Lebensbedrohlicher Treppensturz

Sein Leben hing am seidenen Faden. Nur durch eine Notoperation konnte der damals 32-Jährige gerettet werden. Zwei Männer sollen ihn aus einer Wohnung bugsiert und eine steinerne Haustreppe hinab gestoßen haben. Vor dem Landgericht weist das Brüderpaar jetzt jegliche Schuld von sich.

Der Freund ihrer Schwester ging ihnen wohl irgendwie auf die Nerven. "Der war ständig betrunken", sagen die beiden Brüder, 37 und 31 Jahre alt, jetzt vor der Ersten Strafkammer. Sie selbst aber - das wurde sehr rasch klar - sind ebenfalls dem Alkohol zugeneigt. Am Tatabend, dem 16. Dezember 2013, sollen dann alle direkt an dem Vorfall Beteiligten heftig benebelt gewesen sein.

Die Brüder feierten erst in einer Schwandorfer Wohnung eine Party, dann setzten sie sich zu später Stunde auf einen Motorroller und fuhren zum Haus ihrer Mutter in Ettmannsdorf. Warum? "Es gab eigentlich keinen Grund." Oder doch? In den Räumen tauchte etwa eineinhalb Stunden vor Mitternacht der Freund ihrer Schwester auf. "Ein Obdachloser, der oft randalierte." Sie kannten den Mann von Gefängnisaufenthalten her. Er sie auch. Als Zeuge sagte er im Verhandlungsverlauf: "Eigentlich gute Freunde."

Massive Verletzungen

Um 23.39 Uhr an jenem Abend wurden jedoch Polizei und Notarzt alarmiert. Vor dem Ettmannsdorfer Anwesen lag der damals 32-Jährige mit schwersten Kopfverletzungen: Schädelbruch, Hirnblutungen, Jochbein- und andere Gesichtsknochenfrakturen. Nur durch eine Operation konnten Neurochirurgen in einer Regensburger Klinik sein Leben retten.

Die beiden in der Wohnung ihrer Mutter zechenden Brüder sollen den wie sie zu später Stunde ankommenden Arbeitslosen aus der Wohnung bugsiert und dann über 14 steinerne Stufen hinabgeworfen haben. Begleitet von Schlägen und Tritten. "Nie im Leben", hörten die Richter. Der Ältere aus dem Geschwisterpaar will eher tatenlos geblieben sein, der Jüngere will den Freund der Schwester lediglich hinaus vor die Türe geschoben haben. "Mehr nicht." Von draußen habe sich dann plötzlich "dumpfes Gerumpel" vernehmen lassen. "Und da haben Sie nicht nachgeschaut?", bohrte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber nach. Die Antwort bestand aus einem Achselzucken.

Also selbst im Rausch hinabgestürzt? "Ich habe keinerlei Erinnerung", sagte das mutmaßliche Verbrechensopfer und löste heftige Nachfragen der Vorsitzenden aus. Doch der heute 33-Jährige blieb dabei: "Ich weiß nichts mehr." Seltsam. Nach seiner lebensrettenden Operation hatte er Kriminalbeamten noch auf der Intensivstation geschildert, wie man ihn traktierte. Schon früher einmal mit Ohrfeigen und dann auch am 16. Dezember 2013. "Der Ältere hat mich am Hals gepackt und die Treppe hinuntergeworfen." Der Jüngere der beiden Brüder habe dabei quasi assistiert. Davon, so sagte er jetzt, sei ihm absolut nichts in Erinnerung. Wie ausgelöscht.

Die Schwester der beiden Beschuldigten machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sie soll während des Tatgeschehens vom jüngeren ihrer Brüder bedrängt und bedroht worden sein: "Keine Polizei. Sonst bist du die nächste." Das bestätigte ein junges Paar. Das Mädchen und ihr Freund kamen an dem Haus vorbei, hörten diese Äußerung und sahen auch, "wie der Mann mit einem Salto aus der Tür flog." Genau das befand sich im krassen Gegensatz zu den Angaben der Angeklagten. Sie wollen, zeitlich voneinander versetzt, erst nach etwa einer Stunde vor die Haustür gegangen sein und dort dem Schwerverletzten Hilfe angeboten haben. Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage angesetzt.
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