Krieg vom Display aus

Radtour zu den ehemaligen Militärliegenschaften KWK, Möhlkaserne und Bundeswehrkrankenhaus, dann nach Vilseck und zum abendlichen Ziel Sulzbach-Rosenberg.

Gut 40 Aktivisten der Deutschen Friedensgesellschaft und der Bürgerinitiative "Keine Drohnen in der Oberpfalz" radelten am Samstag von Amberg nach Vilseck, Grafenwöhr und Sulzbach-Rosenberg. Sie taten das für Frieden und Abrüstung und gegen Atomwaffen und Drohnen.

Auf dem Multifunktionsplatz in Amberg klagte DFG-Sprecher Thomas Rödl an, dass sich Grafenwöhr mittlerweile zu einem der wichtigsten US-Stützpunkte in Deutschland entwickelt habe, auf dem für Kampfhandlungen in der ganzen Welt ausgebildet und aufgerüstet werde. Von hier aus würde die US-Kriegsmaschinerie Ziele abstecken, um sich weltweite Rohstoffvorkommen zu sichern.

Fronten nie abgebaut

Ein neuer kalter Krieg zwischen den USA und Russland sei längst Fakt, und wenn man genau überlege, seien die Fronten zwischen Ost und West nie abgebaut worden. Mehrfach sei die Welt in den letzten Jahren kurz vor dem Ausbruch eines Atomkriegs gestanden. Daher fordere die DFG die Abschaffung aller Atomwaffen und die Schließung der US-Stützpunkte in Europa.

Rödl behauptete, dass von der US Army in Grafenwöhr ein Krieg gegen Russland vorbereitet werde. Allein 6000 Tote habe es in den vergangenen Jahren durch Drohnenkrieg gegeben, was eindeutig gegen das Gewaltverbot in der UN-Charta verstoße. US-Präsident Obama sei ein Massenmörder, schimpfte Thomas Rödl.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Franz Schindler meinte, er sei in einer Zeit aufgewachsen, in der auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs Panzer auffuhren. Heute gebe es die Wehrpflicht nicht mehr, aber die Bundeswehr sei weltweit im Einsatz. Die Parole, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt werden müsse, sei blanker Unsinn.

Krieg "entmenschlicht"

Der Krieg sei "entmenschlicht", er werde vom Display aus von einem sicheren Stützpunkt heraus geführt. Rüstungsexporte deutscher Waffen, verlangte Schindler, müssten verboten werden. Denn überall auf der Welt, wo Krieg geführt werde, seien in Deutschland hergestellte Waffen im Einsatz.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg, seit Jahren in der Friedensbewegung aktiv, unterstellte den Vereinigten Staaten, ihre Armee seit 1968 ununterbrochen in irgendwelche Kriege auf der Welt zu verstricken. Die politische Weltmacht USA sei im steilen Sinkflug und spiele nur ihre militärische Stärke aus, um sich wichtige Rohstoffe zu sichern. Deutschland unterstütze diese Kriegsmaschinerie, weil von deutschem Boden aus diese Kriege mit unzähligen zivilen Opfern gesteuert würden.

Situation in Amberg

Grünen-Stadtrat Hans-Jürgen Bumes merkte an, dass in Amberg aus der Kaiser-Wilhelm-Kaserne die Hochschule geworden sei und sich die ehemalige Möhlkaserne in ein attraktives Wohngebiet verwandelt habe. Bumes bedauerte, dass sich Deutschland zum drittgrößten Waffenexporteur entwickelt habe.
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