"Ladykillers" mit Startproblem

Das Ballhausorchester von Peter Wittmann kam mit "Ladykillers" ins Stadttheater. Zu hören waren Schlager, Chansons und Couplets. Bild: Hartl

Schlager, Chansons und Couplets von Männer verschlingenden Frauen und Frauen mordenden Männern - so war das Gastspiel von Peter Wittmann und seinem Ballhausorchester "Ladykillers" angekündigt. Den großen Zuspruch fand diese Veranstaltung nicht, viele Plätze blieben leer.

So manches erschien doch sehr konstruiert bei Musik und Präsentation. Wenn neun gestandene Mannsbilder am Anfang ihr Renommee als "Ladykiller" dadurch demonstrieren, dass sie farbige Büstenhalter ins Publikum schwingen - huch, wie erotisch! Und wenn im ersten Teil ein parodierend gemeinter angedeuteter Striptease eines Orchestermitgliedes für die größte Heiterkeit, den stärksten Beifall sorgt, dann ist das schon bemerkenswert.

Erst im zweiten Teil stark

Peter Wittmann mit seinem Orchester kann nämlich begeistern, das hat er im zweiten Teil beeindruckend unter Beweis gestellt. Da brachten Schlager wie "Was kann der Siegismund dafür, dass er so schön ist" oder die klasse dargebotene und gesungene Ballade vom Jungen in Amsterdam Stimmung in das Theater. Da sangen tapfere Besucher das Zarah-Leander-Couplet "Davon geht die Welt nicht unter" hingebungsvoll mit, da führten die Ovationen zu spritzigen Zugaben wie "Der kleine grüne Kaktus" und "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" - das war dann schon eine gute Show, die (leider erst zum Schluss) abgezogen wurde. Das Orchester, neun Mann hoch, war ein Ensemble, das den Sound dieser Musik gut einfing, manchmal etwas zu brav, aber immer swingend und mit dem unterkühlten Charme präsentiert, der diesen Liedern gut tut. Im ersten Teil allerdings sprang der Funke nicht über.

Peter Wittmann präsentierte sich als charmanter Plauderer, der sich selbst ironisch auf die Schippe nahm und mit angenehm timbrierter Stimme eine ganze Palette von Liedern und Chansons darbot. Aber: Wenn man kaum Text versteht, lediglich der Refrain textlich zu erahnen ist, dann verliert jede Darbietung an Eindruck und Spannung. "In der Bar zum Krokodil am Nil" - spritzig gesungen und mit Ironie vorgetragen, war der Einstieg. Die so makabre Geschichte einer betrogenen Ehefrau, die der Geliebten ihres Mannes erklärt: "Mein Mann ist verhindert" (weil sie ihn ermordet hat), verpuffte weitgehend wegen des Text-Mangels. Besonders fatal wirkte sich das beim Georg-Kreisler-Couplet "Bidla buh" aus. Wenn man schon den bitterbösen Schmäh des genialen Österreichers nicht "kopieren" kann, dann sollte wenigstens verständlich sein, was der Inhalt dieser "mordenden Geschichte" ist. Allein die Verdeutlichung "Schöne Frauen kosten sehr viel Geld" war doch arg wenig Text.

Auch gute Songs zu hören

Natürlich waren auch gute Songs zu hören. "Was macht der Mayer am Himalaya" oder "Ach, verzeihn Sie, meine Dame, Gottfried Schulze ist mein Name" oder auch "Unter enem Regenschirm am Abend" - damit konnte man sich anfreunden, da sprang (etwas) der Funke über, das hatte das berühmte Feeling, für das auch und besonders das gut aufgelegte Orchester sorgte. Dagegen führten die von Wittmann eingestreuten, auf Amberg und das Umland bezogenen abgedroschenen Kalauer höchstens für bemühte Heiterkeit.

Die Frage "Was benötigt ein Mann zur Liebe?" wurde gesungen (mit Background-Sängern aus dem Orchester) und beantwortet mit "Viagra". Das gefiel dem Publikum, und mit "Mein Herz sagt leise, ich liebe dich", mit viel (gesundem) Schmalz wirkungsvoll vom Sänger präsentiert und vom Orchester wirklich gut unterstützt, ging der erste Teil zu Ende, Danach war der Sänger (jetzt im roten Outfit) präsenter, war auch der Text verständlicher, wurde eine eindrucksvolle Show abgeliefert. Ovationen, Bravo-Rufe, das Publikum honorierte die Steigerung.
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