Kostendruck spielt immer mit

Mit seiner Frau Marion verkauft Elmar Renner Lose auf der Dult. Der Grafenwöhrer muss bei jedem Volksfest aufs Neue knallhart kalkulieren. Um sich auf dem Markt behaupten zu können, müssen die Gewinne zahlreich und günstig in der Anschaffung sein. Aber vor allem eines - bei Kindern sehr beliebt. Bilder: Hartl (2)

Wer beim Lotto einen Sechser mit Superzahl landen will, hat eine Chance von 1:140 Millionen. Da ist die Wahrscheinlichkeit, bei der Losbude auf der Dult den weißen Tiger zu ergattern, schon größer.

Amberg. (tk) "Vielleicht 1:300", sagt Gerhard Donhauser, Chef des Schaustellerverbandes Amberg-Weiden. Elmar Renner, der die Gewinne und Nieten unters Volk bringt, hat nicht genau nachgerechnet, denn während der zehn Dulttage in Amberg schwirren ihm ganz andere Zahlen durch den Kopf. Diese zum Beispiel: Bei 100 Euro, die er für Lose einnimmt, gibt er statistisch Spielzeug im Wert von 45 bis 50 Euro an die Gäste weiter. Wer glaubt, dass die Hälfte aller Einnahmen automatisch Gewinn sind, täusche sich enorm, sagt der Grafenwöhrer und erklärt exemplarisch, welche Ausgaben sich summieren, bevor das erste Los überhaupt verkauft ist: Strom, Platzgebühr, Wasser, Müllabfuhr, jährliche TÜV-Gebühren für den Laster, Versicherungen, Gema und Berufsgenossenschaft sorgen dafür, dass die Schausteller im Prinzip zehn Tage Sonnenschein brauchen, um gut leben zu können: "Da ist man schon sehr wetterabhängig."

Monatsende relativ ruhig

Ein Beispiel: Mit der verregneten und kalten Pfingstdult 2013 hätten die Einnahmen gerade so die Ausgaben gedeckt: "Wer Glück hatte, ist noch mit einem blauen Auge davongekommen." Zwar sei heuer das Wetter bisher in Ordnung, doch ein Blick auf den Kalender lässt Renner schon wieder rechnen: "Letztes Jahr haben wir in der ersten Juni-Woche angefangen. Diesmal ist der letzte Tag der 31. Mai." Mit anderen Worten: Im Vorjahr hatten die Leute laut Renner zum Start noch mehr Geld in der Tasche als jetzt zum Monatsende: "Das merkt man schon deutlich. Das sind alles Sachen, die mit reinspielen."

Apropos spielen: Wer als Losverkäufer attraktive Preise anbieten will, muss wissen, was Kinder wollen. Dann gebe es höhere Chancen, dass die Eltern auch stehenbleiben und Lose kaufen. Renner ist deswegen jedes Jahr bei Fachmessen und geht davon aus, dass im Juli, wenn der Film "Die Minions" ins Kino kommt, die Mädchen und Buben ganz scharf auf die kleinen gelben Trickfiguren sein werden: "Da muss ich dann die neuesten Modelle haben."

Bis zu 3000 Euro für Strom

Um als Schausteller überleben zu können, muss auch Michael Drliczek mit der Zeit gehen. Der Forchheimer Betreiber des Riesenrads ist ein Energiespar-Fuchs. Er hat den Antrieb umgestellt, etwa 3800 der 4000 Lampen auf LED umgerüstet und dafür einen fünfstelligen Betrag ausgegeben: "Das rechnet sich auf jeden Fall." Die zehn Tage Dult werden ihm 800 bis 900 Euro Stromkosten bescheren. Das sei relativ wenig. Kollegen von den großen Fahrgeschäften, die herkömmlich beleuchten, seien gut und gerne mit 2000 bis 3000 Euro dabei. (Angemerkt/Blickpunkt)
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