Kreisheimatpfleger widerspricht der Aussage des Zeitzeugen Wolfgang Babl in Stellungnahme
Dörner hegt Zweifel an Keppner-Schuss

Nicht einverstanden ist Kreisheimatpfleger Dieter Dörner mit der Darstellung zum Tod des damaligen Kreisleiters Dr. Artur Kolb in der Amberger Zeitung vom Mittwoch. "So kann es nicht gewesen sein!", schreibt Dörner und führt zahlreiche Indizien auf, die für die Version sprechen, Dr. Kolb sei tatsächlich von den Amerikanern erschossen worden.

Zum großen Teil bezieht er sich dabei auf einen Zeitungsbericht aus dem Jahr 1955, in dem geschildert wird, Kolb habe sich auf seinem Weg nach Pursruck urplötzlich einer amerikanischen Stellung gegenüber befunden, es sei zum Schusswechsel gekommen, Kolb schließlich getroffen zusammengebrochen. Auf welche Quellen sich dieser Bericht stützt, ist allerdings nicht klar.

Weiter stellt Dieter Dörner dar, Artur Kolb sei erst gegen 18.30 Uhr - und nicht um 17 Uhr - losgefahren. Er reagierte damit offenbar auf den zweiten Anruf der Amerikaner, die von Raigering aus die Übergabe der Stadt gefordert haben. Der Leichenschaubericht belege, so Dörner weiter, dass Kolb nach einem Bauchschuss mit amerikanischem Verbandsmaterial verbunden worden sei und die Soldaten mit dem Kreisleiter nach Hirschau gefahren seien, wo die Sanitätskolonne stationiert gewesen sei. Im Übrigen habe der Wagen des Kreisleiters mehrere Tage auf der Raigeringer Höhe gestanden, wo er von der Bevölkerung ausgeschlachtet worden sei.

Warum, so fragt Dörner, sei der Fahrer mit dem er- oder angeschossenen Dr. Kolb an Bord weitergefahren und nicht in die Stadt zurückgekehrt? Julian Keppner habe ja in seiner eidesstattlichen Versicherung 1946 folgendes geschrieben: "Der Kreisleiter wurde hernach im Dreifaltigkeitsviertel gesehen und hat ihn auf der Raigeringer Höhe das Schicksal kurze Zeit darauf ereilt." Der Mut sei Julian Keppner zweifellos hoch anzurechnen, doch mit dem Tod des Kreisleiters sei er nicht in Verbindung zu bringen. Das sieht Zeitzeuge Wolfgang Babl anders, der sich absolut sicher ist, dass Keppner den entscheidenden Schuss abgegeben hat.

Nicht zu klären sei die Frage, so Dieter Dörner, wie Dr. Kolb neben dem Bauchschuss zu einem weiteren Schuss in den Kopf gekommen ist. Seine Interpretation: Die Amerikaner hätten den unrettbar Verlorenen mit einem Gnadenschuss "erlöst".
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