Kraftakt im Klassenzimmer

Ehab (links) und Ahmed sind zwei von rund 430 Kindern mit Migrationshintergrund, die in Stadt und Landkreis eine Grund- oder Mittelschule besuchen. Derzeit gibt es sieben Übergangsklassen, eine achte ist in Planung. Bild: upl

Endlich wieder Schule! Ehab (10) und Ahmed (13) freuen sich auf Dienstag. Ihre Federmäppchen und Hefte haben die Brüder schon hergerichtet. Seit noch nicht einmal zwei Jahren sind die beiden in Deutschland - und schon richtig gut integriert.

"Noch fünf Tage, dann geht's wieder los", sagt Ehab in bestem Deutsch. Der Zehnjährige, der mit seinen Eltern vor drei Jahren aus Syrien geflohen ist, besucht ab Dienstag die 4. Klasse der Dreifaltigkeitsschule. "Ich habe viel gelernt im vergangenen Jahr." Natürlich freue er sich auf die Schule, nur vor den Proben habe er jetzt schon Bammel, erzählt der Bub und klingt dabei wie jeder andere Schüler. Ehab und sein Bruder sind Musterbeispiele für die Integration von Flüchtlingskindern an der Schule.

Sieben Übergangsklassen

Kurz vor dem Start des neuen Schuljahres haben Schulamt und Rektoren alle Hände voll zu tun, den Ansturm von Asylsuchenden zu bewältigen. Rund 430 Kinder mit Migrationshintergrund müssen untergebracht werden. "Grundsätzlich sind die Mädchen und Buben aus Flüchtlingsfamilien in den ersten drei Monaten nach ihrer Ankunft nicht schulpflichtig", erklärt der Leiter der Barbaraschule, Berthold Göttgens. Die Kinder, die mit ihren Eltern Anfang August die Turnhalle seiner Schule bezogen haben, nehmen also erst ab 1. November am Unterricht teil. "Wir wissen aber gar nicht, ob die dann zu uns kommen", sagt Göttgens. "Möglicherweise werden sie bis dahin ja wieder woanders untergebracht." Zuständig sei immer die Schule, in deren Sprengel die Flüchtlingsunterkunft liegt.

Sollten bis November wie geplant die Wohnungen in der ehemaligen landwirtschaftlichen Berufsschule in der Adalbert-Stifter-Straße fertig werden, wäre für deren Bewohner die Albert-Schweitzer-Schule erste Anlaufstelle. Die Sprengelschule entscheidet dann in Absprache mit den Schulbehörden, ob ein Flüchtlingskind in einer Regelklasse untergebracht werden kann oder es an eine Übergangsklasse verwiesen wird. An der Barbaraschule gibt es bereits eine solche Klasse speziell für Kinder mit Migrationshintergrund - egal, ob das Kind aus einer Flüchtlings- oder EU-Familie stammt. "Bei uns ist das schon gang und gäbe", berichtet Göttgens. Die aktuelle Übergangsklasse besteht aus 18 Mädchen und Buben. Insgesamt stehen in der Stadt derzeit zwei Übergangsklassen zur Verfügung (Barbara- und Luitpoldschule). Eine dritte wird gerade an der Dreifaltigkeitsschule zusammengestellt. Im Landkreis gibt es fünf (zwei in Hahnbach, je eine in Vilseck, Sulzbach-Rosenberg und Auerbach). "Auf dem Land haben Schulen gute Erfahrungen damit gemacht, die Kinder von Asylsuchenden in Regelklassen aufzunehmen", weiß Göttgens. Stellvertretender Schulamtsdirektor Heinrich Koch kann das bestätigen. Erstklässler würden grundsätzlich nicht an Übergangsklassen verwiesen, sondern sollen den Unterricht mit gleichaltrigen deutschen Kindern beginnen. "Das klappt erstaunlich gut", sagt Koch.

Maximal zwei Jahre

Ziel sei es ohnehin, die Kinder so bald wie möglich in den Regelunterricht zu integrieren. Deswegen sei der Besuch von Übergangsklassen auf zwei Jahre begrenzt. Koch: "Ich habe den Eindruck, dass die Kinder gut aufgenommen werden, dass sie dankbar sind und etwas lernen wollen. Und die einheimischen Kinder haben die wenigsten Probleme mit der aktuellen Situation."
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