise nach Istanbul eigentlich gemacht hat, um nach einer langen Tournee mal nichts mehr mit Musik zu tun zu haben. Von wegen. Ergebnis dieser Reise war die neue CD. Natürlich mit einem Istanbul-Lied - schließlich begegnet einem die Musik in der Bosporus-Metropole an allen Straßenecken. Was man von München nicht sagen kann. Aber das ist Schmidbauer erst nach der Türkei-Reise richtig aufgefallen. Und war natürlich gleich Anstoß für eine neues Lied - "Wo bleibt die Musik?", der Titelsong des aktuellen Albums. Auch Amberg hörte diese Frage am Sonntagabend. Obwohl sie sich eigentlich nicht stellte. Die Musik war da. Von der Bühne aus direkt in die Herzen der Zuhörer hineingespielt. Wenn die nicht schon vorher alle Freunde von Schmidbauer und Kälberer waren, sind sie es jetzt. Ganz sicher.
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