Kurzfilme sind groß geworden

Das sind die Preisträger des Amberger Kurzfilmwettbewerbs mit Mitgliedern des Kulturvereins und der Jury (von links): Anne Schleicher (Jury), Georg Fruth und Romy Eger (bester lokaler Film), Martin Frey (Moderator des Abends), Martin Helm (Jury), Daniela Huber (OTH-Studentin), Martin Binder (Vorsitzender Kulturverein), Kristina Sandig (Jury) und Eugen Burger (stellvertretender Vorsitzender). Bild: waj

Der Amberger Kurzfilmwettbewerb AKUT ist erwachsen geworden. Das war im Ring-Theater unübersehbar. Gerade für Leute der ersten Stunde, die bereits die Anfänge des Vilsflimmerns auf dem LGS-Gelände miterlebt hatten, war es beeindruckend, auf welchem Niveau sich die Beiträge mittlerweile bewegen.

Und nicht nur das, die Werke haben sich auch ganz schön in die Länge gestreckt: 18 Kurzfilme, die aus insgesamt 125 Einsendungen - so viele wie noch nie - vom Amberger Kulturverein ausgewählt worden waren, wurden den recht zahlreichen Besuchern präsentiert. Während sie sich in die altmodisch-plüschigen Samtsessel kuschelten und so das vertraute Kinogefühl im "Ring" wieder auflebte, genossen sie Filmkultur auf hohem Standard.

Mit "Meinungsverschiedenheiten" von Jan Riesenbeck aus Kassel gewann am Ende ein Film ohne große technische Effekte, der allein durch die gut gesetzten Schnitte, die witzigen Dialoge und die großartige Leistung der Akteure überzeugte: Vier Personen geben unabhängig voneinander wieder, wie sie im Fahrstuhl steckengeblieben sind und versucht haben, sich zu retten. Dabei ist es äußerst amüsant, zu hören, wie stark die jeweiligen Wahrnehmungen voneinander abweichen.

Auf Platz zwei (ausgeschrieben mit 300 Euro) landete der Animationsfilm "The Present" von Anna Matacz aus Ludwigsburg. Hochwertig und sehr realistisch gemacht, erzählte er die Geschichte eines kleinen Jungen, der einen Welpen geschenkt bekommt. Als er sieht, dass der Hund eine Behinderung hat, lehnt er ihn zunächst rigoros ab - doch der Vierbeiner gewinnt sein neues Herrchen mit seiner quirligen Art für sich und holt ihn so zurück ins Leben. Denn, wie man erst am Ende sieht, der Bub hat das nahezu gleiche Handicap.

Ambergs riskanter Kuchen

Der dritte Sieger (belohnt mit 200 Euro), der Streifen "Nebenan" von Andreas Marterer aus Hamburg, war ein sehr nachdenklich machender Beitrag, der das monotone Leben in einem typischen Hochhaussilo darstellt. Stark überzeichnet, indem die Personen als Holzpuppen gezeigt werden, die, durch Zahnräder angetrieben, ständig nur dieselben Bewegungsabläufe verfolgen: lustig, tragisch, brutal, abgestumpft, sinnlos - wieder und wieder. Neben diesen drei Preisträgern gab es auch noch eine Belohnung von 100 Euro für den bestplatzierten Amberger Film. Hier setzte sich "Ein unwiderstehlicher Kuchen" von Georg Fruth durch, der - angeblich nach einer wahren Begebenheit - darstellt, was passieren kann, wenn ein Kuchen mit halluzinogenen Substanzen in falsche Hände bzw. Mägen gerät.

Breitgefächertes Spektrum

Allein an diesen vier Filmen konnten die Besucher ablesen, wie breitgefächert die Themen und Umsetzungsvarianten der verschiedenen Einsendungen waren. Und vielleicht stellen sie ja auch einen Anreiz für die lokale Filmszene dar, ihren Ehrgeiz hineinzusetzen, in naher Zukunft selbst den Hauptpreisträger bei diesem Format zu stellen, das mittlerweile deutschlandweiten Zuspruch erfährt. Der Bestplatzierte hat es ja bewiesen: Dafür sind kein großes Budget und auch keine anspruchsvolle Location oder aufwendiger technischer Schnick-Schnack nötig. Nur eine gute Idee - und daran sollte es in der Region nicht mangeln.
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