Leben retten kann man lernen

"Drücken ist stark": Bei dieser Aktion ging das Rote Kreuz in verschiedene Betriebe und Behörden und schulte die Mitarbeiter in der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Rund 250 Menschen nahmen dieses Angebot an. Für den 8. Mai ist der Abschluss geplant: Dann können sich am Marktplatz die Bürger über die Reanimation informieren und sie an einer Puppe ausprobieren. Bild: BRK

Jeder kann Leben retten: Im Prinzip hört sich das ganz einfach an. Und dennoch ist es ein Thema, das mit großer Angst behaftet ist. Viele Menschen sind unsicher, wollen nichts falsch machen. Doch falsch machen kann man nichts, sagen die Experten des BRK. Mit einer Ausnahme: Der einzige Fehler ist, nichts zu tun.

Der Kreisverband Amberg-Sulzbach hat sich an einer landesweiten Kampagne des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) beteiligt: "Drücken ist stark". Gemeint ist mit diesem Slogan die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Laien. Ehrenamtliche Rotkreuz-Helfer waren deshalb in Betriebe und Behörden gegangen, um deren Mitarbeiter in der Reanimation zu schulen. Zum Auftakt der Kampagne waren die Helfer in die Amberger Zeitung gekommen. Nach gut einem Monat ziehen Tanja Tuchscherer, die beim BRK-Kreisverband für die Breitenausbildung zuständig ist, und die beiden Ausbilder in Erster Hilfe, Armin Joscht und Ulrich Gerlach, Bilanz.

Wertvolle Zeit vergeht

Die Angst, etwas falsch zu machen, und die Unsicherheit, einen Herz-Kreislauf-Stillstand nicht zu erkennen: ehrliche Aussagen, die Armin Joscht und Ulrich Gerlach immer wieder hörten, und die eine Hemmschwelle für viele Menschen darstellen. "Man kann nichts falsch machen", betonte Ulrich Gerlach, der die Rettungswache Hirschau leitet. "Der einzige Fehler ist, nichts zu tun." Denn dies könne fatale Folgen haben für den Menschen, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hat.

Mit jeder Minute, in der sein Herz nicht schlägt, reduziert sich die Überlebenschance um zehn Prozent. Oder andersrum: Nach acht bis zehn Minuten liegt die Chance nur noch bei zwei Prozent. Allein diese Zahlen sind ein eindrucksvolles Plädoyer für die Laien-Reanimation. Denn bis professionelle Hilfe eintrifft, vergeht wertvolle Zeit.

Die Bereitschaft, Erste Hilfe zu leisten, sei bei vielen da, sagen die beiden Ausbilder. "Doch viele haben darin keine Erfahrung." Die Krux: Der eigene Erste-Hilfe-Kurs liegt Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zurück. Eine weitere Angst von Menschen: Sie fürchten, sie könnten dem Opfer wehtun. Möglicherweise wird dem Betroffenen bei einer Reanimation eine Rippe gebrochen - nicht ungewöhnlich, wenn die Drucktiefe ungefähr bei sechs Zentimetern liegt. Sowohl Joscht als auch Gerlach setzen diese Verletzung in Relation zum Tod, der eintreten wird, wenn nach einem Herzstillstand nichts getan wird. Stabile Seitenlage, Schlaganfall, Herzinfarkt: Bruchstückhaft wissen viele Menschen darüber etwas. Doch so richtig präsent ist der genaue Ablauf der Laien-Reanimation bei vielen nicht. Deshalb nahmen die Mitarbeiter einiger Betriebe, die sich an "Drücken ist stark" beteiligten, das Angebot dankbar an. Die Profis gaben ihnen auch Tipps, wie sie sich Unterstützung holen - indem sie gezielt Menschen ansprechen. "Wir zeigen, wie Teambildung funktioniert, damit sie sich abwechseln können." Das tun auch Rettungsteams, wenn sie reanimieren. "Nach zwei Minuten drückt ein anderer", erklärte Gerlach.

Aktion zum Rotkreuztag

Viele meinen, dass Erste Hilfe vor allem gefragt sei, wenn sie zu Unfällen kommen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es im eigenen Umfeld passiert, ist um ein Vielfaches höher. Tanja Tuchscherer, Armin Joscht, Ulrich Gerlach und alle anderen, die sich für "Drücken ist stark" engagiert haben, hoffen, dass die Bürger zahlreich zum Aktionstag am 8. Mai am Marktplatz kommen. Das Datum ist nicht zufällig gewählt: Es ist der Weltrotkreuztag und der Geburtstag des RK-Gründers Henry Dunant.
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