Kopieren als eine Lebensweise

Anschaulich haben die Studenten die Schautafeln für die Besucher gestaltet. Bild: schk

Früher war es nicht leicht, an Bücher ranzukommen. Sie waren nicht gedruckt, sondern handgeschrieben. Eines zu lesen, war dem Adel und Klerus vorbehalten. Heute hingegen gehören Bücher zum Alltag.

In der staatlichen Provinzialbibliothek wird derzeit unter dem Titel "Nun, Schreiber, schärfte deine Feder" gezeigt. Dabei geht es in erster Linie um die mittelalterliche Schriftkultur sowie die Buchproduktion in den Oberpfälzern Zisterzienserklöstern bis zu deren Aufhebung im 16. Jahrhundert.

Konzipiert als Übung

Als Übung für Studenten am Institut für Geschichte der Uni Regensburg haben die Lehrstuhl-Assistenten und Doktoranden, Christian Malzer und Jírí Petrásek, die Ausstellung konzipiert, die Gestaltung hatte Franz Meier übernommen. Sieglinde Kurz verwies darauf, dass gerade die von ihr geleitete Provinzialbibliothek wertvolle Handschriften in ihren Beständen habe. Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl freute sich, dass dieser wichtige Bereich der Oberpfälzer Geschichte auch in diesem Bereich wissenschaftlich aufgearbeitet werde.

Über weite Etappen der Geschichte waren Buch und Schrift Elitenphänomene und Teil einer Expertenkultur, die seit der Spätantike vor allem durch das lateinische Mönchtum getragen wurde. Die mittelalterlichen Ordensleute hätten das Kopieren von Büchern als wichtige Aufgabe ihrer Lebensweise betrachtet. Daher liege der Ursprung berühmter Schreibstuben des Mittelalters zunächst in Benediktiner-Klöstern. Für die Mönche war das Medium der Schrift ein wesentliches Bindeglied für die rapide über ganz Europa verstreute Verbreitung des Ordens, darunter auch wertvolle Einzelstücke wie etwa das Amberger Malerbüchlein.

Gerade durch dieses waren Malzer und die Studenten in seiner Übung auf die mittelalterlichen Farbrezepte und dadurch nach Amberg. In Schautafeln wurden diese Anweisungen umgesetzt und dargestellt. Zu sehen sind auch Handschriften, wie sie für Zisterzienser üblich sind. Malzer erklärte, dass jedes neue Kloster mit bestimmten liturgischen Texten und Büchern ausgestattet werden musste. Die Ausstellung soll einen Einblick geben in die Arbeitsabläufe sowie die Schriftzeugnisse aus den vier Zisterzienserklöstern der Oberpfalz (Waldsassen, Walderbach, Pielenhofen, Seligenporten).

"Es trübt die Augen"

Ausgehend von einer Sammlung von mittelalterlichen Farbrezepten aus einer in der Provinzialbibliothek verwahrten Waldsassener Handschrift des 15. Jahrhunderts werden anschauliche Beispiele der Schriftkultur der Zisterzienser in der Oberpfalz aufgezeigt. Von einem Schreiber aus dem achten Jahrhundert ist ein Zitat erhalten, dass die Arbeit hart, aber dennoch gottgefällig sei: "Es trübt die Augen, quetscht die Nieren und bringt zugleich allen Gliedern Qual, drei Finger Schreiben der ganze Körper leidet."

Die Ausstellung in der Provinzialbibliothek läuft noch bis Donnerstag, 23. Juli, und ist montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Bei der Vernissage gab es auch eine zeitgemäße Musik. Für diese Klänge waren Dr. Markus Lommer und Dr. Michaela Beha zuständig.
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