Kreisheimatpfleger Dörner relativiert Gravur auf Stolperstein - Auch Suizid möglich
Kirschbaums Schicksal unklar

Leider haben sich einige wenige Details in dieser Aktion ohne mein Wissen verselbstständigt.
Initiiert von Gregor-Mendel-Gymnasiasten, wurden im Stadtgebiet im März vor drei Jahren 15 Stolpersteine gesetzt, die an den Leidensweg Amberger Juden erinnern sollen. Nach einem Bericht in der Wochenendausgabe unserer Zeitung, in dem es um den vor das Kino versetzte und Jakob Kirschbaum gewidmeten Messing-Block ging, meldete sich nun Kreisheimatpfleger Dieter Dörner zu Wort.

In einem Schreiben an die Redaktion steht: "Ich habe auf Wunsch der Schülerinnen die Daten der 30 durch nationalsozialistische Herrschaft ums Leben gekommenen Amberger Juden geliefert. Leider haben sich einige wenige Details in dieser Aktion ohne mein Wissen verselbstständigt." Das bedeute: "Sie entsprechen, so zum Beispiel auch auf dem Stolperstein des Jakob Kirschbaum, nicht dem tatsächlichen Geschehen."

Auf dem Stolperstein steht "Deportiert 1942 - Auschwitz - Flucht in den Tod". Die Deportationen ab Amberg erfolgten laut Dörner, jeweils über Regensburg, am 2. April 1942 nach Piaski in Polen und am 22. Mai 1942 in das "Altersheim" Theresienstadt. Endziele seien letztlich jeweils die Gaskammern im Osten gewesen.

Jakob Kirschbaum sei aus nicht nachvollziehbaren Gründen "vergessen" worden. Dörner: "Er lebte nachweislich Ende August 1942 noch in Amberg, wohnte in dem dem Bauunternehmer Kammerer gehörenden Haus in der Regensburger Straße 3." Dort, wo sich heute das neue Kino befindet. Beim ersten Bombenangriff auf Nürnberg am 28. August 1942 saßen Kammerer, mein Nachbar und verbotenerweise Jakob Kirschbaum zusammen im Luftschutzkeller des vorstehenden Anwesens." Nach der Entwarnung sollen sich alle drei auf den Nabburger Torplatz begeben haben. Die in Nürnberg lodernden Feuer seien bis Amberg zu sehen gewesen. Unter den drei Männern habe sich eine Diskussion über den Sinn des Krieges entwickelt. Im Herbst 1943, ein Jahr später, haben SA-Männer Jakob Kirschbaum abgeholt, ist in dem Schreiben Dörners zu lesen.

Im Gegensatz zu den anderen umgebrachten Amberger Juden sei Kirschbaum unter Millionen Namen weder in den Memorbüchern noch bei Yad Vashem in Jerusalem zu finden. Die Vermutung liege nahe, dass Kirschbaum Suizid begangen haben könnte oder bereits vor einer vielleicht geplanten Deportation zu Tode gekommen sei. Demnach seien die Aussagen auf dem Stolperstein hinsichtlich Deportation und Auschwitz nicht belegt, die "Flucht in den Tod" wäre zumindest bei Suizid zutreffend, schreibt Dörner abschließend.
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